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- KÜSTENGARTEN – EIN GARTEN WIE URLAUB AM MEER
Ein Gastbeitrag von Sven Nürnberger Das was uns berührt, können wir mit Pflanzen ausdrücken. Vergleicht man die unterschiedlichen weltweiten Küstengebiete, so fanden bislang nur ein Bruchteil von Küstenpflanzen Einzug in die Gartenkultur. Und oft wurden diese Pflanzen dann aus ihrem ursprünglichen Vegetationskontext herausgenommen und auf andere Weise gestalterisch verwendet. Dabei liegt es so nah, dieses Thema in der Gartenkultur ganzheitlich aufzugreifen, die Stimmungen, den Ausdruck der Pflanzen in einem Gartenbild abzubilden. Gerade in den Zeiten des klimatischen Wandels sind Konzepte wie dieses sehr willkommen. Sie richten den Blick auf ganz neue Möglichkeiten, wenn man nur offen ist und neue Gedanken zulässt. Ich habe Sven Nürnberger aus dem Frankfurter Palmengarten eingeladen, uns seinen neuen Küstengarten vorzustellen. Foto: Holger Menzel Sven Nürnberger absolvierte im Palmengarten in Frankfurt am Main die Ausbildung zum Zierpflanzengärtner. Nach der Meisterausbildung 2004 arbeitete er zunächst im Botanischen Garten der Universität Heidelberg, bevor er 2009 wieder in den Palmengarten zurückkehrte. Sven arbeitet im Palmengarten Frankfurt in leitender Position und ist mit der Planung und Betreuung von botanischen Themengärten und Schauanlagen betraut. Die Beobachtung von Lebensgemeinschaften am Naturstandort und die anschließende gärtnerische Interpretation gehören zu seinen großen Leidenschaften. Seit Beginn der 90er-Jahre beschäftigt er sich unter anderem mit globaler Vegetationskunde, der Pflanzenwelt der Südhalbkugel, Gebirgspflanzen und der Verwendung von Stauden. Regelmäßig unternimmt er spannende Reisen zu den Wildstandorten der Pflanzen. Es fühlt sich an, wie eine Zeitreise zu unserem Ursprung Küstenlandschaften sind ausdrucksstark, eigen und ziehen uns magisch an. Wir erleben eine Einbindung in eine Welt, die von Minimalismus und spezifischen Strukturen lebt. Farbe, Kontur und Licht. Wetter, Topografie und Geologie. Komponenten, die eine lebensbejahende Stimmung erzeugen. Wir fühlen uns eingebunden in Weite und den Kreislauf des Lebens. Harsche Naturgewalten und sanftes Lichtspiel. Vergänglichkeit und Wiederaufbau. Es fühlt sich an, wie eine Zeitreise zu unserem Ursprung. Solche tiefen Stimmungen in den Garten zu übertragen erscheint im ersten Moment beinahe vermessen. Sind es doch gerade die Urgewalten, die spürbare Unendlichkeit, Zeitlosigkeit, die uns bei einer Küstenwanderung ergreifen. Doch gerade auch die visuellen Aspekte der vom Wind bewegten Natur, die jahreszeitlichen Veränderungen der Vegetation, die eigenständigen Farbnuancen von Pflanzen und Küstenrelief sind es, die uns in Erinnerung bleiben und die wir fotografieren, malen und schriftstellerisch beschreiben. Diesen Schnittpunkt von Künsten und Eins sein mit einer Landschaft gilt es für eine authentische Gestaltung in das Gartenbild einfließen zu lassen. Foto oben: Die Stranddistel ( Eryngium maritimum ), auch Meer-Mannstreu genannt, wächst am Marisucia-Strandes in Los Canos de Meca, Spanien Fotos: Hier wächst auf Sand der Küsten-Meerkohl (Crambe maritima). Seine jungen gebleichten Stängel kann man wie Spargel zubereiten Foto oben: Die Stranddistel (Eryngium maritimum) ist eine herrlich bizarre Strukturpflanze. Kombiniert man sie mit weich fließenden Gräsern, entsteht ein schöner Kontrast Foto unten: Die Grasnelke (Armeria maritima) wächst hier an der Küste Hol dir die 20 besten Stauden für trockenheitsliebende Beete! Hier geht es zu unserer kostenfreien Liste: Wie lässt sich ein Küstengarten gestalten Die Hinwendung zu den charakteristischen Eigenschaften von Küstenpflanzen kann eine bereichernde Weise sein mit Pflanzen umzugehen. Ob mit Grasnelken, Stranddisteln, Küsten-Meerkohl oder Sand-Weide – die Möglichkeiten vervielfältigen sich in der Verwendung von typischen Küstenpflanzen. Küstenhabitate können zudem sehr unterschiedlich sein. Bezieht man die küstennahen Pflanzengesellschaften mit ein, so ergibt sich ein Pool von vielfältigen Möglichkeiten landschaftsähnlich zu arbeiten. Die Modellierung und die Vorliebe für bestimmte gerüstbildende konturstarke Pflanzen stehen hierbei am Anfang der Planung. Folgende Fragen tauchen weiter auf: Besteht die Option das Gartenbild hügelig, dünenartig oder mit Findlings- oder Felselementen zu gestalten? Oder soll das Gesamtbild eher flach verlaufen? Welchen Ausdruck möchte ich der Bodenauflage verleihen, z. B. Abdeckung mit Kies, Sand oder Grus? Mit welchen Leitpflanzen/Gerüstbildnern kann ich die Modellierung effektvoll unterstützen? Welche Pflanzen sollen mein Konzept prägen, sowohl im Gesamtbild als auch saisonal. Foto oben: Die Zistrose ist eine mediterrane Pflanze mit besonderes exotischer Ausstrahlung. Ihre Standortbedürfnisse passen gut zum Konzept eines Küstengartens. Foto unten: Küstengarten vor der Hauptblüte im Juni, Palmengarten Frankfurt Der Küstengarten im Palmengarten Frankfurt Das im Jahre 2017 entstandene Küstenbeet im Frankfurter Palmengarten zeigt auf, wie an einem Weiherufer ein Küstenthema auf interessante Weise interpretiert und umgesetzt wurde. Die Grundidee resultierte aus der Not den anstehenden invasiven Japanischen Knöterich zu eliminieren und die Pflanzfläche an dieser Stelle wieder vollständig nutzbar zu machen. Mit einem Geotextil/Unkrautvlies wurde die modellierte zum Ufer geneigte Fläche vollkommen gegen den Knöterich versiegelt. Auf das für Wasser durchlässige Vlies wurde eine 30 cm hohe Schicht ungewaschener Sand aus dem Frankfurter Stadtwald aufgetragen. Stellenweise betrug die Abdeckung an den Rändern auch nur 10 cm. Hier wurden Trockenstress verträgliche Arten, wie Helichrysum italicum ssp. microphyllum als Schleppe eingesetzt. Zueinander parallel verlaufende Dünen von 70 bis 80 cm wurden locker mit der Sandweide bepflanzt und mit Pionieren benachbart. Außer auf den Dünen wurde die gesamte Fläche mit Rheinkies und kleineren Findlingen abgedeckt. Gerüstbildend wurden neuseeländische und australische Küsten-Tussock-Gräser, mediterrane silbrige Zwergsträucher, wie Helichrysum italicum; Küsten-Meerkohl, Gemüse-Kohl aus Helgoland, Stranddisteln und Zistrosen miteinander kombiniert. Der feuchtere Ufersaum wurde mit Angelica archangelica, Phormium 'Bronze Baby' und Poa cita bestückt. Eine Barriere aus stachligem Geäst verhalf zum Abwandern der Nilgänse, die die Pflanzung zu Beginn sehr stark schädigten. In dieser schützenden Barriere neigen jedoch Erlensämlinge, Disteln und Weidenröschen zur schnellen Verbreitung, so dass 2-3 Jätegänge an dieser Stelle notwendig sind. Insgesamt liegt der Pflegeaufwand derzeit aber im extensiven Bereich. Aufgrund der durchlässigen geringen Bodenauflage, den Temperaturspitzen und der Mineralmulchschicht ist der Jäteaufwand insgesamt gering. Foto oben: Hier im Palmengarten Frankfurt sind Strohblumen (Helichrysum italicum) und Stranddisteln (Eryngium martimum) spannungsreich kombiniert. Kalifornischer Mohn ist dazwischen locker eingestreut. Foto oben: Nach der Blüte wirken die Pflanzenstrukturen im Zusammenspiel mit den Steinen. Der Kalifornische Mohn ( Eschscholzia californica), auch als Goldmohn oder Schlafmützchen bezeichnet versamt sich uns sorgt auch bis in den Spätsommer für Farbakzente. Foto unten: Aber es muss gar nicht so viel blühen. Im Küstengarten bringen Steine, strukturreiche Pflanzen, wie die Stranddisteln und Schwemmholz das richtige Küstenflair Mit Pflanzen Stimmungen erzeugen Die Pioniere, wie Helichrysum italicum, Cistus-Arten und diverse Gräser, sowie die an Derek Jarmans Garten angelehnte Verwendung von Eschscholzia californica, versamen sich zuverlässig, aber keineswegs invasiv. Neben südpazifischen und kalifornischen Exoten wurden auch südamerikanische Pflanzen miteinbezogen. Die Verbindung aus heimischer, südwesteuropäischer und fremdländischer Flora lässt eine eigene Stimmung und Aspektbildung entstehen und kann saisonal durch Hochblüte, Fruchtstände, Wuchsformen, Farben und Kontraste berühren und überraschen. Einige der Küstenpflanzen finden sich im Gräsergarten des Palmengartens wieder. In einem durchlässigen Substrat aus Lavasand sind dort Crambe maritima, Sträucher des küstennahen neuseeländischen Scrub, südhemisphärische Küstengräser mit Pampasgräsern, mediterranen Sträuchern, Ravenna-Gras, Eucalyptus, südafrikanischen Gebirgspflanzen und unterschiedlichsten Steppenbewohnern kombiniert. Farben, Konturen und Anpassungen sind bei vielen Arten ähnlich und harmonieren daher im Zusammenspiel. Die Pflanzung wird von einer Kieszunge durchzogen, die der Kulisse eine eigene Stimmung verleiht. Foto oben: Strandroggen (Leymus arenarius) sind typische Küstenbewohner. Sie sind wuchsfreudig, robust und trockenheitsverträglich. Foto unten: Hier wächst das horstbildene Gras, das Magellan-Blaugras (Elymus magellanicus) mit dem Meerträubel (Ephedra) und vermittelt Küstenfeeling Foto oben links: Disteln und auch die Stranddistel hat Versamungspotential. So erhält sie sich selbst. In dem Kies oder Sand lassen sich die Sämlinge leicht ziehen. Foto oben rechts: Kohl? Ja! der Gemüse Kohl (Brassica oleracea) wächst an den Küstenfelsen des Atlantiks von Spanien bis Südengland sowie auf Helgoland. Dieser Kohl ist sogar strauchig und mehrjährig. Seit 2008 ist Sven als Autor tätig. Er schreibt unter anderem Fachbeiträge für die Zeitschrift Gartenpraxis. Hast du Lust mehr über Sven Nürnberger zu erfahren? Dann möchte ich dir seine Bücher ans Herz legen. In 2019 wurden seine Bücher "Wild Garden – Gärten naturalistisch gestalten " * und „Palmengarten Frankfurt am Main“ * veröffentlicht. Der Palmengarten in Frankfurt am Main gehört seit seiner Gründung im Jahr 1868 zu den großen botanischen Gärten mit Weltruf. Auf 22 Hektar entwickelte sich im Herzen der pulsierenden Großstadt eine der weltweit größten Pflanzensammlungen. Welche Lebensbedingungen herrschen am Naturstandort? Mit dieser Erkenntnis sowie der gärtnerischen Ableitung und gestalterischen Interpretation beschäftigt sich dieses anspruchsvolle Gartenbuch. Vielleicht ist dieser Ansatz, so einen Wild Garden mit Küstenflair auch eine gute Zukunftsidee (gerade wenn es heißer und trockner wird). Es gibt so viele Möglichkeiten sich gärtnerisch mit dem klimatischen Veränderungen auseinanderzusetzten und zu wandeln, wenn man dazu bereit ist. Ich möchte mit diesen Blogbeiträgen den Blick auf diese tollen und kreativen Ideen schärfen und hoffe, es ist ein wenig gelungen. Danke vielmals Sven! Bleibt optimistisch und kreativ Eure Petra Hinweis: Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn Sie auf so einen Verweislink klicken und über diesen Link einkaufen, bekomme ich von deinem Einkauf eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.
- BUGA ERFURT 2021 – PFLANZEN DIE IM SPÄTSOMMER UND IM HERBST BLÜHEN
Ein Blogbeitrag von Petra Die BUGA Erfurt lässt auch im August schöne Blumen sprechen! Schon ist August. Das Gartenjahr auf der BUGA Erfurt schreitet in schnellem Tempo voran. Dynamisch über das Jahr entwickeln sich die Pflanzen in den Beeten. Gerade waren doch da noch tausende Tulpen und Frühblüher, schon kündigt sich der Spätsommer an. Hin und wieder fühlt es sich schon herbstlich an. Mit der Fotografin Sylvia Knittel besuchte ich erneut die Gartenschau, um die Pflanzenkombinationen in schönen Bildern festzuhalten. Auch der Gartenfotograf Ferdinand von Luckner und der Fotograf und Redakteur der Gartenpraxis Martin Staffler fotografierten auf der BUGA. So eine Pflanzung ist dynamisch, immer in Bewegung und natürlich auch vergänglich. Deshalb ist es schön, all die Farben, Strukturen, Kombinationen in Bildern einzufangen. Nicht allein für diesen Artikel sind wir erneut losgezogen, sondern auch für unsere neue Pflanzenreich App . Hier möchten wir zugeordnet zu den einzelnen Pflanzen schöne Kombinationen zeigen. Kombinationen, die Lust zum Nachpflanzen machen (vielleicht auch für deinen Garten). Foto unten: Die Wüstenmalve (Sphaeralcea coccinea) ist hier in schönster Allianz mit der Steppenwolfsmilch (Euphorbia seguieriana subsp. niciciana) Foto: Martin Staffler Immer blühende Beete anlegen – Was ist wichtig? Viele Besucher der Gartenschau wünschen sich auch für ihren Garten, dass immer etwas blüht. Aber wie legt man ein Beet mit wechselnden Blütenreigen an? Wichtiger, wie pflanzt man ein Beet, an dem man zudem viele Jahre Freude hat? In Erfurt gab es verschiedene Standorte zu bepflanzen. Einige Beete lagen in der Sonne, andere Beete waren halbschattig oder schattig. Das waren die Kriterien für die Planung: Standortgerechte Auswahl selbstverständlich! die neuen Pflanzen sollten künftig mit weniger Wasser auskommen eine langanhaltende Blüte, Kombinationen mit schöne Strukturen und Texturen die Kombinationen sollten dauerhaft sein. Kein kurzlebiges Strohfeuer für ein Gartenschauevent. Pflanzen sind mehr als die Schönheit ihrer Blüten! Stauden und Gräser haben über das gesamte Jahr viele Facetten. Wie schön ist das Ausrollen der Blätter im Frühling bei Funkien oder Farnen. Die frischen farbigen Blätter bei Pfingstrosen, die sich später verändern. Spektakulär! Schön lassen sie sich mit frühblühenden Zwiebelblumen kombinieren. Aber auch die Wuchsform einer Pflanze, ihre Struktur wirkt im Beet. Sie prägt ihr Wesen, den Charakter. Besonders deutlich wird dies im Winter, wenn Raureif die kahlen Stängel überzuckert und die Form der Pflanze nachgezeichnet wird. Dann bleibt nur die wesentliche Form übrig. Farbe spielt keine Rolle mehr. Schöner Fruchtschmuck und sogar eine leuchtende oder dezente Herbstfärbung sind ebenfalls spannend. So blüht der Röhrenstern oder die Dreiblattspiere im Frühsommer und hat im Herbst noch eine wundervolle leuchtende Färbung der Blätter. Aber auch über das gesamte Jahr wirken die Blätter. Wenn man hier genau hinschaut, sieht man die verschiedenen Formen, Blattoberflächen (Texturen) und auch Blattgrößen. Rundes, längliches Laub mit einer glatten oder rauen Oberfläche lassen sich spannungsreich arrangieren. Insbesondere im Schatten gibt es schöne und markante Blätter. Das alles funktioniert ohne Blüte. Klar, Blüte ist dennoch wichtig. Pflanzen sollten möglichst lange blühen, wenn man wenig Platz im Garten hat. Die großen leuchtenden Schalenblüten von Mohn (Papaver orientale) beispielsweise, sind beliebt. Allerdings Mohn im Garten hat einen kurzen, wenn auch spektakulären Auftritt. Nach der Blüte wird das Laub gelb und unansehnlich. Was macht man dann damit? Es muss geschickt kaschiert werden. Für schöne und pflegeleichte Beete sind Pflanzen mit ganzjährig attraktivem Laub unverzichtbar. Vom Austrieb bis zum Absterben soll die Pflanze ansehnlich sein. Das Laub, die Struktur einer Pflanze ist etwas, was über die Blüte hinaus wirkt. Einen weiteren Wert haben die Eigenschaften der Pflanzen. Wenn sie langlebig und robust sind, hat man sicher viele Jahre Freude an ihnen. Sie sollen sich ständig erneuern ohne zu wuchern oder sich lästig zu versamen. Ich suche oft Pflanzen, die mit kurzen Ausläufern Stück für Stück größer werden, ohne eine ganze Pflanzung zu “sprengen”. Oft soll ein Garten pflegeleicht sein, weil die Zeit für aufwändige Pflege fehlt. Das gelingt nur mit den “richtigen” Pflanzen, die den Boden gut bedecken. Pflanzen, die in erster Linie zum Standort passen und diese gute Eigenschaften haben. Wenn man in ein Raster dieser robusten Pflanzen dann kurzlebige Arten oder Einjährige in kleinen Tuffs setzt, braucht man auf Lieblingspflanzen nicht verzichten. Jetzt möchte ich dir zeigen, was im August in den Beeten blüht. Hier also die schönen Fotos der Fotografen Ferdinand von Luckner, Martin Staffler und natürlich Sylvia Knittel. Foto oben: Die Wüstenmalve (Sphaeralcea coccinea) mit der Blauraute (Perovskia atriplicifolia) und der gefüllten Skabiose 'Gudrun'(Scabiosa caucasica 'Gudrun') Foto: Martin Staffler und Sylvia Knittel Foto oben: Hier sind verschiedene Purpursonnenhüte miteinander kombiniert. So lassen sich großzügige Bilder schaffen, obwohl mehrere Pflanzen verwendet werden. Im Bild Echinacea purpurea 'Green Envy', Echinacea purpurea 'Green Jewel', Echinacea purpurea 'Augustkönigin'. Dahinter blüht noch Veronica longifolia 'Hermannshof'. Foto: Martin Staffler Fotos: Der Engelwurz (Angelica dahurica) war zur Blütezeit der Star im Beet. Unglaublich stattliche Stängel mit großen gefiederten Blättern entwickelten sich im Beet. Später entfaltete sich die passend große weiße Doldenblüte, deren Samenstände (unten rechts) später nicht weniger zierend waren. Foto: Ferdinand von Luckner (oben links und unten), Sylvia Knittel (oben rechts) Foto oben: Der Berglauch (Allium senescens subsp. montanum) ist eine schöne Einfassungspflanze für Beete. Da die Blätter sommergrün sind, kann man ihn ganzjährig so exponiert verwenden. Dahinter blüht der Prärieampfer (Parthenium integrifolium). Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Ysop ist ein altes Heilkraut (Hysoppus officinalis 'Roseus'), er blüht zusammen mit dem Berglauch (Allium Hybride 'Millenium') und dem Tautropfengras (Sporobolus heterolepis). Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Hier im Beet mit dem Titel 'Ein Hauch Toscana' überwallen der Ysop (Hysoppus officinalis 'Rosea') und die Steppenwolfsmilch ( Euphorbia seguieriana ssp. niciciana) schroffe Waschbetonmauern. Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Wenn alles in Weiß blüht und die Farbe sich dadurch zurück nimmt, spielen Formen eine stärkere Rolle. Hier wurden die diffus und schleierhaft wirkenden Blüten der Bergminze (Calamintha nepeta ssp.nepeta) mit den Blüten des weißen Sonnenhutes (Echinacea purpurea 'Virgin') und den Palmlilienblättrige Mannstreu (Eryngium yuccifolium) kombiniert. Das Gras Rutenhirse (Panicum virgatum 'Northwind') und der Chinesische Engelwurz (Angelica dahurica) setzten kräftige Akzente. Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Kugeldisteln (Echinops) sind wahre Lichtfänger. Im Garten plaziert man sie am besten so, dass sie abends oder morgens das Licht einfangen. Sie wurde hier mit der Blauraute (Perovskia) kombiniert. In unterschiedlichem Blau strahlen sie um die Wette. Foto: Ferdinand von Luckner Foto oben: Die blauen Spitzen der Blauraute (Perovskia atriplicifolia) sind noch knospig und wirken schon mit der weißen Prachtscharte (Liatris spicata 'Floristan Weiß') Foto: Ferdinand von Luckner Foto oben: Viele Menschen mögen kein Gelb (nicht mal in der Blütenmitte). Ja, Gelb kann als ordinär empfunden werden aber auch viel Lebensfreude vermitteln. Im Präriebeet gehört Gelb dazu. Hier blüht das Sonnenauge (Heliopsis helianthoides var. scabra 'Prairie Sunset'). Foto: Martin Staffler Foto oben: Ein leichteres zitroniges Gelb hat der kleine Missouri-Sonnenhut (Rudbeckia missouriensis). Er wird nicht so hoch, wie die anderen Sonnenhüte und ist so etwas für kleinere Gärten (wenn man Gelb mag). Hier blüht im Hintergrund die Steppenwolfsmilch (Euphorbia seguieriana ssp. Nicicana). Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Auch wenn diese Bepflanzung den Rahmen der meisten Gärten sprengt, ist die Pflanzenauswahl generell ein Beispiel für pflegeleichte Gärten. Es muss ja nicht so groß sein, aber es würde auch in kleineren Gruppen im Garten gut funktionieren. Hier hat Unkraut keine Chance. Es blüht meine Lieblingspflanze, die Schönaster (Kalimeris incisa 'Madiva' und die Sonnenbraut (Helenium Hybride ‘Sahin’s Early Flowerer’ ®) sowie die Prachtscharte (Liatris spicata 'Floristan Weiß') Foto: Martin Staffler Foto oben: Zu den orangefarbenen Sonnenbräuten (Helenium Hybride ‘Sahin’s Early Flowerer’ ®) passt die Komplementärfarbe Blau. Hier blüht die Blauraute (Perovskia atriplicifolia) sowie die Rutenhirse (Panicum virgatum 'Shenandoah' ). Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Das zarte Violett des Blauen Strandflieder (Limonium latifolium) umgarnt den Dost (Origanum laevigatum 'Herrenhausen') und gibt den Kugeldisteln (Echinops ritro) eine “Bühne. Im Hintergrund entfalten Rutenhirsen (Panicum virgatum 'Shenandoh') ihre dunklen Blütenwolken. Im Vordergrund 'wächst der Röhrenstern, der sich im Herbst quittegelb färben wird. Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Die Rutenhirsen (Panicum virgatum 'Shenandoh') blühen großflächig neben der Schönaster (Kalimeris incisa 'Madiva') und dem kleinen Röhrenstern (Amsonia orientalis ‘Blue Ice’). Letztere blüht im Frühling himmelblau. Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Das Riesenschilf (Triarrhena lutarioriparia) ist absolut nichts für kleine Gärten. Nicht nur dass es 5m hochwächst, es macht auch Ausläufer. Im Gräsergarten, den wir 2018 hier im ega Park bereits schon angelegt haben, wächst das riesige Gras in einer Rhizomsperre. Ab und zu hüpft ein Rhizom darüber. Man muss schon wachsam sein. Hier ein schöner Blick auf die Lampenputzergräser (Pennisetum alopecuroides var. viridescens), die uns bald mit ihren dunklen Blüten erfreuen. Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Eine bizarre seltene Schönheit ist der Hohe Indianerwegerich (Arnoglossum atriplicifolium). Diese Pflanze habe ich das erste Mal in den Prärien Nordamerikas gesehen, wo sie auf feuchten Wiesen wächst. Im Gräsergarten ist sie mit dem rosa blühenden Mädesüß (Filipendula rubra 'Venusta') kombiniert und mit dem Zierlauch (Allium 'Summer Drummer'), der sehr hoch wird und gut zu Großstauden passt. Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Die rosa Blütenknöpfchen des Wiesenknopfes (Sanguisorba) verweben sich in die benachbarten Großstauden, wie hier in den Wasserdost (Eupatorium atropurpureum). Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Einige Beete im Rosengarten sind mit dauerhaft schönen Stauden eingefasst. Einfassungen finde ich wichtig, damit die Beete eine schöne Kante haben. Von hier baut sich die Pflanzung höhengestaffelt auf. Purpurglöckchen (Heuchera villosa 'Brownie') und der Berglauch (Allium Hybride 'Millenium') bilden hier den Rahmen. Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Zum Schluss noch ein bisschen Wechselflor/Sommerblumen in den Erfurter Farben. Hier haben wir den Johannisbeer-Salbei ‘Hot Lips’ (Salvia greggii 'Hot Lips') mit dem weißen Schmuckkörbchen blühen lassen. Petersilie im Beet gab es zum Erstaunen vieler Besucher auch. Foto: Sylvia Knittel Die Gartenschau hat auch im Herbst noch viel zu bieten und ist immer eine Reise wert. Also ich wünsche viele tolle Eindrücke in der Blumenstadt! Bleib natürlich Petra Übrigens hast du Lust auf den variabelsten Garten der Welt? Hier findest du alle vorgestellte Pflanzen aus diesem Artikel und solche, die auf der Bundesgartenschau im Juli und August blühen. In dieser Gartenplanungs App findest du schöne und passenden Pflanzen. Auch für deinen Garten. Mehr Informationen zur App findest du hier .
- BUGA ERFURT 2021 – PFLANZEN DIE IM JUNI BLÜHEN
Ein Blogbeitrag von Petra Im Juni strömten die Menschen bei aller besten sonnigen Wetter auf die Bundesgartenschau. Kein Wunder… Erfurt ist Garten- und Blumenstadt und bekannt für zahlreiche Blumen- und Pflanzenzüchtungen. Auch die Fotografin Sylvia Knittel und ich, besuchten erneut die Gartenschau, um Details von gelungenen Pflanzenkombinationen in meinen und anderen schönen Gärten zu fotografieren. Eigentlich gab es überall zahlreich tolle Blumenarrangements. Die vielen Garteninteressierten waren begeisterten. Sie standen interessiert an den Blumenbeeten und fachsimpelten über die schönen Pflanzenkombinationen und die Namen der Pflanzenarten. Wir waren in eigener Pflanzen- und Blumenmission und wollten für meinen Gartenblog und für die Pflanzenreich – App fotografieren. Sinnlich schöne Pflanzenfotos sollten es werden, um die gartenbegeisterte Leserschaft für ihre eigenen Gärten zu inspirieren. Wir haben nun die Ausbeute der besten Fotos hier für dich. Sie zeigen schöne Gartensituation mit den schönsten Pflanzenkombinationen in dieser Zeit und Pflanzenportraits mit botanischen Namen. Aber sieh selbst… Foto unten: Amsonia 'Halfway to Arkansas` und Allium aflatunense und Allium Hybr. Globemaster im blauen Blütenrausch. Alle Fotos in diesem Artikel: Sylvia Knittel Große Staudenschau an der Wasserachse Besonders spannend ist die „Große Staudenschau“. Sie erstreckt sich mit einer Gartenfläche von 6.000m² entlang der Großen Wasserachse. Historisch ist die Gartenstruktur mit den vier heckenumsäumten Plätzen. Sie ragen wie ein Kamm in die Fläche und gliedern damit die verschiedenen Abschnitte der Pflanzfläche. In den letzten Jahren ging das “große Ganze” innerhalb der Pflanzung verloren. Viele einzelne Blumenthemen reihten sich zusammenhangslos aneinander. Mit der Umgestaltung zur Gartenschau 2021 sollte wieder ein schönes zusammengehöriges pflanzliches Bild entstehen. Aufgrund der Größe der Pflanzfläche, gibt es neben der äußeren Erschließung über breite befestigte Hauptwege auch eine innere Erschließung des Gartens. Ein geschwungenes Rasenband schlängelt sich mitten durch die üppige Blumenvegetation. Es schafft die Möglichkeit, ganz in die Pflanzung einzutauchen. Der Besucher erlebt das Werden, Wachsen und Vergehen, sowie die schöne Tierwelt ganz aus der Nähe. So geht der Gartenfreund auf Tuchfühlung mit einzelnen Pflanzenarten. Was blüht uns morgen? Das Klima ändert sich. Das ist inzwischen in den Gärten deutlich spürbar. Es stellt uns vor die Frage; was blüht uns morgen? Welche Pflanzen brauchen weniger Wasser, wenn es trockener und heißer wird. Deshalb bieten sich in der Verwendung Pflanzen an, die aus trockenen Regionen kommen. Sie haben sich aufgrund besonderer morphologischer Merkmale, gut an Trockenheit angepasst. Das sind für unsere Gärten, die schönsten Pflanzenarten der Steppe, der Prärie und mediterranen Landschaften. Pflanzen aus Nordamerika sind Arten, wie Röhrenstern Amsonia Hybriden, Indigolupine Baptisia Hybriden, Sonnenhut Rudbeckia und Staudensonnenblumen Helianthus. Sie sind bestens kombiniert mit Arten anderer trockener Regionen, wie Steppensalbei Salvia nemorosa oder Steppenwolfsmilch Euphorbia seguieriana subsp. niciciana. Nordamerikanische Gartenstauden treiben spät aus und die meisten haben eine spätere Blüte. Deshalb entfalten im Frühjahr bis Frühsommer zahlreiche Zwiebelblumen ihre üppige, schönste Pracht, bevor die Präriestauden bis zum Herbst zuverlässig blühen. Übrigens, die späte Blüte der Pflanzen, sorgt für ein späteres Nahrungsangebot der Insekten in unserem Garten. Foto oben: Hier blühen Amsonia ‘Halfway to Arkansas’ , Allium aflatunense und Allium Hybr. 'Globemaster' ist in freudiger Erwartung, also knospig und demnächst in voller Schönheit. Foto oben: Allium aflatunense und Amsonia orientalis sind eine perfekte Allianz. In dieses schöne Duo passt sich die weiße Prärielilie Camassia leichtlinii 'Alba' perfekt ein. Foto oben: die gelbe Indigolupine mit ihrer halbkugligen Wuchsform (Baptisia Hybride ‘Lemon Meringue’ ) und der himmelblaue Röhrenstern Amsonia orientalis passen gut zusammen. Wetten? Urlaub lässt sich planen und pflanzen! Auf den höher gelegen Fensterbeeten, die sich ebenfalls entlang der Staudenschau erstrecken, geht es trocken zu. Hier werden Arten für den heimischen Garten gezeigt, die aus der blütenreichen Steppe oder mediterranen Landschaften kommen. Dort ist das Klima heiß und trocken und das kann man optisch an den Merkmalen der verwendeten Pflanzen sehen. Schöne Pflanzen für den Garten, wie Edeldisteln Eryngium, Lavendel Lavandula, Heiligenkraut Santolina oder Fackellilie Kniphofia sind an Dürre und Kargheit angepasst. Sie haben morphologische Merkmale ausgebildet, wie schönes silbriges Laub, kleine oder schmale Blätter, gewachste Blattoberflächen, Stacheln oder dickfleischiges sukkulentes Laub. Neben den genannten pflanzlichen Merkmalen, haben diese Arten oft auch besonders ausdrucksstarke Struktur oder bizarre Form. Mit ihnen lassen sich schöne reizvolle Gärten gestalten. Es sind vor allem Zukunftsgärten, wenn es künftig heißer und trockener wird. Kombinationen - Pflanzen die im Juni blühen Foto oben: Verbascum olympicum, Satureja montana, Thymus und Euphorbia seguieriana ssp. niciciana sind perfekte Kandidaten i in dem mediterraner Garten “Ein Hauch von Toscana”. Foto oben links: ein zauberhafter früher Blüher ist der Reiherschnabel Erodium x hybridum. Er hat unglaubliches schönes Laub und eine leuchtend magentafarbene Blüte. Foto oben rechts: Die Bartiris Iris barbata elatior ‚Blue Staccato’ ist zweifarbig und setzt im frühsommerlichen Staudenbeet farbstarke Akzente im Steppengarten. Foto oben: Verbascum olympicum und Iris Barbata schaffen vertikale Bilder im Beet. Typisch mediterran… und ein wirkungsvoller Formenkontrast zu den runden kugeligen Wuchsformen im Beet. Foto oben: Salvia nemorosa 'Mainacht' und Stachys byzanthina passen gut zusammen und bringen eine klare, kühle Wirkung ins Blumenbeet. Hier wachsen so einige silberlaubige Pflanzenarten. Foto oben links: Eryngium alpinum im Austrieb der Blüte ist unbeschreiblich schön. Erst später färben sich die kegelförmigen Blütenständen, die von stahlblauen Hochblättern umgeben sind. Der Alpen Mannstreu ist eine schöne Strukturpflanze für sonnige Lagen im Garten. Foto oben rechts: Der Mazedonischer Salbei oder auch Serbischer Salbei – Salvia juriscii hat mehrere Namen und fiedrige graugrüne Blätter. Die Art blüht hellviolett, selten rosa und weiß. Die Pflanze ist besonders anspruchslos im Garten. Die Winterhärte ist nur bei trockenem Standort gewährleistet. Dennoch… probieren lohnt. Foto oben links: Wenn das Sonnenröschen Helianthemum cultorum 'Henfield Brilliant' ins Blumenbeet kommt, geht es temperamentvoll zu. Das Laub ist graugrün und dazu gibt es einen schönen Kontrast zu den feuerroten Blüten. Berücksichtige die Pflanze im Gartenplan. Foto oben rechts: Das Katzenpfötchen Antennaria dioica ‘Rotes Wunder’ bildet durch oberirdische Ausläufer üppige, silbergraue Matten. Kleine Kugelblüten zu Rispen angeordnet erheben sich ab Mai über dem silbrigen Laubteppich. Dschungel im heimischen Garten Üppige Blätter, prachtvolle Blüten – Dschungelfeeling macht sich in unseren Gartenflächen breit. Bei uns wird es wärmer, wenn auch trockener. Aber mit etwas Wasser und einem halbschattigen Standort, lässt sich schönstes Dschungelambiente pflanzen. Pflanzen mit schönem Laub passen in halbschattige Gartenecken oder kleine Innenhöfe. Es müssen nicht immer Blüten sein. Auch schöne grüne Blätter in verschiedenen Laubformen sind bestens geeignet. Gärtnereien bieten winterharte schöne Stauden mit ornamentalen Blättern, wie Schaublatt Rodgersia, Tafelblatt Astilboides tabularis und Gräser, wie Chinaschilf Miscanthus sinensis 'Cabaret', das Pfahlrohr Arundo donax an. Ihre exzentrischen Blätter, farbigen Blüten sorgen für Dschungelflair. Akzente schaffen Gräser mit farbigem Laub im Garten. Je nach Laune, lassen sich Einjährige, wie Fuchsien Fuchsia magelanica, Begonien Begonia Hybriden, Zyperngräser Cyperus oder sogar Zimmerpflanzen, wie das Fensterblatt Monstera, Elefantenohr Alocasia oder Grünlilie Chlorophytum comosum einbeziehen. So kann man einen Garten doch auch mal planen, oder?! Foto oben: Das Purpurglöckchen ‘Paris‘ (Heuchera sanguinea) zeichnet sich durch seine dunkel- bis blaugrünen, silbrig marmorierten Blätter aus. Sie bilden ein Polster von ca. 20 cm Höhe und blüht in einem leuchtenden Korallenrot. Sie bringt Feuer in den grünen Dschungel. Wenn Gräser im Garten erwachen Der Gräsergarten im Erfurter Ega Park entstand schon vor einigen Jahren. Damals arbeitete ich mit dem Weimarer Landschaftsbüro Ihle. Die Idee des 1.800m² Gartens war, Gräser aus allen Lebensbereichen und in verschiedenen Größen zu zeigen. Gräser für sonnige, schattige oder halbschattige Lagen oder Gräser für sehr trockene, frische oder feuchte Standorte und vom kleinsten bis höchsten Gras – das sollte die Auswahl sein. Alle Gräser sollten in Allianzen mit blühenden Stauden und Zwiebelblumen kombiniert werden. Die Herausforderung war, alle Bereiche auch optisch miteinander zu verbinden. Brüche sollte nicht geben. Und natürlich soll im Garten allzeit ein blühender Aspekt passender Begleitstauden zu finden sein. Im Garten gibt es ein wunderschönes Wasserspiel. Nebeldüsen sind zwischen üppigem Laub zeitlich getaktet. Regelmäßig versprühen sie Wassernebel und verwandeln die Vegetation in ein mystisches Gartenspektakel, dass die Besucher in ihren Bann zieht.. Foto oben und unten: Jedes Mal, wenn die Nebeldüsen aktiv sind, wandeln sich die üppige Bereiche des Gräsergartens in eine mystische Gartenattraktion. Foto unten: der alte rotlaubige Fächerahorn mit seinem rötlichen Laubaustrieb im Frühjahr ist besonders schön. Zu seinen Füßen blüht der Röhrenstern Amsonia in himmelblauen Blütenwolken. Foto oben: nach dem Blütenfeuerwerk im Frühling blühen der Röhrenstern Amsonia und die Sumpfwolfsmilch Euphorbia palustris in langen großen Gruppen. Foto oben: Plexiglasscheiben in der Pflanzung warten auf die zarten Gräsersilhuetten. Dann ergeben sich reizvollen Licht- und Schattenspiele, die die elegante Linienführung des Gräserblattwerks hervorhebt. Lust auf den variabelsten Garten der Welt? Hier findest du trockenheitsverträgliche Pflanzen, die auf der Bundesgartenschau im Mai und Juni blühen. Ich habe sie für dich mit Hilfe meiner neuen Pflanzenreich-App zusammengestellt: Collage: Pflanzenreich App In dieser Gartenplanungs-App findest du schöne und passenden Pflanzen. Auch für deinen Garten. Wähle Arten aus einer Fülle von über 6000 Pflanzen (botanische und deutsche Namen inklusive). Mehr Informationen zu den vielen Pflanzen findest du hier . Sylvia Knittel und ich haben uns vorgenommen, öfter die BUGA zu besuchen, um zu fotografieren. So gibt es eine Fortsetzung mit dem Vorstellen der Pflanzen und Kombinationen über das ganze Jahr. Alle diese schönen Pflanzen- und Gartenfotos sind in der App und in diesen Blogartikeln verfügbar. Lass dich zum Nachpflanzen inspirieren. Bleib natürlich Petra
- TATORT PFLANZENBEET – ERFAHRUNGEN MIT ROSEN
Ein Gastbeitrag von Hanne Roth Pflanzengesellschaften verhalten sich wie Menschen: Sie müssen miteinander können. Tanzt einer aus der Reihe, wird es unharmonisch und manchmal schwierig . … das ist meine Überzeugung. Egal was es zu kombinieren gilt, ob Stauden untereinander, ob Stauden mit Rosen oder anderen, neben Farbe und Habitus sind die Bedürfnisse der Pflanzen der Maßstab für meine Planungen. Man muss sich in Pflanzen hineindenken, Geduld haben, sich überraschen lassen! Der ursprüngliche Berufswunsch war Innenarchitektin, daraus geworden ist Landschaftsarchitektin. Denn schon immer war die Leidenschaft für Pflanzen und Natur verankert, geprägt durch mein Elternhaus. Auf der Suche nach der Ausbildungsrichtung unterstrich Landschaftsarchitekt Peter Leitzmann die Wichtigkeit der Praxis, vor allem die Wichtigkeit der Kenntnisse über Pflanzen und deren Verwendung. Also folgte dem Abitur eine Lehre im GaLaBau, Praxisjahre in Staudengärtnereien, und dann erst das Studium Landespflege in Weihenstephan, Vorträge auf der IGA 83 und der Buga 85 liefen nebenbei. So mit Gartenschauen vertraut, startete ich direkt nach der Diplomarbeit bei der Gesellschaft zur Förderung der Bayerischen Landesgartenschau GmbH mit der Organisation der pflanzlichen Beiträge und vermittelte zwischen Planern und Ausstellern. 1993 gründete ich mein eigenes Planungsbüro. Seitdem begleite ich häufig Gartenschauen mit der Planung von Einjährigen, Staudenflächen, Rosen und anderen pflanzlichen Beiträgen. Rosen waren nicht immer meine Leidenschaft, aber seit ich die unglaubliche Standortamplitude entdeckt habe, gehören sie tatsächlich zu meinen Lieblingen. Neben Vorträgen engagiere ich mich im AK Pflanzenverwendung der Staudengärtner für Muldenbegrünung. Pflanzenorientierte Kompositionen, die mit unserem aktuell sich veränderndem Klima zurechtfinden sind nicht nur hier gefragt. Der Lehrauftrag in Weihenstephan im Bereich Pflanzenverwendung in der Landschaftsarchitektur gibt mir die Möglichkeit, meine Erfahrung an den "Nachwuchs" weiter zu geben. Seit 2015 betreue ich die Schauanlagen der Fa. Dehner in Rain. Mit dem Focus auf Nachhaltigkeit sind auch hier Pflanzenkompositionen gefragt, die gut mit sich selbst zurecht kommen. Eine behutsame, aber konsequente Verwandlung des Parks. Neue Erfahrungen und Chancen Manchmal passiert auch Unvorhersehbares, vergleichbar mit so manchem Kochvorgang. Hat man eine Zutat, die nicht bestellt war, die gar nicht vorgesehen war und die eigentlich auch gar nicht passt, dann aber doch Verwendung finden soll, ist man herausgefordert. Dazu habe ich eine besondere Geschichte parat: Eine Rose Westerland in Solitärqualität kam in meine Hände, nicht bestellt und schon gar nicht vorgesehen. Westerland gehört nicht zu meinen Lieblingsrosen, ich könnte auch sagen, ich mag sie gar nicht. Neutral gesehen aber war das Exemplar richtig schön. Mein großes Pflanzenherz ließ es nicht zu, sie dem Komposthaufen anzuvertrauen. So kam der Gedanke auf: Zeig mal, was Du kannst! Ich habe sie in meine erste Entwässerungsmulde, also in meine Versuchsmulde gepflanzt und dachte mir, wenn du da überlebst, dann darfst du bleiben und hast den schönsten Platz. Sie ist umgeben von Parkplatzreihen und einer Zufahrtsstraße zu einem Logistikzentrum, die täglich von LKWs und PKWs intensiv befahren wird. Aber dafür wird sie von jedem gesehen! Foto oben: Die robuste Strauchrose 'Westerland' in einer Mulde Foto oben links: Bodendeckerrose 'Jazz' mit Lavendel Foto oben rechts: Beetrose 'Sweet Pretty' mit Gräsern und Steppenwolfsmilch (Euphorbia seguieriana ssp. niciciana) Foto oben: Perovskia (Blauraute) mit Beetrose 'Aspirin' (ADR Rose) Die Rosenliebhaber unter Ihnen werden jetzt aufschreien: Gepflanzt wurde sie in eine Bodenmischung von annähernd 70 % Kalksplitt und 30% Oberboden, auf Rigolen, ohne Lehmanteil und Dünger, nur im Pflanzjahr mit Wassergaben versorgt. Dazu kommt noch, dass sie jedes Frühjahr wie eine Polyantharose behandelt und mit den Stauden auf knapp 10 cm zurückgeschnitten wird. Sie bedankt sich seit vier Jahren mit einer überreichen Blüte, mit einem glänzenden, dunkelgrünen Blatt, ohne Laus und ohne Mehltau. Sie erreicht eine Höhe von nahezu 160 cm und ist ab September reich besetzt mit Hagebutten, die über den Winter auch noch Vogelnahrung bieten. Selbst Rosenzüchter staunen bei dieser meiner Berichterstattung, können es kaum fassen. Denn auch in deren Schaugärten erfahren die einzelnen Rosensorten viel Zuneigung, eigentlich zu viel von allem. Beinahe wie in jedem Hausgarten werden sie gehegt und gepflegt, gedüngt und mit allem Möglichen gegen saugende und beißende Insekten behandelt, gegen Pilzkrankheiten teils schon vorbeugend gespritzt. Unerfahrene Gartenbesitzer winken gerne ab, wenn es um das Thema Rosen geht. Zu viel Arbeit!! Da sind wir wieder beim Thema. Foto oben: Die Beetrose 'Pomponella' (ADR Rose) fügt sich harmonisch in das Beet. Sie wird begleitet von dem Patagonischen Eisenkraut (Verbena bonariensis), Rutenhirse (Panicum) und dunkellaubiger Wasserdost (Eupatorium rugosum 'Chocolate' syn. Ageratina) Foto unten links: Beetrose 'Westzeit' mit Zierlauch (Allium), besonders ist der kupferfarbende Austrieb im Zusammenspiel der Blüten Foto unten rechts: Bodendeckerrose 'Jazz' mit Zierlauch (Allium) Rosen so überraschend anspruchslos Ich möchte nicht generell dazu raten, Strauchrosen wie Polyantharosen zu behandeln und Rosen einfach ins Kiesbeet zu pflanzen. Ganz sicher werden Strauchrosen ohne diesen Radikalschnitt zu wunderschönen Gestalten. Aber auf Extremstandorten kann mit der richtigen Auswahl der Sorten gelingen, worüber man noch nicht nachgedacht hat. Die Wildformen der Rosen sind grundsätzlich anspruchslos, besiedeln zum Teil Ruderalstandorte. Warum sollen nicht zumindest die einfach blühenden Sorten anspruchslos sein können? Sie sind Dauerblüher in jeder Art von Beet, sogar mit Fruchtschmuck. Welches Gehölz kann das schon von sich behaupten. Foto unten: Bodendeckerrose 'Jazz' mit einem aparten Farbspiel Foto oben links: Effektvolle Kombintaion mit dunklem Wasserdost (Eupatorium rugosum ‘Chocolate’ syn. Ageratina) und der Persica Rose 'Eyes for you' Foto oben rechts: Kombination der Persica Rose 'Eye of the Tiger' mit Gräsern, wie Rutenhirse (Panicum) und Braunblättriger Wasserdost (Eupatorium rugosum ‘Chocolate’ syn. Ageratina) Ich liebe die neuen Persica Hybriden Von dieser Erfahrung wiederum animiert, habe ich begonnen, Persica-Hybriden mit in diese Art Pflanzungen einzubinden. Leuchtende Farben, ungefüllte Blüten, gesundes Laub, das mich, außer zur Zeit des Austriebs, eigentlich gar nicht wirklich interessiert. Benötige ich doch nur die Blüten zu meinen Stauden, zu den Gräsern, die zum Teil schon blühen, wenn die Rosenblüte einsetzt. Finde ich dann noch Sorten, die das Beet mit leuchtender Herbstfärbung und Blüten und Hagebutten gleichzeitig aufpeppen, dann sehe ich mich von Mutter Natur für meine Ideen belohnt. Dann hoffe ich darauf, viele andere Seelen mit meinem Schaffen zu berühren und zur Nachahmung anzuregen. Danke, liebe Hanne, für deinen spannenden Erfahrungsbericht! Mehr über ihre Arbeit erfahrt ihr auf ihrer Webseite: Hanne Roth Landschaftsarchitektin Bleibt natürlich Petra und Leonie
- CAMPUS BOTANICUS – GRÜNES WISSEN ONLINE
GÄRTNERISCHES WISSEN OHNE WEITE WEGE Ein Interview mit Sylvia Knittel zum einjährigen Jubiläum von campus botanicus Die gärtnerische Zukunft schreibt sich gerade jetzt neu. In Zeiten größter Ungewissheit ist der Austausch mit Gleichgesinnten wichtiger denn je. Es hat sich gerade in letzter Zeit online viel verändert. Scheinbar werden wir flexibler und öffnen uns Neuem eher als früher. Selbst wir Gärtnernden, die immer als besonders traditionell und bodenständig gelten und mit modernen Medien sonst nichts “am Hut” haben, sind aufgeschlossen und gehen neuerdings online. Campus botanicus schlägt seit einem Jahr erfolgreich eine hierfür wegweisende Richtung ein. Dabei nutzt die Plattform alle sich bietenden Gestaltungsspielräume, wie Online Vorträge, Webinare, Seminare und Kurse über Gartengestaltung. Und sie bietet die Möglichkeit zum Austausch über gärtnerische Themen. Alles ist für alle zugänglich, ohne eine weite Anreise. Wie toll … ! Klar, so ganz ohne persönlichen direkten Austausch, da fehlt etwas. Aber ich bin mir sicher, so eine hilfreiche Online-Plattform, wie campus botanicus wird es auch künftig geben. Ich habe Sylvia Knittel, eine der Gründerinnen nach diesem ersten, erfolgreichen Jahr campus botanicus gefragt: PP: Wer steht eigentlich hinter campus botanicus und was steckt hinter dieser Idee? SK: Wir sind drei Frauen, die den campus botanicus führen. Die Idee kommt von Christine Bahlo. Im vergangenen Jahr wurden wegen Corona plötzlich alle Live-Veranstaltungen abgesagt, lange geplante Treffen und Vorträge fielen von heute auf morgen weg. Ein Drama für alle Gartenliebhaber:innen und die gesamte Gartenszene, denn der Austausch ist ja etwas, das absolut im Mittelpunkt steht. Aber warum das nicht online machen? Christine hat die Idee mit Andrea Bierbaum besprochen und schließlich auch mit mir. Obwohl ich zu der Zeit im Corona-Krisenstabs-Modus steckte in dem Unternehmen, für das ich hauptberuflich arbeite, und den Kopf nicht wirklich frei hatte, elektrisierte mich die Idee. Und so haben wir einfach mal angefangen. Foto unten: Christine Bahlo, Sylvia Knittel und Andrea Bierbaum PP: Was genau beinhalten die Vorträge, Webinare, Seminare und Kurse? Ist das was nur für Profis und nur für jemanden mit einer eigenen Scholle? SK: Das Programm ist bunt gestaltet, so dass man sich aussuchen kann, was einen interessiert. Biodiversität, Naturgarten, Beetplanung, Gartengestaltung, Gehölzpflege, Selbstversorgergarten aber auch virtuelle Gartenbesuche und Reisen in alle Welt mit botanischem Interesse stehen auf dem Programm. Es gibt auch spannende historische Themen und Vorstellungen besonderer Gattungen. Je vielseitiger desto besser, denn wir wollen die Neugier anregen, sich mit Dingen zu beschäftigen, die einem sonst vielleicht nicht so über den Weg laufen. Wir haben auch viele Profis bei den Terminen als Teilnehmer:innen dabei, denn auch diesen fehlt der Austausch in Zeiten von Corona und den einen oder anderen interessanten Referenten konnten sie bisher nicht anhören. Nun entfiel plötzlich die Anreise und alles war einfach. Der letzte Punkt ist auch für viele unserer garteninteressierten Teilnehmer:innen ein Vorteil. Egal wo man wohnt, man kann die tollsten Referenten erleben und ganz viel lernen. Selbst wenn es manchmal sehr fachlich wird, so begeistern immer wieder wunderschöne Bilder oder Informationen für die Praxis. Auf unseren virtuellen Reisen kann man sich einfach wegträumen in Gegenden der Welt mit unglaublicher Flora und Fauna, in die man vielleicht sein Leben lang niemals kommen wird. Dazu braucht es weder einen Garten noch einen grünen Daumen sondern einfach Neugierde und Interesse an der Natur. Interessanterweise fanden viele unserer Teilnehmer:innen mit den Vorträgen den Weg aus der Corona-bedingten Isolation und lernten mit dem Medium Videokonferenz umzugehen und Kontakt zu anderen aufzunehmen. PP: Woher bekommt ihr immer neue Ideen für Themen und Referenten und wie kontaktiert ihr sie? SK: Wir haben viele Kontakte in die Szene, aber lernen auch immer wieder neue tolle Referent:innen kennen, über Empfehlungen, Artikel und Bücher. Wir nehmen den Kontakt auf und kommen meistens sehr schnell zusammen. Oder die Referent:innen haben von uns gehört, waren vielleicht schon einmal bei einem Vortrag dabei und sprechen uns an mit einem konkreten Vorschlag. Je mehr wir uns damit beschäftigen, desto mehr Ideen fallen uns auf den (virtuellen) Tisch. Garten und Botanik sind so unglaublich vielfältig! PP: Wo finden die Kurse statt und wie bekommen Interessierte einen Zugang und Informationen? SK: Vorträge und Kurse finden online und live statt. Wer sich angemeldet hat, bekommt einen Zugangslink in eine Videokonferenz, dort findet der Vortrag oder der Kurs dann statt. Wir geben unsere Termine grundsätzlich über unsere Website campus-botanicus.de bekannt. Wir haben einen Newsletter, so bekommt man die aktuellen Termine direkt ins Mailpostfach geliefert. Die Anmeldung ist über unsere Homepage. Übrigens sind nicht nur die Vorträge und Kurse des campus botanicus virtuell, sondern auch das Unternehmen selbst, wir arbeiten an verschiedenen Orten und haben uns bisher erst einmal getroffen zu einer Sitzung. Fotos unten: Eine kleine Auswahl an Vorträgen bei campus botanicus, wie von Dorothea Steffen, Prof. Cassian Schmidt und Till Hofmann PP: Ihr feiert nun euer Einjähriges und schaut auf ein erfolgreiches Jahr zurück! Was ist eure Vision, wie geht es weiter und wo seht ihr euch in der Zukunft? SK: Das ist ein weites Feld, wie man so schön sagt. Wir haben tausend Ideen, die wir gerne umsetzen würden, zum Beispiel Kurse zur Gartengestaltung und -Pflege, auch für Einsteiger, die wir damit für einen schönen Garten begeistern wollen. Da gibt es noch nicht so viel. Die Zeit ist reif dafür, Garten und Natur sind ein starker Trend – über den ich mich im Übrigen sehr freue, weil beides für mich zum Leben dazu gehört. Im Garten wollen wir die Erde zwischen den Fingern fühlen. Aber Garten ist nicht nur das. In der Zeit dazwischen wollen wir uns weiter damit beschäftigen, Inspirationen und Wissen bekommen. Und das gemeinsam mit anderen Menschen, die genauso ticken. In den Vorträgen bemerken wir immer, wie lebhaft miteinander kommuniziert wird und es hat sich mittlerweile eine richtig nette Community herausgebildet, auch das wollen wir weiter befördern. Aber erst einmal wird gefeiert! Denn dass wir so viele Menschen mit der Idee inspirieren können und dass sich campus botanicus zu einer richtigen Institution entwickelt, das hätten wir vor einem Jahr nicht gedacht. Vielen Dank liebe Sylvia für das Interview und viel Freude weiterhin. Natürlich wünschen wir campus botanicus weiter eine wachsende Fangemeinde, die sich noch vielen tollen Vorträgen erfreuen können! Petra Pelz
- SCHAFGARBE – STAUDE DES JAHRES 2021
Ein Blogbeitrag von Petra Schafgarbe – vertraute Vielfalt im Blumenbeet Sie ist uns aus der heimischen Natur vertraut, die Staude des Jahres 2021. Es ist die Schafgarbe (Achillea) . Sie findet man häufig auf Wiesen (Schaf-)Weiden, Halbtrockenrasen, Acker- und Wegrändern. Aber auch in unseren Gärten wird sie oft gepflanzt. Viele Kulturformen in einer breiten Farbpalette gibt es inzwischen. Die Gattungen umfasst etwa 100 Arten. Sie wachsen in der gemäßigten Zone Europas und West-Asiens. Wir stellen die Schafgarben als Wild- und Kulturform vor und zeigen, wie sich die hübschen Doldenblütler im Garten, im Blumenbeet am besten verwenden lassen. Foto unten: Die gemeine Schafgarbe Achillea millefolium ist uns aus der heimischen Natur bekannt. Hier wächst sie auf Wiesen, Äckern und an Wegesränder. Die Pflanze punktet mit einem reichhaltigen Nektar- und Pollen Angebot und zieht zur Blütezeit unzählige Insekten an. Wie sehen Schafgarben eigentlich aus? Eines haben die meisten Garben gemeinsam. Achillea-Arten besitzen filigranes fiederartiges Blattwerk, die die Stängel wechselständig belauben. Darüber erheben sich kleine, winzige Einzelblüten in Körbchen, die in Scheindolden zusammenstehen. Und die Höhe? Nun, es gibt Riesen und Zwerge unter den Schafgarben. Niedrige Arten mit nur 5-15cm sind die Dalmatiner Silbergarbe Achillea ageratifolia , die Teppich Schafgarbe Achillea tomentosa ‘Aurea’ , oder die Griechische Silbergarbe Achillea umbellata . Hohe Arten erreichen eine Höhe bis 1,20m Höhe, wie die Hohe Schafgarbe Achillea Filipendulina-Hybride ‘Parker’ . Foto oben: Wechselständig belaubte Stängel tragen doldenförmige kleine Korbblüten, wie hier bei Achillea taygetea Foto oben links: Das flauschig silbergrüne Laub von Achillea tomentosa 'Aurea' ist schon ohne Blüte ein schöner Aspekt im trockenen Kiesgarten. Später entwickelt sich eine kräftig gelbe Doldenblüte über dem schönen Laub. Foto oben rechts: silbrig gefiederte Blätter von Achillea clypeolata sind ein schöner Laubschmuck. Die silbrigen Härchen verraten, dass die Pflanze trockenheitsverträglich ist. Später entfaltet sich hier eine gelbe Doldenblüte. Farben – die Natürlichen Die reinweißen Blütenschirme der Wiesenschafgarbe Achillea millefolium strahlen auffällig aus den heimischen Wiesen. Im Garten bringen sie Naturcharme ins Beet. Ebenfalls eine wunderbare natürliche Ausstrahlung hat die Goldgarbe Achillea filipendulina mit einem satt leuchtenden Gelb. Sie ist deutlich höher und lässt sich vor allem mit dem Steppensalbei Salvia nemorosa perfekt zusammenstellen. In pflanzenreichen Kiesgärten lassen sich die trockenheitsverträglichen Arten der Schafgarben verwenden. Das sind beispielsweise die weiße Griechische Silbergarbe Achillea umbellata, die Goldquirlgarbe Achillea clypeolata (siehe Foto unten am Naturstandort), die weiße Dalmatiner -Silbergarbe Achillea ageratifolia oder die kleine gelbe Garbe Achillea tomentosa 'Aurea '. Sie lassen sich mit anderen silberlaubigen oder sukkulenten Arten gut kombinieren. Foto oben: Achillea clypeolata, die Goldquirlgarbe ist gewohnt mit wenig Niederschlag und magerem Boden zurecht zu kommen. Ihre Herkunft und Verbreitung liegt hauptsächlich auf dem Balkan. In unseren Sortimenten finden wir schöne Sorten, wie 'Moonshine' oder 'Schwellenburg'. Foto oben links: Achillea decolorans, die Muskat Schafgarbe bevorzugt lockeren, durchlässigen, relativ nährstoffreichen Boden und verträgt auch Halbschatten. Die aparten weißen Blüten stehen auf gedrungenen Stielen über dem sattgrünen Laub. Foto oben rechts: Die Griechische Silber-Garbe Achillea umbellata bildet üppige Polster. Mit dem fiedrigen Laub setzten die Pflanzen in schönstem Silbergrau Akzente im Beet. Die Blütezeit ist im Mai und Juni. Die Pflanze wird 15cm hoch. Foto oben: Achillea ageratifolia, die Dalmatiner Schafgarbe oder auch Balkan-Schafgarbe ist in Griechenland und Bulgarien heimisch. Sie wird 20 cm groß und bildet dichte Horste auf trockenen bis mäßig frischen, kalkhaltigen Böden und Schotterflächen in der Sonne. Sie blüht von Mai bis Juli. Mehr Farb-Power ins Beet? Du hast Lust auf mehr Farbe? Kein Problem! Dann bist du bei den farbstarken Achillea millefolium Sorten richtig. Hier gibt es unzählige schillernde Farbnuancen, wie temperamentvolles Magenta, feuriges samtiges Rot, erhabenes Burgunderrot oder leuchtendes Orange. Aber es lassen sich auch sanftere Töne anschlagen. Die herrlichen Pastelltöne in Creme, Lavendel, Rosa oder Apricote lassen den Garten in weichen zarten Farben erstrahlen. Und es finden sich garantiert unter den Staudenbegleitern passende Kombinationen. All diese Nuancen entstanden durch Kreuzungen der Wiesen-Schafgarbe und der Goldgarbe. Übrigens; einige Sorten ändern sogar ihre Farbe im Laufe der Blütezeit. Achillea millefolium ‘Belle Epoque’ beispielsweise erblüht zunächst in herrlichem Kirschrot, um dann in verschiedene Rosanuancen überzugehen. Auch die leuchtend violetten Blüten von Achillea millefolium ‘Lilac Beauty’ verblassen mit einem sehr ansehnlichen Farbspiel. Auch bei der Sorte Achillea `Walter Funke` ist dieses Farbenspiel zu beobachten. Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Nah an der Ursprungsart sind diese weißen Achillea millefolium Hybriden, wie zum Beispiel die Sorte 'Heinrich Vogeler' Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Achillea clypeolata Hybride 'Moonshine', Achillea Hybride 'Credo', Achillea Hybride 'Summer Fruits Lemon' blühen in einem zitronig fruchtigem Hellgelb. Sie passen gut zu Blautönen. Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Apricotetöne sind eher selten in der Pflanzenwelt. Daher sind diese Züchtungen wertvoll für besonders pastellige Fabkombinationen. Hier die Sorten Achillea Millefolium-Hybride ‘Apricot Delight’, Achillea Millefolium-Hybride ‘Apricote Beauty’, Achillea Millefolium-Hybride ‘Lachsschönheit’ Wann blühen die schönen Dolden? Die Blüten der meisten Schafgarben erscheinen im späten Frühjahr, etwa im Mai bis Juni. Sie blühen bis Juli. Die Blüten verströmen einen aromatisch würzigen Duft und punkten damit bei den Insekten, die in unzähligen Scharen die Blütenteller anfliegen. Es gibt hier ein reichhaltiges Nektar- und Pollenangebot. Noch ein Tipp: Schneide die Blüten im Juni/Juli rechtzeitig zurück und erfreue dich über eine zweite Blüte im September. Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Achillea Millefolium-Hybride ‘Lilac Beauty’, Achillea Millefolium-Hybride ‘Saucy Seduction’, Achillea Millefolium-Hybride 'New Vintage' bringen frische kühle Töne in die Pflanzung Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Achillea Filipendulina-Hybride ‘Feuerland’, Achillea millefolium ‘Red Velvet’, Achillea Millefolium-Hybride 'Summer Fruits Carmine' schlagen feurige Rot und Orange Töne an und bringen kräftige Farbakzente ins Beet Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Auch die Farben von Achillea Filipendulina-Hybride ‘Terracotta’, Achillea Filipendulina-Hybride ‘Feuerland’, Achillea Filipendulina-Hybride ‘Walter Funcke’ passen gut zusammen. Letztere Sorten ändern ihre Farben während sie verblühen Foto oben: Gelb ist ohnehin die Scharfgarbenfarbe. So blühen hier die Garben Achillea Hybride 'Credo', Achillea Filipendulina Hybride 'Parker' und Achillea taygetea in unterschiedlichen Nuancen Foto oben: Klassische Kombination mit Achillea 'Credo', der Kugeldistel Echinops ritro, dem Zierlauch Allium giganteum (abgeblüht) , BUGA Erfurt 2021, Planung: P. Pelz, Foto: Sylvia Knittel Foto oben: eine klassische Kombination ist die von Steppensalbei und Schafgarbe. Größere Gruppen sind wirkungsvoll, haben aber bei einem Rückschnitt nach der Blüte den Nachteil, dass es temporär und kurzzeitig ein ”Loch” gibt. Planung: P. Pelz BUGA Erfurt 2021 Foto: Ferdinand von Luckner Foto oben: Achillea 'Credo' mit den opulenten blauen Blütendolden von Campanula lactiflora 'Superba', die große Doldenglockenblume und den schwefelgelben kleinen Dolden von Thalictrum flavum ssp. glaucum, der gelbe Wiesenraute, Rosengarten BUGA Erfurt 2021, Planung: P. Pelz, Foto: Sylvia Knittel Wo wächst die Schafgarbe? – Standort und Boden Bis auf einige wenige alpine Arten sind Schafgarben relativ anspruchslos. Die meisten Garben, wie die Hohe Schafgarbe Achillea Filipendulina oder Gemeine Schafgarbe Achillea millefolium Hybriden kommen mit durchschnittlichen Gartenböden ebenso gut zurecht, wie mit eher sandigen Böden. Hitze und Trockenphasen stecken sie scheinbar mühelos weg. Schafgarben lieben es meist sonnig und trocken. Vor allem mögen sie den Boden gut drainiert. Staunässe bekommt den Pflanzen gar nicht. Solltest du einen schweren Boden im Garten haben, könntest du den Standort theoretisch mit reichlich gewaschenem Sand optimieren. Allerdings macht ein zu großer Aufwand vielleicht gar keinen Sinn. Grünlaubige Arten, wie Bertramsgarbe (Sumpf Schafsgarbe) Achillea ptarmica sind dann eine Schafgarben-Alternative. Diese Art wächst gut auf feuchtere, frische Böden. Foto oben links: Die gefüllte Kulturform der Sumpfschafgarbe Achillea ptarmicoides 'Schneeball' ist eine sehr alte Auslese. Sie ist als Sorte ‘Boule de Neige’ bereits im 19. Jahrhundert von Victor Lemoine in Frankreich gezüchtet wurde. Foto oben rechts: Achillea ptarmicoides ist die Wildform der Sumpfschafgarbe. Sie ist eine schöne Begleitstaude auf naturhaften Feuchtwiesen, an Teichrändern und in Moorbeeten. Foto oben: Gleich zwei Sorten Achillea millefolium Hybriden sind hier miteinander kombiniert. Die Sorte 'Kirschkönigin' und 'Lilac Beauty'. Begleitpflanzen sind Artemisa arborescens 'Powis Castle', Linaria Hybride 'Peachy', Geranium psilostemon, Persicaria polymorpha (Aconogonon) , Crambe cordifolia, IGA Rostock 2003, Planung: P. Pelz Foto unten: Schafgarbe Achillea millefolium 'Kirschkönigin' mit dem Steppensalbei Salvia nemorosa passen farblich gut zusammen. Foto: Ferdinand von Luckner Foto oben: Die Pastelltöne der Schafgarbe passen generell gut zu silberlaubigen Pflanzen. Hier die Koyotenweide, Salix exigua, die starkwüchsig ist und bis zu vier Meter hoch und breit wird. BUGA Erfurt 2021, Planung: Petra Pelz Foto: Ferdinand von Luckner Wie pflanzt und pflegt man Schafgarben? Im Gartenbeet gehören Schafgarben nicht gerade zu den langlebigsten Stauden. Nicht wundern! Nach etwa fünf Jahren sind sie meistens verschwunden. Will man sie zum „Bleiben“ überreden, sollte man sie regelmäßig alle drei bis vier Jahre aufnehmen und teilen. Der beste Zeitraum hierfür ist das Frühjahr nach dem Austrieb oder der Frühherbst gleich nach der Blüte. Und das geht so: Horst wurzeltief ausheben und das zu teilende Stück mit dem Spaten aus dem Pflanzloch hebeln den durchwurzelten Erdballen mit dem Spaten in zwei Stücke teilen bei einer Neupflanzung etwas Hornspäne mit ins Pflanzloch geben nach dem Einsetzen die Schafgarbe gut angießen Die besten Pflanzzeiten für Schafgarben sind – wie für die meisten Stauden – das Frühjahr und der Herbst. Vor dem Pflanzen werden die Wurzelballen getaucht, das heißt, solange in einen Eimer mit Wasser gehalten, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Nach dem Pflanzen der Garben wird noch einmal durchdringend gewässert, damit der frisch gesetzte Wurzelballen und die umgebende Erde sich schneller verbinden. Noch ein Tipp: Zu viel Dünger geht zu Lasten der Standfestigkeit und die Horste fallen auseinander. Es genügt nach dem Einwachsen alle zwei bis drei Jahre eine dünne Schicht Kompost aufzutragen. Foto oben: Hier blühen Achillea Hybride ‘Credo’, Salvia nemorosa 'Caradonna' und Verbascum im Vordergrund, BUGA Erfurt 2021, Planung: P. Pelz Foto: Sylvia Knittel Foto oben: Blau und Gelb sind ein echter Klassiker. Hier ist die Kugeldistel mit der Schafgarbe kombiniert und bildet neben dem Farbkontrast auch einen schönen Formkontrast. BUGA Erfurt 2021, Planung: P. Pelz Foto: Ferdinand von Luckner Pflanzpartner – Verwendung im Garten Kombiniere Schafgarben für einen Blumenwieseneffekt! Wenn du etwas mehr Platz hast und passende Sorten auswählst und kombinierst, sieht deine Rabatte bald wie eine echte Blumenwiese aus. Es kommt auf die Anordnung der Pflanzen an. Du kannst Schafgarben, Salbei und Gräser einzeln oder in kleine Gruppen setzten, so verweben sich die Pflanzen zu einem impressionistischen Blumenbeet . Auch wenn ich eine persönliche Vorliebe für große Pflanzengruppen habe, bei Kombinationen mit Schafgarben ist es sinnvoll, nicht allzu große Flächen zu pflanzen. Nach dem Verblühen werden sie zurückgeschnitten und es entstehen so nur punktuell und temporär kleine Fehlstellen. Übrigens gilt das auch für Salbei Arten, wie Salvia nemorosa . Auch der Salbei lässt sich zur zweiten Blüte überreden, wenn man ihn zurückschneidet. Auch ihn solltest du in kleinen Gruppen, langen Bändern oder einzeln pflanzen. Du suchst perfekte Partner für deine Schafgarbenwiese? Dann achte darauf: dass Formen und Texturen der Pflanzen in der Kombination unterschiedlich sind, sich aber in den Farben ergänzen. So schaffst du eine harmonisch verträumte Bild. eine Wiederholung von kleinen Gruppen einzelner Arten erzeugen einen Rhythmus im Blumenbeet. Das hält die Pflanzung optisch zusammen. Achte auf eine möglich harmonische Höhenverteilung oder Höhenstaffelung. Entscheide, ob du in der deiner Pflanzung eine gleichbleibende Höhe bevorzugst oder ob du ab und zu hohe Akzente mit höheren Gruppen setzten möchtest. Achte auf die Farbauswahl. Sie sollte natürlich fein aufeinander abgestimt sein. Sie kann sich im Laufe der Vegetationszeit konzeptionell aber auch verändern. Zur Blütezeit der Schafgarben gibt es farblich nahezu schier unendliche Farbkombinationen. Es muss nicht gleich eine ganze Wiese sein? Schafgarben ordnen sich auch in eine Staudenrabatte ein. Du kannst die Schafgarben punktuell einzeln oder in kleinen Gruppen (5-7St.) zu passenden Pflanzpartnern in dein üppiges Blumenbeet setzten. Hier habe ich einige Beispiele aus meiner Pflanzenreich App für dich erstellt: Foto oben: Hier im Juni/Juli blühen Achillea Millefolium Hybriden in warmen Tönen mit der Wiesenraute, der Sonnenbraut, dem weißen Sonnenhut, der Steppenwolfsmilch, der Junkerlilie, dem gefüllten Sonnenauge und der weißen Prachtkerze Foto oben: Hier im Juni/Juli blühen Achillea Millefolium Hybriden in kühlen Tönen mit der Wiesenraute, Kugeldisteln, dem roten Natternkopf, Mexiconessel, Steppenwolfsmilch, Storchschnabel und Baldrian Lust auf den variabelsten Garten der Welt? Du hast Lust auf die Verwendung von Schafgarben in deinem Blumenbeet? Ich habe die Collagen zum Thema mit Hilfe meiner neuen Pflanzenreich-App zusammengestellt. In dieser Gartenplanungs-App findest du noch andere Sorten in vielen weiteren Farben und natürlich die passenden Begleiter dazu. Die kannst du für dein Beet nach Herzenslust kombinieren. Wähle Arten aus einer Fülle von Stauden, Gräsern, Blumenzwiebeln, Rosen, Gehölzen und Gräsern. Mehr Informationen zu den vielen Pflanzen findest du hier . Und wenn du schöne Wiesen in deinem Garten pflanzen möchtest, habe ich noch diese Buchempfehlung für dich: Wilde Wiesen gestalten: Naturalistische Staudenbeete für den Garten von Katrin Lugerbauer und Joachim Hegmann / Ulmer Verlag "Sonnendurchflutet und von Insekten umschwirrt – blütenreiche Wiesenlandschaften sind Sehnsuchtsorte, die man gerne im eigenen Garten hätte. Aber kann man die „ungezähmte Wildheit“ einer Wiese in den Garten übertragen? Staudenwiesen sind keine streng geordneten Beete, sondern von der Natur inspirierte, im Garten gepflanzte Stauden, die ganzjährig attraktive Flächen bilden. Ihr besonderer Reiz ist das Zusammenspiel aus langlebigen, an den Standort angepassten Stauden und stimmigen Begleitpflanzen, die für Dynamik sorgen. In diesem Buch finden mutige Gartenenthusiasten das nötige Know-how, praktische Lösungen für verschiedene Gartenstandorte und gelungene Vorzeigeprojekte für den Weg zur eigenen Staudenwiese.” Ich hoffe, du findest Schafgarben jetzt so schön wie ich. Auch wenn die meisten Arten kurzlebige Gesellen sind, lassen sie sich im Vorsommer tollen Kombinationen zusammenstellen. Vielleicht hat du ja schon deine eigenen Erfahrungen mit diesen Schönheiten gemacht oder du hast Lust mit ihnen passende Arrangements auszuprobieren. In jedem Fall wünsche ich dir viel Freude an den Doldenblütlern. Bleib natürlich Petra
- WIE ZÜCHTET MAN EINE ROSE, HERR PROLL?
Ein Interview mit dem Rosenzüchter Thomas Proll, Züchtungsleiter bei Kordes Rosen Thomas Proll wurde 1967 in Barmstedt (Schleswig-Holstein) unweit der Rosenschule W. KORDES‘ SÖHNE geboren, die später einmal sein Arbeitgeber werden sollte. Der Familientradition folgend wurde er in 5. Generation Baumschulgärtner und absolvierte anschließend an der Universität Hannover das Studium der Gartenbauwissenschaften. Seine Diplomarbeit mit dem Thema „Anfälligkeit von Rosenarthybriden gegen Echten Mehltau“ führte zu ersten Kontakten zur Firma KORDES, wo er im Frühjahr 1996 seine Tätigkeit aufnahm. Als Züchtungsleiter ist Thomas Proll nunmehr seit 1998 verantwortlich für die Entwicklung neuer Gartenrosen. Die Zielsetzung in der Züchtung neuer Gartenrosen hat sich im Hause KORDES seit den späten 1980er Jahren dramatisch verändert – um einem gestiegenem ökologischen Bewusstsein der Rosenkunden zu begegnen, wurde die Entwicklung gesünderer Rosen immer wichtiger und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Blattkrankheiten wurde wichtigstes Züchtungsziel. Seit inzwischen über 25 Jahren hat die Firma W. KORDES‘ SÖHNE aufgrund dieser Züchtungen weltweit zahlreiche Erfolge in Rosenwettbewerben erzielen können. Herr Proll wie beginnen Sie, wenn sie eine neue Rosensorte züchten wollen? Thomas Proll: Ideen sammelt man eigentlich immer und ständig. Als Rosenzüchter betrachte ich irgendwie jede Rose, die mir begegnet als potentiellen Kreuzungspartner. Das kann auf Reisen sein, aber auch auf dem eigenen Testfeld. Da stehen ja tausende von Sorten. Wenn mir im Sommer beim Bewerten welche mit guten, interessanten Eigenschaften ins Auge stechen, denke ich immer wieder: Ach, mit der könnte man auch mal arbeiten…was da wohl rauskommt, wenn man die mit XY kombiniert…? Der eigentliche Kreuzungsplan entsteht aber ganz strategisch am grünen Tisch. Als Mensch habe ich eine Idee, wie eine neue Rose aussehen soll. Dazu will ich Eigenschaften von zwei bestimmten Rosen mit bestimmten Vorzügen vereinen. Das können äußere Merkmale sein, wie das Aussehen aber auch die innere Qualität wie die Krankheitsresistenzen. Also ich denke mir aus, dass Rose A und Rose B Kinder kriegen sollen. Nur weil man zwei tolle schöne Eltern hat, kommen nicht immer tolle Kinder raus. Jetzt im Mai/Juni bestäuben wir diese Rosen. Dann kommen Rosenkinder raus aus dieser ganzen Bestäubungsgeschichte. Und die große Frage ist, schenkt einem Mutter Natur wirklich das, was man sich ausgedacht hat. Und das ist manchmal der Fall, häufig jedoch auch nicht. Und hier sieht man das die ersten schon schwanger sind? Thomas Proll: Ja, wir haben ja jetzt schon Anfang Juni, und wir haben vor einem Monat begonnen. Und der Blütenboden, den kann man hier erkennen, er schwillt mit der Zeit an. Dann bildet er da die Frucht der Rose, die Hagebutte. Und bei einigen kann man hier erkennen, dass das gut gelungen ist. Die sind auf alle Fälle schwanger. Hier sieht man, dass die Kerne regelrecht oben rauskommen. Diese sind in aller Regel hohl, die würden, wenn man sie in Wasser tuen würden oben schwimmen, die würde man nicht nehmen. Aber die ganzen Kappen, die Hagebutten hier sind voller Samen. Und das sind ja alles Geschwister. Sie sind alle verschieden. Jedes einzelne Saatkorn bringt ja wieder eine individuelle Pflanze, die sich genetisch unterscheidet von allen anderen. Aber nicht jede Kreuzung gelingt. Deshalb müssen wir ein paar mehr machen. Ich vergleiche es gern immer mal mit Lottospielen, Wenn man nur ein Los kauft, ist die Chance gering, dass man sechs Richtige hat. Kauft man sich zehn Lose, hundert Lose, tausend Lose… das ist dann zwar teurer aber die Chance steigt dann, dass man die sechs Richtigen hat. Das ist das, was wir in unserer großen Firma in der Züchtung machen. Ich tue aber auch nichts anderes als das, was ein kleiner Hobbyzüchter von der Technik auch macht. Aber durch die Menge, ist eben unsere Chance größer eine ganz tolle und außergewöhnliche Rose zu züchten. Den Sechser im Lotto eben. Fotos oben: Die zweihäusige Rose hat männliche und weibliche Geschlechtsteile. Damit sie sich nicht selbst bestäubt, wird die Blüte entblättert und die männlichen äußeren Teile entfernt. Das muss frühzeitig passieren, am besten ganz früh am Morgen. So lässt sich verhindern, dass die Rose sich nach dem Öffnen selbst befruchtet. Die weiblichen Teile können nun mit dem Samen einer anderer Sorten bestäubt werden. Und was passiert dann? Wird das ausgesät? Thomas Proll: Ja, im Oktober, November, Dezember ernten wir diese Hagebutten. Die sind dann reif geworden. Einige sind knallrot, andere orange und grün, einige sind länglich oval, andere rund, andere birnenförmig. Das kann im Garten auch ganz hübsch sein, aber bei uns geht es in erster Linie darum, was da drin ist – also die Ergebnisse für die Züchtung. Die Früchte werden dann nach Kreuzungen sortiert, geöffnet, sauber gerubbelt und dann werden sie ausgesät. Das noch vor Weihnachten, denn wir sehen zu, dass wir sie rechtzeitig in der Erde haben. Sie kommen dann in Saatbeete und bekommen dort bei niedrigen aber frostfreien Temperaturen ihre Stratifikation. Dann keimt im Frühjahr ein hoffentlich hoher Prozentsatz, der bei den Gartenrosen in der Regel um 80-90 Prozent liegt. Wir können mal ein Gewächshaus weitergehen… Was sieht man hier in den Glasschalen? Thomas Proll: Das ist der getrocknete Pollen. Wenn wir ihn abernten, trocknen wir ihn über Nacht. Der gesammelte, trockene Pollen lagert ansonsten hier im Kühlschrank. Und steht dann bereit, um andere Rosen zu bestäuben. Und wenn man das getrocknete Material schüttelt im Glas, dann kann man sehen, dass hier so eine richtig dicke Schicht Pollen drin ist. Mit dem Blütenstaub wird dann die Bestäubung gemacht. Das ist alles Handarbeit und muss mit großer Sorgfalt vonstattengehen. Das ist in so einem großen Züchtungsbetrieb Routine und seit 100 Jahren unserer Kerngeschäft. Wir haben immer im Fokus, noch bessere und gesündere Sorten zu züchten. Nach dem Bestäuben wird ein nummeriertes Klebeetikett um den Blütenhals gelegt. Damit der Züchter weiß wer der Vater ist, also von welcher Pflanze der Blüten Pollen gekommen ist. In diesem Fall hier die Sorte 409 und da weiß ich eben welche Sorte sich dahinter verbirgt. Und dann werden die letzten beiden Blütenblätter abgepflückt. Die waren nur als Zeichen für das Team, welche Rosen noch bestäubt werden müssen. Mal eine klischeehafte Frage Herr Proll… Haben sie eigentlich eine Lieblingsrose? Thomas Proll : Ha… ja, wir Züchter beantworten diese oft gestellte Frage immer mit einer Gegenfrage. Haben Sie mal eine Mutter nach ihrem Lieblingskind gefragt? Da bekommen sie nämlich auch keine Antwort… Trotzdem ist es natürlich so, wenn man den Rosen so viel Zeit verbringt, verliebt man sich natürlich in die einzelnen Sorten und baut eine Beziehung zu ihnen auf. Es ist ja schließlich auch die Dauer von 8-10 Jahre, bis die Rose auf dem Markt kommt. Nach etwa der Hälfte des Weges kristallisieren sich dann die ersten Highlights aus der großen Masse von Kandidaten heraus – das ist ein spannender Zeitpunkt. Die Sorten bekommen dann langsam eine Identität und, wenn sich der gute Eindruck bestätigt, irgendwann der Punkt, an dem man sich sicher ist, dass sie das Zeug für den Markt hat…ab dann freut man sich darauf, sie irgendwann präsentieren zu dürfen und fragt sich wie sie wohl auf dem Markt, bei den Kunden ankommen werden…? Bei Markteinführung sind die Neuheiten für mich als Züchter also schon „alte Bekannte“, die ich alle gut kenne – trotzdem sind einem einige schon lieber als andere. Natürlich vor allem, wenn sie dann später erfolgreich sind. Wobei sie „erfolgreich“ in vielerlei Hinsicht sein können; das kann sein, dass gerade diese Rose beliebt beim Endkunden ist, weil sie toll von der Optik ist, das kann aber auch der Gärtnerkollege sein, der sagt; die verkauft sich wie geschnitten Brot. Das sie also wirklich als Produkt gut funktioniert. Wenn ich so überlege, habe ich doch schon so eigene Vorlieben…muss diese aber für den Job unterdrücken. Ich glaube man tendiert mit der Zeit dazu, dass das „Normale“ irgendwann langweilig ist. Ich finde stinknormale Rosen sind nicht so meins. Ich persönlich gehe da eher in die Extreme und finde lavendel- und fliederfarbene oder gestreifte Sorten spannend. Aber ich muss mir dann selbst immer sagen; übertreibe es nicht. Der Markt ist klein, für solche speziellen Eigenschaften. Es sind Nischen. Es ist immer noch so, dass die normale rote Rose als Zeichen der Liebe (auch wenn es total abgedroschenes Klischee ist) am Markt ein Riesen Produkt ist. Ich muss mich beherrschen und das auch bearbeiten. Denn wenn man für Kordes arbeitet, dann ist man nicht Indie, sondern Mainstream. Und dann muss man für den Massenmarkt arbeiten. Das muss man bedienen. Ich habe beispielsweise angefangen, mit Persica-Rosen zu kreuzen - einfach, weil ich Bock drauf hatte. Daraus entstand dann unsere SEE YOU-Kollektion, die bei den Kunden wirklich gut ankommt. Das neue, große Ding, wie besonders einige englische Züchterkollegen gehofft haben, wird es wohl aber doch nicht werden…dazu sind sie eben doch zu speziell…eben nicht genug „typisch Rose“. Das dunkle Auge in den Persica-Hybriden ist schon was Besonderes…zudem sind sie ideal für naturnahe Gärten, was ja momentan voll im Trend liegt. Es gibt aber Spötter die sagen; Wenn ich eine Rose will, die wie ein Hibiskus aussieht, dann kann ich gleich einen Hibiskus kaufen. Ein blöder Spruch, der aber irgendwie den Kern der Sache trifft…denn die meisten Leute wollen eben doch Rosen, die typisch wie Rosen aussehen… Foto unten: Die Persische Rose ist für naturnahe Gärten und auch zu Stauden ein toller Partner im Beet. Inzwischen gibt es die äußerst gesunde SEE YOU Serie. Wir stehen jetzt hier vor einem riesigen Gewächshaus, bedeckt mit kleinen Rosen… Thomas Proll: Das sind hier die Saatbeete mit den Sämlingen der Kreuzungen vom letzten Jahr. Hier habe ich während der letzten Wochen zur ersten Blüte bereits um die 90 Prozent der Sämlinge ausselektiert. Eigentlich sind wir Rosenzüchter nämlich "ganz schlimme Menschen“! Erst zwingen wir Rosen zum Geschlechtsverkehr und das mit Partnern die sie sich gar nicht selber ausgesucht haben, lassen sie so ganz viel Kinder machen und bringen dann einen Großteil dieser Kinder wieder um. Hier stehen jetzt momentan noch etwa 10 Prozent des Jahrgangs. Das sieht gar nicht so aus, weil sie nach dem Rückschnitt schon wieder gewachsen sind und sich jetzt mit viel mehr Platz als vorher buschiger entwickeln können. Da werde ich jetzt noch einmal durchgehen, aber im Juli kommt dann der überwiegende Teil aus dem Gewächshaus aufs Testfeld zur weiteren Prüfung. Viele Rosen die hier noch stehen, werden mit drei Exemplaren veredelt. Das sind 10-15.000 die jetzt noch übrig sind. Dieser Durchgang hat mal mit 200.000 begonnen. Das ist ganz schön reduziert und wir hoffen, dass dann doch 5 -10 Sorten übrig bleiben, die es dann sind, aber nach 10 Jahren! Alle Sämlinge die wir hier sehen, sind ja genetisch verschieden, obwohl sie die gleiche Mutter und den gleichen Vater haben, weil das Erbgut ja bei jeder einzelnen Bestäubung neu gewürfelt, also immer wieder neu sortiert wurde. Und wenn mir nun ein Sämling gefällt, dann wird dieser vermehrt. Das heißt, dass ein Individuum wird multipliziert und dann wird eine Sorte draus. Und diese Vermehrung erfolgt über Stecklinge? Thomas Proll: Nein, die Testung und auch der weit überwiegende Anteil der Produktion wird auf Unterlagen (bei uns Rosa canina ‘Inermis‘) veredelt. International und auch bei uns in Europa gibt es zwar Tendenzen, dass immer mehr Rosen auf eigener Wurzel (also über Stecklinge) vermehrt werden – momentan sind es aber lediglich Typen für flächige Pflanzungen im Öffentlichen Grün, die über diese Schiene produziert werden. Treffen Sie all ihre Entscheidungen in der Züchtung alleine? Thomas Proll: In der Anfangsphase entscheide ich das tatsächlich alleine. Später dann, kommt natürlich die Geschäftsleitung und der Verkauf dazu. Dieser Prozess ist üblich, je mehr man in Richtung Marktentscheidung geht. Die Schritte sind hier im Einzelnen so; aus dem einen Sämling werden 3 Pflanzen, aus 3 werden 10, aus 10 werden 100 – das Ganze immer im Rhythmus von zwei Jahren auf dem ungespritzten Testfeld, damit die Blattkrankheiten sich auch in Ruhe ausbreiten können. So kommt dann die Gesamtdauer von 8-10 Jahren zusammen (also von der Bestäubung bis zur Markteinführung) bis man sich über die guten Eigenschaften einer Sorte wirklich sicher ist. Es dauert 8 -10 Jahre bis eine Gartenrose auf den Markt kommt. So lange dauert das eben bei den Gartenrosen, bis man sie unter allen möglichen Umweltbedingungen an möglichst vielen Orten gesehen hat und sich sicher ist, dass man die Sorte in den Gärten der Leute sehen will und sie es wert ist, das Sortiment zu ergänzen. Bei den anderen Züchtungsprogrammen, wo die Rosen in Gewächshäusern produziert werden, geht es schneller, weil die Bedingungen ja mehr genormt sind. So rechnen wir bei den Mini-Topfrosen für Floristen und Blumeneinzelhandel mit einem Prozess von etwa 2-3 Jahren und bei den Schnittrosen mit rund 4-5 Jahren bis Selektion und Testung abgeschlossen sind. Nach welchen Kriterien wird am Ende ausgesucht? Thomas Proll: Das ist eine Kombi aus verschiedenen Kriterien, wie Blattgesundheit natürlich, äußere Kriterien wie Blühfreude, Farbe, Form und natürlich Duft der Blüten. Zur Gesundheit kann man allerdings jetzt am Anfang im Gewächshaus noch nicht allzu viel sagen. Wenn die Klimasteuerung gut funktioniert, hat man in der Regel kaum Mehltau. Der Sternrußtau mag das Gewächshausklima gar nicht und auch Rost sieht man hier nie. Das alles sehe ich alles erst später draußen auf dem Feld, weil wir dort auf den Einsatz von Fungiziden komplett verzichten und so den Krankheiten die Möglichkeit geben, sich frei auszubreiten. Unter Glas guckt man vorwiegend nach der Optik, wie Blütenfüllung und Blütenaufbau, also ob sie Dolden haben ich nicht. Auch der Wuchs ist im Gewächshaus meist ausladender und viel lockerer, als später auf dem Feld. Also hier, in dieser Phase, kann ich das noch nicht richtig beurteilen. Also auf dem Feld kann dann auch nochmal was ausscheiden, was vorher vielversprechend war? Thomas Proll: Absolut – von den zuerst tausenden von Sorten in kleiner Stückzahl bleiben ja über die Jahre nach mehreren Selektionsschritten nur wenige Kandidaten in großer Stückzahl. Aber auch ganz kurz vor der Ziellinie kann das Schicksal eine Sorte noch ereilen! Meist bauen wir am Ende so etwa 15 Sorten in großer Stückzahl auf, die u.a. noch in eine Reihe von Internationalen Rosenwettbewerbe eingeschickt werden – in zahlreichen europäischen Ländern aber auch in Übersee. Die Ergebnisse aus solchen Prüfungen geben einem dann noch mal zusätzlichen Info zur Performance der Rosen in verschiedenen Klimaten und auch über die Reaktion des Publikums. Das kann eine wertvolle Hilfestellung sein bei der finalen Entscheidung eine Rose zu bringen oder es doch lieber sein zu lassen… Das große Schaulaufen in Deutschland findet jedes Jahr in Baden-Baden beim dortigen Neuheiten-Wettbewerb um die „Goldene Rose“ statt. Der bedeutendere und viel härtere Test ist allerdings die ADR (Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung), weil die Sorten dort über drei Jahre, an 11 Standorten komplett ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bewertet werden. Ein erteiltes ADR-Prädikat ist kein Muss für die Einführung einer Neuheit, aber natürlich ein absolutes Plus – auch im Hinblick auf die Vermarktung einer neuen Sorte. Von den 15 finalen Kandidaten kommen also am Ende vielleicht nur 8 Rosensorten in den Handel, weil man vielleicht sagt, die anderen braucht die Welt nicht… Dann ist die Ausbeute 2019; 5 -10 Sorten die um und bei 2029 in den Handel kommen. Und alle anderen sind dann schon wieder im Rosenhimmel. Und das jedes Jahr. Auch muss sich eine jede neue Sorte heutzutage für die Anzucht und Vermarktung im Container eignen, weil das eben die überwiegende Angebotsform ist – bei aller Leidenschaft für Rosen, die wir bestimmt haben, ist sie für uns immer auch ein Produkt und muss als solches funktionieren. Was wir Züchtung nennen, heißt in anderen Branchen vielleicht „Produktentwicklung“ – aber das ist unsere Aufgabe, deren Erfolg am Ende auch für das Auskommen von über 100 Mitarbeitern und deren Familien sorgt… Sie sind inzwischen fast 25 Jahre hier als Züchter bei Kordes Rosen, wie viele Rosenkinder haben sie den schon entlassen? Thomas Proll : Das kann ich gar nicht so genau zählen. Pro Jahr annähernd 10 Sorten. Aber daneben auch etliche, die als Exklusivsorten gekommen sind. Zum Beispiel in anderen Ländern, in anderen Klimaten. Zum Beispiel haben wir mit LUDWIG’S ROSES auch einen Vertreter für Gartenrosen in Südafrika. Allerdings herrscht ein so dermaßen anderes Klima dort (sehr heiß + trocken und die Rosen blühen 10 Monate lang), dass nur wenige Sorten aus unserem deutschen Sortiment gut funktionieren. Trotzdem sind auch viele Züchtungen aus meiner Hand dort im Handel, nur eben andere Kandidaten aus diesem reichen Pool an Sorten, aus dem wir zum Glück schöpfen können… Sind ihre Rosen rechtlich geschützt? Thomas Proll: Ja, in vielen Fällen sogar doppelt – man muss nämlich beim Schutz Sorte und Handelsname unterscheiden. Namen sind oft als Warenzeichen geschützt – dann ersichtlich durch das ® am Namen. Dieses Zeichen kann man alle 10 Jahre wieder kaufen und dadurch mehrfach benutzen – auch für verschiedene Rosensorten. Wenn Sie über Rosensorten stolpern die eine Jahreszahl hinter dem Namen haben, dann ist es genau der Grund. Es gibt ja die Eden Rose 85. Wir haben die Flirt 2011. Das liegt daran das der Name Flirt früher schon einmal verwendet worden ist. Und die Sorte ist dann irgendwann mal weggebrochen. Und dann ist der Name aber so gut und wir bezahlen ja auch für den Namen. Ja, dann nehmen wir ihn wieder. Damit der Handel nicht durcheinander kommt, bekommt die Rose diese Jahreszahl. Aber die Rose selbst als Sorte, wird beim Bundessortenamt geschützt. Wenn die Rose für zwei Jahre getestet und begutachtet wird, bekommt sie das Prädikat „für 25 Jahre urheberrechtlich geschützt“. Dann ist aber Schluss nach 25 Jahren. Dann kann sie auch unter anderen Namen verkauft werden. Wenn sie mit dem R geschützt ist, dann nicht. Wir stehen hier in einem offenen Gewächshaus, aus dem man den Himmel sieht. Was hat das für eine Bedeutung? Thomas Proll : Das ist was ganz Besonderes. Das nennt man Cabriolet – Gewächshaus. Das Dach öffnet sich an einem sonnigen Tag. Da führt dazu, dass die Rose kompakter wächst und die Blätter werden ans UV-Licht gewöhnt. Nachts schließt die Lüftung wieder. Die Wurzel der Rose bleibt so warm und entwickelt sich besser. Die Bedingungen hier, führen auch dazu, dass die Rose in ihrer Blüte früher ist. Wie man hier sieht, wird sie über eine Anstaubewässerung versorgt. Das Wasser kommt von unten, das Laub wird dadurch nie nass und so gibt es deutlich weniger Problem mit Blattkrankheiten. Hier sieht man das sie immer schön Wasser von unten bekommen haben. Das Wurzel System ist schön von unten aufgebaut. Für wen sind diese Töpfe hier gedacht? Thomas Proll: Hier sieht man Rosen in 2 Liter Töpfen. Das ist Trend. Dieses Produkt hat die wurzelnackte Rose abgelöst. Wir verkaufen immer noch wurzelnackte Rosen an Privatkunden. Aber ich will nicht die Hand ins Feuer legen, dass es in 5 Jahren noch so ist. Die wurzelnackte Rose geht als Produkt verloren, weil die Leute heut zu Tage nicht mehr wissen, wie sie damit umgehen sollen. Das Wissen ist verloren gegangen. Und die sind gerade geschoren worden. Hier ist es eine Art Rasenmäher, die die Blüten köpft. Die Pflanzen kommen hier nie in Blüte und werden dadurch buschig und kompakt. Sie sind auch sehr gut durchwurzelt. Es ist eine schöne kompakte Pflanze, die fürs Frühjahr für den Verkauf gedacht ist. Wir hatten den 2 Liter Topf ursprünglich nur als Frühjahrsprodukt für den Großhandel gedacht. Dann aber auch angefangen, die Töpfe Privatkunden anzubieten. Inzwischen steht das komplette Sortiment des Kataloges in den Töpfen und wird ständig immer wieder nachgetopft. Wurzelnackt verschwindet. Schade! Das ist natürlich die günstigste Form, wenn man Rosen kaufen will. Das, was man hier sieht, muss man sich selbstverständlich bezahlen lassen. Eigentlich zwingt uns dieser Trend dazu. Wir verbrauchen Torfressourcen und machen Plastikmüll. Gibt es Alternativen in der Auswahl des Substrates und der Verpackung? Thomas Proll : Vom Substrat her nicht wirklich. Wir haben da schon experimentiert mit Holz Zusatzstoffen usw. Darin wächst die Rose nicht so richtig gut. Und die Verwendung von Töpfen, ja da probieren wir ständig Neues aus. Bio-Töpfe, ja! Sicher lässt sich das auf diesem Weg kultivieren aber es vergammelt und das sieht dann unschön aus. Und manche Kunden würden so einen vergammelten Topf nicht anfassen und geschweige kaufen. Und ein Recyclingsystem für die Töpfe, zu utopisch? Thomas Proll: Ja, könnte man… aber es ist immer heile Welt gewünscht und soll dann nichts kosten. Das geht eben nicht. Wir haben mal so genannte NatuRosa-Rosen angebaut – quasi Bio-Rosen ganz ohne Pflanzenschutzmittel produziert. Mit den neuen, widerstandsfähigen Züchtungen geht das ganz problemlos – nur sollten die dann 1 Euro mehr kosten. Das hat nicht funktioniert. Es wurde nur von wenigen Kunden gekauft – zu viele Leute verstehen einfach nicht, das umweltschonende, ökologische Produktion nun mal ihren Preis hat. Was sind das für spannende Kletterrosen mit doldenförmigen kleinen Blüten und einen betörenden Duft hier in der Gewächshausecke? Thomas Proll mit leuchtenden Augen: Ja, das ist mein Steckenpferd, weil sie mich ja nach Lieblingsrosen gefragt hatten. Das ist inzwischen über 10 -13 Jahren her, da habe ich angefangen auf öfterblühende Rambler zu züchten. Jetzt sind die ersten davon auf den Markt gekommen. Das ist die SILUETTA Serie. Sie heißt so, weil die Sorten freistehend eine schöne Siluette bilden. Alles blüht an dieser Pflanze auch die Basistriebe, die aus dem Boden kommen machen Blüten. Das ist wirklich sensationell. Und die alten die klassischen wie Bobbie James oder Veilchenblau blühen alle nur einmal und sind wachsen monströs. Sie sind nichts für kleine Gärten. Das Öfterblühen reinzubekommen macht Rosen wie diese besonders. Das Öfterblühen ist ja ein Unfall der Natur. Die historischen Rosen oder Wildrosen blühen ja nur einmal im Jahr und das Öfterblühen ist vor mehreren Hundert Jahren mal als Mutation in China entstanden. Diese Eigenschaften sind nach inzwischen vielen Genrationen Züchtung in den meisten modernen Rosen ganz tief verankert. Und bei den Ramblern war es noch nicht so weit. Da hatte man noch wenig Typen. Und deshalb ist diese Serie was Neues. Besonders ‘Romantic SILUETTA‘ duftet auch sehr schön. Dadurch, dass sie öfter blüht, steckt sie ihre Kraft mehr in die Blüten und wächst nicht mehr ganz so monströs. Das sind jetzt keine Sorten die 6-8 m machen, wie die Bobbie James, sondern eher 2-3 m. Für kleinere Gärten sind sie super geeignet. Hier haben wir sie mit einem Spalier und sie blühen schon im Topf, was für die Gartencenter wichtig ist. Das sind hier die ersten vier Sorten und ich habe noch etliche in der Pipeline, die in den nächsten Jahren kommen. Sie sind übrigens sehr gesund in unserer Testung, haben aber noch kein ADR Prädikat (stehen aber alle in der laufenden Prüfung). Es gibt zum Beispiel von der einen Sorte hier eine Schwester, die nicht öfter blühend ist. Das muss man ja erst mal rausfinden und deshalb braucht man die vielen Jahre. Foto unten: Die zarte Kletterrose heißt Lavender Siluetta und blüht öfter im Jahr. Sie wird nicht so riesig und eignet sich für kleine Gärten. Eine Geschichte am Rande… Ich bin in der Züchtung die rechte Hand von Alexander Kordes Vater gewesen, Wilhelm Kordes (1953-2016), also aus einer Generation vorher. Für ihn habe ich viele Jahre als Züchter gearbeitet. Und wir waren häufig zur Selektion der Rosen gemeinsam auf dem Feld. Und diese Rose (‘Roseromantic‘) , die wir hier sehen, stand damals vor mehr als 10 Jahren auf der Schwelle zur Markteinführung und die Frage war: Sollen wir sie bringen oder nicht…? Ich weiß noch ganz genau, es war Samstagnachmittag und wir waren auf dem Feld. Das war übrigens alles noch vor Bienchenzeit.. ne?! Bevor dieser Hype der „Insektenfreundlichkeit“ kam, der natürlich sehr viel Positives mit sich bringt. Und dann standen wir also vor dieser Rose und dann sagte Wilhelm; Mensch ganz tolles Ding, ist ja ganz hübsch aber der Verkauf jagt uns vom Acker, wenn wir wieder mit so einer offenen Blüte ankommen. Denn zu dieser Zeit waren vor allem die gefüllt opulenten Sorten, im Stile Englischer Rosen gefragt. Und dann sagte er; ja bei aller Liebe, aber ich glaube diese Rose braucht die Welt nicht. Dann einen Augenblick später kam seine Frau Ute Kordes und bringt und Kaffee und Kuchen und hat ihre Kamera mit und wir stehen da so noch mit unserem Käffchen und plötzlich hören wir einen Aufschrei des Entzückens. Und sie rief Wilhelm, Wilhelm was ist denn das? Das ist ja die schönste Rose die ich je gesehen habe. Die bringen wir doch oder? Und er dann; ja, ja das habe ich auch gerade gesagt. Und heute steht sie hier vor uns im Topf. Ich habe das der Ute Kordes später mal erzählt. Sie konnte sich dann nicht mehr daran erinnern und war, als sie das hörte, den Tränen nah. Denn sie wusste gar nicht, dass sie in dem Moment diese Rose gerettet hatte. Heute wäre das gar keine Frage. Das ist eine tolle Rose sie ist kerngesund und eine wahre Blühmaschine. Sie kommt ganz von allein immer wieder durch, wenig schneiden, also was für faule Leute. Aber die Farbkombi ist der Hammer. Überall wo sie UV-Licht kriegt bekommt sie dieses Lachsrot. So jetzt ist sie zu, dann sind die Knospen rot. Dann geht sie auf und hat dieses Cremefarbende. Das ist eine Kombi die nie weh tut. Das macht die Rose mit dem schönen Namen ‘Roseromantic‘ spannend. Danke Herr Proll für die spannenden Einblicke und Geschichten. Für mich war der Besuch eine kleine Offenbarung. Rosen sind pflegeleicht, robust, inzwischen weitestgehend gesund und wunderschön. Insbesondere die einfach blühenden Sorten sind für Insekten wertvoll und auch sind Rosen in trockener werdenden Sommern hervorragende Partner. Dank der Züchtungsarbeit von begeisterten Menschen wie Herrn Proll, haben wir heute tolle gesunde Sorten. Ich habe mir übrigens die prämierte Sorte Crimson Siluetta von meinem Besuch in der Rosenbaumschule KORDES mitgebracht. Die werde ich jetzt mal pflanzen. Hinweis: Die mit Sternchen ( * ) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn Sie auf so einen Verweislink klicken und über diesen Link einkaufen, bekomme ich von deinem Einkauf eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht. Bis zum nächsten mal wünsche ich dir eine rosige Zeit! Bleib natürlich Petra
- TROCKENMAUERN IM GARTEN
Ein Gastbeitrag von Peter Berg Ein prägendes Element, welches in bergigen Landstrichen völlig normal ist, findet man in flachen Gegenden eher selten – die Natursteinmauer. Zu Unrecht! Auch wenn nicht gerade ein Hanggrundstück abgefangen und terrassiert wird, Trockenmauern lassen sich in allen Gärten gestalterisch einsetzten. Dabei gibt es viele Möglichkeiten. Es kann eine Trennwand aus Natursteinmauerwerk als Abgrenzung und Sichtschutz zum Nachbar sein, einen mit Naturstein eingefassten tiefergelegten Sitzplatz oder eine Treppe vom Haus in den Garten. Peter Berg von Peter Berg Gartendesign ist im Umgang mit Steinen Meister seines Fachs. Er hat für uns diesen Blogartikel geschrieben, den ich um den pflanzlichen Aspekt ergänzt habe. Foto: Martin Staffler Peter Berg ist Inhaber der Firma Peter Berg Gartendesign und lebt und arbeitet in einer Weinbauregion, wo Trockenmauern ganz selbstverständlich das Landschaftsbild prägen. Hier im Ahrtal ist er so tief verwurzelt, dass das Arbeiten mit Steinen zu seiner Leidenschaft geworden ist. Zu Beginn hat er die alten Mauern abgebaut, wo sie nicht mehr gebraucht wurde. Das Material hat er geborgen und es in neuen Projekten wieder neu aufgebaut. Später hat er immer wieder Steine organisiert und damit in seinem Garten experimentiert. Durch Helmut Schieder aus der Weinbauregion Langenlois an der österreichischen Gartenbauschule wurde ihm klar, dass diese alte Handwerkskunst durch Workshops weitervermittelt werden muss. Durch ihn bekam er internationale Kontakte, besonders zu Irischen Spezialisten. Wunderschön terrassierte Weinberghänge In den Weinbergen am Neckar, an der Mosel und im Ahrtal gibt es nach wie vor wunderschöne terrassierte Hänge zu besichtigen, welche die Landschaft einmalig prägen. Trockenmauern haben hier deshalb einen hohen kulturhistorischen und landschaftsökologischen Wert. Das Erfreuliche – allmählich lebt die Kunst des Trockenmauerbaus auch in Deutschland wieder auf, denn ohne gekonnte Pflege sind diese alten Kunstwerke dem Verfall preisgegeben. Die Mallorquiner haben den Wert ihrer Trockenmauern für die Kulturlandschaft bereits erkannt und sind mit einer eigenen Schule für Trockenmaurer im Örtchen Soller schon einen bedeutenden Schritt weiter. Bekannt für ihre gekonnten Trockenmauern und reichhaltigen Erfahrung sind aber auch die Schweizer, Engländer und Schotten. Trockenmauern im Garten selber bauen – darauf kommt es an Das Aufsetzten von Trockenmauern ist also eine uralte Handwerkskunst. Sie findet sich weltweit mit unterschiedlichen Techniken und Ausprägungen, die in der Regel den vor Ort vorhandenen Steinen geschuldet sind. Auch im Garten lassen sich mit Trockenmauern unterschiedliche Räume schaffen oder abschüssige Grundstücke geschickt zonieren. Je nachdem in welcher Region, welches Material ansteht, werden die Mauern jeweils zu einem besonderen ortstypischen Unikat. Am einfachsten lassen sich flache Steine zu einem Schichtmauerwerk verwenden. Das sind die 8 wichtigsten Regeln für ein Schichtenmauerwerk: Längliche Steine lassen sich wie gesagt, natürlich einfacher schichten als quadratische Formate. Wichtig ist, dass es innerhalb der Schichten zu einer so genannten „Überbindung“ innerhalb des Mauerwerks kommt. Das bedeutet, dass die Stoßfugen zwischen den Steinen der unteren Schicht immer von einem Stein in der darauf liegenden Schicht überdeckt werden. Wird dies nicht beachtet, entstehen Kreuzfugen und die sind hier ebenso verpönt wie beim Naturpflaster. Enge Fugen sind kein Muss und das gekonnte Verkeilen mit kleinen Steinen erhöht durch mehr Reibungswiderstand die Standfestigkeit erheblich. Alle Steine werden Höhengerecht durch Steinkeile fixiert und auch gegeneinander, die Keile erhält man durch das bearbeiten der Steine. Trockenmauern sind Schwergewichtsmauern. Das ideale Verhältnis von Mauerdicke zu Mauerhöhe beträgt 1:3, wobei eine Mindestbreite von 30cm bis 40cm einzuhalten ist. Die Mauern werden mit einem Anlauf (Neigung zum Hang) von 5-10% gebaut. Eine Hintermauerung bei Stützmauern ist ebenso unerlässlich wie die Drainageschicht, welche das ansonsten zerstörerisch wirkende Wasser schnell ableitet. Mindestens 10% der Steine müssen Bindersteine sein, während deren Einband über die gesamte Mauertiefe geht. Schichtartige Steine, die möglichst waagerecht eingebaut werden sind am meisten zu empfehlen. Ideal ist es größere Steine als Mauer Abdeckung zu nehmen. Optische Variante – Wechselmauerwerk Bei einem Wechselmauerwerk ändern sich immer wieder die Schichthöhen, weshalb eine solche Mauer lebendig wirkt. Die Steine, welche den Schichtwechsel einleiten, tragen den bezeichnenden Namen „Wechsler“. Die Ansichtsflächen der Mauersteine können auf Wunsch unterschiedlich bearbeitet werden. Als Spaltfläche bezeichnet man die rohe unbearbeitete, beim Spalten entstandene Frontseite. Das Spitzen (die Ansichtsfläche wird mittels eines Spitzeisens flach abgespitzt), Bossen (die Steine wirken danach wie ein künstlicher Fels) und Scharrieren (die Bearbeitung mit dem Scharriereisen ergibt eine feine, flächige Oberfläche) sind wohl die bekanntesten Arten der handwerklichen Frontseitenbearbeitung, die aber unwillkürlich auch die Blicke der Betrachter auf sich ziehen. Auf keinen Fall dürfen solche Mauerfronten vom Gesamtbild des Gartens ablenken, sondern maximal die Architektur und den Ausdruck des gärtnerischen Gesamtwerkes unterstützen. Trockenmauern als Lebensraum Sicher, die kunstvoll errichteten Mauern aus Natursteinen wirken ästhetisch auch ohne Pflanzen. Einfach weil die Steine selbst sehr lebendig sind. Mit pflanzlichen Begleitern werden Steine noch lebendiger. Dort wo es gestalterisch passt, entsteht ein schönes Zusammenspiel zwischen urwüchsigem Stein und zarten Pflanzen. So werden bepflanzte Trockemauern zu einem kleinen vertikalen Garten “en miniature”. Um diese Möglichkeit einer bepflanzten Mauerbepflanzung aufzuzeigen, möchte ich den Beitrag von Peter Berg um diesen pflanzlichen Aspekt erweitern. Schließlich habe wir diese Symbiose aus Naturstein und Stauden, Gräser und Gehölze bereits im Garten Dammermann gemeinsam erprobt. Stell dir vor; aus den sonnenbeschienenen Ritzen zwischen den Steinen ranken dann üppige Polster leuchtenden blauen Blütchen der Glockenblumen. Hauswurz und Mauerpfeffer thronen auf der Mauerkrone oder im Schatten wachsen kleine zarte Tüpfelfarne, Lerchensporn oder Zimbelkraut. Sogar wärmeliebende Kräuter lassen sich pflanzen, denn die Steine einer Trockenmauer wärmen sich in der Sonne auf. Wann ist der richtige Zeitpunkt eine Trockenmauer zu bepflanzen? Die Pflanzzeit für eine Trockenmauer liegt zwischen März und September. Gerade im Frühjahr ist eine Pflanzung ideal. Die Pflanzen beginnen dann gerade mit ihrer Wachstumsperiode. Welche Erde eignet sich für Trockenmauern? Damit die Wurzeln bei Staunässe nicht sofort faulen, sollte die Erde für die Mauerbegrünung möglichst durchlässig sein. Ein Gemisch aus etwa gleichen Anteilen normaler Muttererde und grobem Kies ist perfekt. Hier gibt es einige Pflanzenarten, die sich für eine Fugenbepflanzung eignen: Collage: Pflanzenreich App Foto oben – von links nach rechts: Sempervivum arachnoideum-Hybride ‘Silberkarneol’ – Spinnweb-Hauswurz, Sempervivum Hybride ‘Silver Thaw’ – Hauswurz, Saxifraga cotyledon ‘Southside Seedling’ – Strauss-Steinbrech, Sempervivum arachnoideum ssp. tomentosum – Spinnweb-Hauswurz Collage: Pflanzenreich App Foto oben – von links nach rechts: Ramonda pyrenaica – Pyrenäen-Felsenteller, Jovibarba sobolifera – Kugelige Wirbel-Steinwurz, Gypsophila cerastioides – Himalaya Schleierkraut, Cymbalaria pallida – Zimbelkraut Collage: Pflanzenreich App Foto oben – von links nach rechts: Cymbalaria muralis – Mauer-Zimbelkraut, Saxifraga x arendsii ‘White Pixie’ – Moossteinbrech, Campanula cochleariifolia ‘Bavaria Blue’ – Zwerg-Glockenblume, Chiastophyllum oppositifolium – Goldtröpfchen Collage: Pflanzenreich App Foto oben – von links nach rechts: Campanula cochleariifolia ‘Bavaria White’ – Zwerg-Glockenblume, Saxifraga cotyledon ‘Pyramidalis’ – Becher-Steinbrech, Cymbalaria muralis ‘Globosa Alba’ – Mauer-Zimbelkraut, Sempervivum Hybride ‘Chivalry’ – Hauswurz, Dachwurz Collage: Pflanzenreich App Foto oben – von links nach rechts: Polypodium vulgare – Tüpfelfarn, Phyllitis scolopendrium – Hirschzungenfarn, Asplenium trichomanes – Brauner Streifenfarn, Cheilanthes lanosa – Haariger Pelzfarn Du suchst nach speziellen Pflanzen für spezielle Orte in deinem Garten, wie hier die Mauerspezialisten? Dann probiere die Pflanzenreich App für einen Tag kostenlos! Foto oben: Zum Schluss noch ein schönes Beispiel… Da Moose keine Wurzeln haben, siedeln sie sich auch gerne auf Steinen an, solange der Standort luftfeucht ist. So entsteht eine saftig grüne Patina und eine ganz eigene Textur, die prägend ist. Trockenmauern sind also flexible Bauwerke, die in der Regel keine aufwendige Fundamentierung benötigen. Wenn es gestalterisch passt, können sie bepflanzt werden oder sie stehen für sich und wirken durch die Lebendigkeit des Natursteins. Wenn du jetzt Ideen für eigene Projekte hast und das Setzten einer Trockenmauer lernen möchtest, dann sind vielleicht die Workshops, die Peter Berg jährlich anbietet, etwas für dich. In diesen Workshop hat Peter Berg und sein Team das Thema Trockenmauer neu interpretiert. So sind zum Beispiel Kombination von Trockenmauer mit großen Platten oder Felsen im Garten von Peter Berg zu sehen. Kontaktiere bei Interesse Peter Berg Gartendesign. Vielen Dank an Peter und vielleicht ergibt sich ja wieder eine neue Zusammenarbeit und die Möglichkeit einer neuen Symbiose zwischen Pflanze und Stein! Bleibt natürlich Petra
- RHODODENDREN – VIELFALT IM PARK DER GÄRTEN
Ein Gastbeitrag von Björn Ehsen Jedes Jahr im Frühling ist die geballte Farbkraft der Rhododendren erneut faszinierend. Wie kleine leuchtende Bollwerke erscheinen die meist kugligen oft sehr großen Blütenbälle an den ledrigen immergrünen Blättern. In dieser Zeit strömen zahlreiche Besucher in den “ Park der Gärten ” nach Bad Zwischenahn und staunen über die ungeheure Blütenpracht. Bis zu 2000 Arten und Sorten gibt es hier in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Kein Wunder, das die Rhododendren gerade hier so populär sind. Im Ammerland befindet sich seit den 1920er Jahren das Zentrum der Rhododendronzucht in Deutschland. Nirgendwo sonst findet man diese Vielfalt. Petra hat Björn Ehsen, Gärtnerischer Leiter im Park der Gärten neulich besucht und wirklich… schon auf dem Weg dorthin, Rhododendren findet man hier überall. Sie blühen in Vorgärten, man findet sie am Wegesrand, auf den großen Feldern der Baumschulen und natürlich in den großen Rhododendronparks. Sie wachsen beneidenswert gut. Björn Ehsen stellt uns seinen Park kurz vor und verrät uns Wissenswertes zum Thema Rhododendren. Die Liebe von Björn Ehsen zu den Rhododendren hat sich während seiner Lehrzeit zum Baumschulgärtner bei BRUNS Pflanzen entwickelt, als er zwischen 1987 und 1989 in einem Lehrlings- und Gesellenhaus direkt neben dem firmeneigenen Gristeder Rhododendronpark wohnte und dort oft nach Feierabend oder am Wochenende zum Botanisieren war. Das Interesse zu Pflanzen wurde viel früher schon vom Vater, der Hochschullehrer für Pflanzenverwendung in Osnabrück war, geweckt. Als Kind durfte er nach Diktat des Vaters, der Fotos im Berggarten Hannover für Vorlesungen und Vorträge machte, die botanischen Namen mitschreiben – so etwas prägt … Die erste Stelle nach einem Gartenbau-Studium war 1996 an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau der Landwirtschaftskammer in Bad Zwischenahn. Neben der Leitung der überbetrieblichen Ausbildung gehörte auch die Betreuung des Sichtungsgartens mit typischen „Ammerländer Gehölzkulturen“ dazu, im Wesentlichen die 2000 verschiedenen Rhododendronarten und -sorten. Bis heute ist er dort als Versuchsingenieur auch für die vielfältigen Gehölzsichtungsversuche verantwortlich. Seit 2003 ist Björn Ehsen Gärtnerischer Leiter des Parks der Gärten in Bad Zwischenahn . Dieser Park zählt in Deutschland zur größte Mustergartenanlage. Mit einem Schatz von 9.000 etikettierten Pflanzen, ist es ein El Dorado für Pflanzenliebhaber*innen. Björn Ehsen ist Beiratsmitglied der Deutschen Rhododendrongesellschaft seit über einem Vierteljahrhundert. Rhododendron – mehr als ein Feuerwerk der Blütenfarben Wenn im Wonnemonat Mai die Hochblüte der Alpenrosen einsetzt, werden Gärten, Parks und Baumschulen des Ammerlandes zu Touristenmagneten. In einem wahren Farbenfeuerwerk blühen sie lila, weiß, rosa, rot, orange und gelb und einige von ihnen (besonders die Azaleen) füllen außerdem mit ihrem Blütenduft die Luft. Seit über zweihundert Jahren wird diese Pflanzengattung hier angepflanzt. Etwa 90 % aller in Deutschland verkauften Rhododendren und Azaleen werden im Baumschulgebiet Ammerland-Ostfriesland herangezogen. Auch wenn sie hier nicht heimisch sind, fühlen sich viele ihrer Sorten bei uns ausgesprochen wohl und gedeihen prächtig. Bild oben: Die Parklandschaft Ammerland besticht besonders zur Blütezeit ihrer Nationalpflanze. Wo wachsen Rhododendren? Die ungeheure Fülle der rund 1.000 Arten von Rhododendron ist auf fast allen Erdteilen zu finden, aber die Vorfahren der bei uns gepflanzten Sorten stammen meist aus regenreichen Bergregionen des Himalajas und Nordamerikas. Daher lieben sie hohe Luftfeuchte und gleichmäßig feuchte, saure Böden. Sie vertragen aber keine Staunässe. Der für sie gelegentlich benutzte Sammelbegriff „Moorbeetpflanzen“ führt in die Irre. Die Sortenvielfalt der Rhododendron, von denen es weltweit über 30.000 gibt und zu denen auch die Azaleen gehören, ist riesig. Im Park der Gärten Bad Zwischenahn, dem Linsweger Rhododendronpark Hobbie, dem Rhododendronpark der Baumschule Bruns in Gristede und vielen anderen großen Sammlungen kann man sich zur Blütezeit leicht ein Bild davon machen. Im Park der Gärten gibt der „Garten der empfehlenswerten Rhododendren“ einen guten Überblick über die aktuell besten Sorten. Bild oben: Im Frühsommer entfalten sich die rosafarbenen Blüten und verwandeln die Berghänge in ein Blütenmeer. Rhododendron myrtifolium blüht in den ukrainischen Karpaten. Bild oben: Rhododendron dauricum wächst in den Altai Bergen. Eine Freude durch die blühenden rosafarbenden Rhododendron zu wandern. Bild oben: In den Alpen wächst die Bewimperte Alpenrose. Sie wird auch Almrausch oder Steinrose genannt. Sie wächst in Höhenlagen von bis zu 2500 Metern und ist durchaus raues Klima gewohnt. Bild oben: Rhododenron canadense, die Kanadische Alpenrose ist ein laubwechselndes kleines Gehölz für halbschattige Standorte auf saurem Boden. Diese Art ist im Nordosten Nordamerikas heimisch. Bild oben: Die umfangreiche Rhododendronsammlung im Park der Gärten gibt einen Überblick über fast 200 Jahre Züchtungsgeschichte der Alpenrosen. Blüten oder Laub – Schmuckwirkung von Rhododendren Aber nicht nur die Blüte und der Duft mancher Sorten schmücken die Rhododendron. Ihre meist recht großen, immergrünen Blätter sind ebenfalls attraktiv. Neben gelb- oder weißbunten Blättern gibt es bei viele Sorten einen weißen bis bräunlich befilzten Austrieb (Indumentum), der für eine zusätzliche Zierde nach der Blüte sorgt und auch Schädlinge wie Netzwanzen abhält. Diese Züchtungen stammen von Arten aus Gebirgsregionen ab und sind im Park im Alpinum den Sommer über zu bewundern. Bild oben: Der dekorative, filzige Belag an Rhododenron pseudochrysanthum ‘Golfer‘ hält bis zum Herbst. Bild oben: Rhododendron ponticum 'Variegatum' setzt mit dem Laub zusätzliche Akzente im Garten. Großflächige Pflanzungen in weiträumigen Parkanlagen entsprechen dem Charakter von Großblumigen Rhododendron und entsprechen ihrem natürlichen Vorkommen am besten. Hier ist eine langfristige Entwicklung möglich, beispielsweise zur auf ihre Fernwirkung bedachte Bepflanzung von raumbegrenzenden Gehölzsäumen. Bild oben: Ausflugstipp: Im Schlosspark Lütetsburg (bei Norden) blühen die Alpenrosen, wenn andernorts die Hauptblüte fast vorbei ist. Bild oben: Ausflugstipp: Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau. Er ist ein ca. 200 ha großer Landschaftspark in Kromlau, Landkreis Görlitz. Eine architektonische Besonderheit ist die 1863 bis 1882 aus Basalt- und Feldsteinen errichtete Rakotzbrücke (Rakotz = sorbisch für Krebs). Zur Rhododendronblüte ist der Park eine Sensation. Bild oben: Schirmförmige, „aufgeputzte“ Rhododendron bieten vielfältige Möglichkeit der Unterpflanzung, so dass auch aufgekahlte Pflanzen wieder sehr wirkungsvoll aussehen können. Für kleingliedrige, auch auf Nahwirkung geplante Pflanzungen im Hausgarten eignen sich eher schwachwüchsigere Rhododendron wie die vielfältigen Yakushimanum- Hybriden. Bild oben: Pflanzung von Yakushimanum-Hybriden im Park der Gärten Die Blütezeit der einzelnen Sorten beträgt oft nur 2 bis 3 Wochen, gut 11 Monate wirken die immergrünen Rhododendren mit ihrer Blattmasse als sprichwörtliche „grüne Elefanten“ oft nur beruhigend. Die Blütezeit einer Pflanzung kann durch die Wahl von früh, mittel und spät blühenden Sorten insgesamt verlängert werden. Bild oben: Auch die Vielfalt der Laubformen der Rhododendron wie hier bei Rh. ponticum ‘Graziella‘ ist beeindruckend. Rhododendren wachen in der Natur fast immer gesellig, in Gemeinschaft mit anderen Gehölzen und Stauden. Durch andere Blattstrukturen, -texturen und -farben, z.B. von Gräsern und Farnen lassen sich vielfältige und kontrastreiche, langfristig gut funktionierende Pflanzungen gestalten. Bild links: Auch ohne Blüte spannende Kombination von laubschönen Rhododendron mit Rodgersia und Hosta Bild rechts: Andere Ericacea wie der Berglorbeer (Kalmia latifolia ‘Kaleidoscope‘) blühen direkt nach der Hauptblüte der Rhododendron. Bild unten links: Bodendeckende, nicht zu konkurrenzstarke Stauden wie Epimedium x rubrum harmonieren wunderbar mit Azalea mollis ‘Lemonora‘. Bild oben rechts: Auch die herbstliche Laubfärbung von sommergrünen (hier: Knap-Hill-Hybride ‘Klondyke‘) und Japanischen Azaleen ist ein wichtiges Gestaltungsmittel. Am passenden Standort sind Rhododendron recht robust und können weit über hundert Jahre alt werden. Die stark wachsenden Sorten sind allerdings anspruchsvoll an die Nährstoffversorgung, so dass meist eine Düngung notwendig ist. Hierfür ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Besonders gut eignen sich langsam wirkende organische Dünger. Solange die Pflanzen jung sind, empfiehlt es sich außerdem, vorsichtig die abgeblühten Blütenstände mit der Hand auszubrechen, damit sich keine Fruchtstände bilden. Denn diese binden Nährstoffe, auf Kosten des Triebwachstums und der Blütenbildung fürs nächste Jahr. Wenn die Pflanzen zu groß werden und das Ausbrechen zu aufwändig, können die Blüten aber auch am Strauch gelassen werden. (Bild-) Autor: Björn Ehsen Der Park der Gärten ist zu jeder Zeit eine Attraktion. Die ehemalige Gartenschau ist ein großes Parkgelände mit mehr als 9.000 Pflanzenarten in 40 Schaugärten. Im Frühling blühen zahlreiche Blumenzwiebeln und natürlich die umfangreiche Sammlung an Rhododendren. Im Sommer gibt es verschiedene Gartenthemen mit interessanten Pflanzenkombinationen von Stauden und Sommerblumen. Und im Herbst bieten die sich zahlreich färbenden Gehölze ein prächtiges Farbspektakel. Falls du noch nicht da warst. Es lohnt sich! Mehr Informationen: Park der Gärten Bleib natürlich Petra und Leonie
- ZARTE GRÄSER IM SONNIGEN GARTEN
Oh, wie elegant und zart Gräser sind! … dachte ich neulich noch, als ich den herbstlichen ega Gräsergarten Erfurt durchstreifte. Seltsamerweise, bei einem zweiten Blick fand ich einige Gräser plötzlich auch ziemlich dominant. Trotz ihres filigranen Laubes ragten sie schon von Weitem sehr stattlich aus dem Beet und ihre silbrigen Blütenfahnen leuchteten in der warmen Abendsonne. Zartheit und Eleganz auf der einen Seite – eine grandiose, stattlich Wirkung einiger Arten auf der anderen. Das ist es wahrscheinlich, warum eine moderne Gartengestaltung mit Gräsern so beliebt ist. Sie sind variabel einsetzbar und bringen eleganten Naturcharme in unsere Gärten. Insbesondere zu Stauden, Gehölzen oder Sommerblumen wirken Gräser als Weichzeichner. Sie setzten mal flächig, in Gruppen oder einzeln als Solitär, natürliche Akzente. Auch ein Beet mit Lavendel und Gräsern , sowie Heiligenkraut oder Salbei ist eine schöne Idee für einen mediterranen Garten. Ideen mit Gräser für den Garten gibt es viele. Foto: Ferdinand von Luckner Jetzt im Herbst laufen einige Arten zur Hochform auf. Sie blühen dann mit duftigen Blütenwölkchen, leichten Federn oder schmalen Rispen. Sie schmieden prächtige Allianzen mit herbstblühenden Stauden oder laubfärbenden Gehölze. Erst im nächsten Frühjahr kannst Du Gräser teilen, umpflanzen oder schneiden. Auch die beste Pflanzzeit ist das Frühjahr. Im Winter Pläne schmieden – im Frühjahr neue Gräserideen umsetzen. Hier findest Du unsere Tipps für Gräser im sonnigen Garten: Gräser und der richtige Standort Gräser sollten nach ihren Bedürfnissen ausgewählt werden. Bevor man sich für die eine oder andere Art entscheidet, sollte man klären, ob sie an dem vorgesehenen Standort gut wächst. Dabei spielen Lichtverhältnisse, Bodenbeschaffenheit oder Bodenfeuchte eine wichtige Rolle. Die meisten sonnen liebenden Gräser benötigen einen durchlässigen, nährstoffarmen Boden. Steppengräser lieben es sogar noch karger. Ein Boden, der mit Sand abgemagert wurde, ist für diese Hungerkünstler ideal. Foto: Leonie Humenda Foto: Sylvia Knittel Die 5 besten Tipps für die Auswahl von Ziergräsern Den richtigen Standort auswählen! Das ist das Wichtigste überhaupt. Falsche Lebensbedingungen führen dazu, das die Gräser nicht nur schlecht wachsen, sie sind auch anfällig gegenüber von Krankheiten und Schädlingen. Es gibt Gräser für alle Lichtverhältnisse, wie Sonne oder Schatten oder für verschiedene Böden. Sicher gibt es spezielle Gräser für Lehmböden , wie bestimmte Carex Arten. Jedoch brauchen die meisten Gräser einen guten Wasserabzug, um zu gedeihen. Es gibt für jeden Standort das richtige Gras. Auch ausläufertreibende Gräserarten, wie der Strandhafer oder das Goldbandgras sollte man nicht verdammen. Gibt es einen abgegrenzten Wurzelraum, zum Beispiel zwischen Betonflächen, dann sind diese Arten ideal. Ansonsten können solche Arten in einem Gräser oder Staudenbeet Ihnen das Leben schwer machen. Dann solltest Du lieber verzichten. Wähle horstbildende Gräserarten. Sie bleiben am Platz und werden lediglich durch kurze Ausläufer von Jahr zu Jahr breiter aber auch oft schöner. Hierzu zählen. die Rutenhirse, das Pfeifengras, der Blaustrahlhafer und andere mehr. Die schönsten Ziergräser wachsen übrigens in der Sonne. Es gibt jedoch auch winterharte Gräser für Halbschatten und für den Schatten, wie Carex oder Luzula Arten, die insbesondere mit schönen Blattschmuckstauden wirken. Auf Versamung achten. Sich versamende Arten kannst Du zwar ebenfalls verwenden. Hierbei ist zu beachten, das Du lieber rechtzeitig die Samenstände abschneidest. So wird der Ausbreitungsdrang durch Versamung nicht allzu lästig. Hierzu gehören Arten wie die Rasenschmiele, das Diamantgras, das Perlgras. Standfeste Gräser auswählen oder weniger düngen? Stehen Gräser in zu nahrhaften Böden, dann wachsen sie zu sehr in die Höhe und kippen dann auseinander. Die Nährstoffe beeinflussen die Standfestigkeit. Es gibt innerhalb einer Gattung zum Beispiel bei Rutenhirse (Panicum) standfeste und weniger standfeste Sorten. Hier solltest Du nochmal bei einem Fachmann nachfragen. Die Frosthärte beachten. Die meisten hier verwendeten Gräser sind frosthart. Dennoch gibt es Gräser, die sich an der Grenze der Frosthärte bewegen. Dazu gehören das Pampasgras, oder das Blutgras. Diese Gräser wachsen in einigen milden Gegenden. Wohnst Du jedoch in einem frostgefährdeten Landstrich, sollte dieser Umstand berücksichtigt werden. Wobei ich immer für ein Ausprobieren plädiere. Foto: Leonie Humenda Wann pflanze ich Gräser? Für alle Gräser ist der beste Zeitpunkt für eine Pflanzung im Frühjahr. Optimal ist es vor einem Regentag. Kurz bevor sich der Blattaustrieb zeigt, können Gräser übrigens auch geteilt und umgepflanzt werden. Wie weit pflanze ich Gräser auseinander? Wenn ich Gräser pflanzen möchte, wie ist der Abstand ? Der Abstand zu anderen Pflanzen ist entscheidend für die Langlebigkeit der Gräser. Pflanzt man anfänglich zu eng, muss man die Gräser früher wieder teilen. Außerdem sieht eine zu enge Gräserpflanzung nicht ansehnlich aus, da sich die überhängenden Halme gegenseitig kreuzen und behindern. Wer es gleich etwas fülliger mag, sollte zunächst nicht zu raumfüllende einjährige Sommerblumen dazwischen pflanzen. Sie haben eine Funktion auf Zeit bis sich die Gräserfläche geschlossen hat. Für die flächige Gräserpflanzung oder die Pflanzung in Gruppen empfehle ich meist 2-4 Pflanzen pro Quadratmeter bei mittleren Arten, 1 Pflanze bei hohen Arten und bei niedrigen etwa 8-10St. pro Quadratmeter. Foto: Sylvia Knittel Wie pflanze ich Gräser ein? Ist der Ballen trocken, sollten Gräser vor dem Pflanzen nochmal in einen Wassereimer getaucht werden. So können sie sich vollsaugen. Passt der Standort, kann gepflanzt werden. Hierzu grabe ein Pflanzloch mindestens so tief wie der Topfballen hoch ist. Zu tief sollte nicht gepflanzt werden. Zu hoch darf aber auch nicht gesetzt werden, da die Wurzeln sonst Luft ziehen und die Pflanze vertrocknet. Ob es geregnet hat oder nicht, frisch gepflanzte Gräser müssen gründlich gewässert werden. Erst wenn der Boden gut durchfeuchtet ist, ist ein erfolgreiches Anwachsen gewährleistet. Wie pflege ich Gräser? Eigentlich gibt es zur Pflege von Gräsern gar nicht so viel zu sagen. Gräser sind ziemlich anspruchslos. Dennoch gibt es einige wenige Punkte; Insbesondere im ersten Jahr nach dem Pflanzen soll der Boden gleichmäßig feucht gehalten werden. Allerdings soll man Staunässe vermeiden, da die Gräser insbesondere die trockenheitsliebenden Arten faulen können. Zu Beginn empfiehlt sich eine Startdüngung mit organischem Dünger oder Humus. Gräser schneidet man im Frühjahr zurück. Der Zeitpunkt ist dann richtig, wenn die ersten grünen Triebe zu sehen sind. Bis dahin Zeitpunkt dient das vertrocknete Laub noch als Winterschutz. Bei höheren Arten wird radikal zurück geschnitten. Wir empfehlen eine Handbreit über den Boden bis max. 15cm. Beim Rückschnitt sollten möglichst keine neue Austriebe entfernt werden. Haben die Gräser bis zum Boden morsche Grasteile, sollten diese Platz machen für frisches neues Grün. Sie sollten entfernt werden. Niedrige Gräser benötigen keinen radikalen Rückschnitt. Foto: Sylvia Knittel Wie überwintere ich Gräser? Die meisten Gräser benötigen keinen Winterschutz, denn sie sind großteils winterhart. Das eigene Laub schütz vor Winternässe, Sonne und Kälte. Es gibt aber Ausnahmen, wie das Pampasgras. Diese Art sollte im einfach oben und mittig mit einer Schnur zusammengehalten werden. Es ist ein Schutz und verhindert das Auseinanderdrücken durch nassen Schnee. Beispiele für Gräser im sonnigen Garten Gräser für trockene sonnige Standorte Achnatherum calamagrostis Algäu – Silberährengras Calamagrostis acutiflora Karl Foerster – Reitgras Cortaderia selloana Pumila – Pampasgras Festuca mairei – Atlasschwingel Melica ciliata – Perlgras Stipa gigantea – Riesenreiherfedergras Stipa pulcherima fo. nudicostata -Reiherfedergras Pennisetum alopecoroides Hameln – Lampenputzergras Pennisetum orientalis Tall Tails – Orientalisches Lampenputzergras Sesleria autumnalis-Herbstkopfgras Collage: Pflanzenreich App Gräser für frische sonnige Standorte Calamagrostis arundinacea brachytricha – Diamantgras Hakonechloa macra – Japanwaldgras Miscanthus sinensis Gracillimus – Chinaschilf Molinia arundinacea Transparent – Hohes Pfeifengras Molinia caerulea Edith Dutzus – Kleines Pfeifengras Panicum virgatum Heiliger Hain – Rutenhirs Panicum virgatum Northwind – Hohe Rutenhirse Pennisetum viridescens Black Beauty – Lampenputzergras Sesleria autumnalis-Herbstkopfgras Spodiopogon sibiricus West Lake – Zottenrauhgras Collage: Pflanzenreich App Gräser für feuchte sonnige Standorte Molinia arundinacea Transparent – Hohes Pfeifengras Molinia caerulea Edith Dutzus – Kleines Pfeifengras Spartina pectinata Aureomarginata – Goldbandleistengras Spodiopogon sibiricus West Lake – Zottenrauhgras Collage: Pflanzenreich App Foto: Leonie Humenda Du möchtest einen Pflanzplan für ein Staudenbeet mit Gräsern erstellen? Dann habe ich hier einige Anregungen für dich. Verschiedene Gräser wurden hier mit Stauden kombiniert. Ich habe sie für dich mit Hilfe der Pflanzenreich-App zusammengestellt. In der Garten App gibt es schöne und garantiert passenden Pflanzen. Auch für deinen Garten. Vielleicht ist ja auch etwas für deinen Garten dabei. Lust auf den “variabelsten Garten der Welt mit Gräsern” ? Mehr Informationen zu den vielen Pflanzen findest du hier . Aber nun hier Kombinationen mit Gräsern – Ideen zum Nachpflanzen: Foto oben: Das Moskitogras Bouteloua gracilis (oligostachya) hat seinen Name aufgrund der besonderen Blütenähren, die waagerecht abstehen. Hier ist das 30cm hohe Gras mit trockenheitsverträglichen kleinen Nelken, der kleine Frauenmantel und Erysimum kombiniert. Foto oben: die Pfingstrose Paeonia mlokosewitschii, das Japanwaldgras Hakonechloa macra, Hosta und die gelben Dolden von Patrinia passen gut in das Konzept schöner warmer Gelbtöne. Foto oben: Der Blauschwingel Festuca glauca oder F. cineria ist ein pflegeleichtes Gras. Es kommt ursprünglich aus Südfrankreich beheimatet. Das 25cm hohe Gras passt gut zu dem kleinen sommergrünen ausdauernde Kugellauch Allium senescens ssp. senescens, dem kleinen Frauenmantel Alchemilla und Erysimum. Foto oben: Calamagrostis brachytricha, das Diamantgras ist ein aufrechtes, später leicht überhängendes Ziergras. Die sehr sehr feiner Blüte passt gut zu dem weißen Phlox David, dem weißen Fingerhut Digitalis purpurea 'Alba' und die Sterndolde Astrantia major 'Shaggy'. Foto oben: Hier eine höhere Kombination mit dem schlank wachsenden Reitgras Calamagrostis acutiflora 'Karl Foerster', hohem Phlox 'David', der Wiesenraute Thalictrum aquilegifolium 'Album' und der Staudensonnenblume Helianthus microcephalus. Foto oben: Toll sind die dunklen Blütenwalzen von dem Lampenputzergras Pennisetum viridescens ssp. viridescens. Sie passen super zu Echinacea Hybr. 'Green Jewel', Kniphofia Hybr. 'Green Jade' und der weißen Echinacea purpurea 'Alba'. Dazu passt Stipa gigantea mit der hohen frühen Blüte. Mein Tipp für dich: Wenn dir die Kombinationen mit Gräsern für deinen Garten gefallen haben und du gern mehr ausprobieren willst, dann schau doch mal in der Pflanzenreich-App . Hier gibt es viele schöne Gräser und die schönsten passende Stauden, Blumenzwiebeln und Rosen. Foto: Leonie Humenda Gräsergarten ega Park in Erfurt Die Umgestaltung des denkmalgeschützten Gräsergarten im ega Park Erfurt (2014) war ein gemeinschaftliches Projekt zwischen uns und dem Landschaftsarchitekturbüro Ihle aus Weimar . Auf einer Fläche von 2.500 m² entstand eine moderne Gartengestaltung mit Gräsern , die das breite Spektrum an Ziergräsern (70%) in passen Kombinationen mit Stauden (30%) zeigt. Ausgesucht wurden Arten für die Sonne, für den Schatten, für feuchte und für trockene Standorte. Zu sehen ist auch das kleinste und das größte Gras. Verwendet wurden die Gräser mal flächig, mal in Gruppen oder einzeln als Solitär. Im Vorsommer treiben fliederfarbene Blütenköpfe zwischen den Gräsern. Allium und Gräser sind einfach eine perfekte Kombination. Überhaupt gibt es im Frühjahr ein Blütenmeer an Zwiebelblumen. Denn, wann treiben Gräser aus ? Doch ziemlich spät. Da ist sind diese Zwiebelblumen eine perfekte Ergänzung und sorgen für einen durchgehenden Blütenreigen. Foto: Sylvia Knittel So gibt es für die Besucher noch viele Anregungen, die sie auch im eigenen Garten anwenden können. Der Garten steht wie der gesamte ega Park unter Denkmalschutz und hatte schon früher ein Wasserspiel, allerdings waren es damals Wasserschalen. Im Zuge der Neugestaltung wurde aus der Idee eine Nebelanlage. Aus feinen Nebeldüsen treten in regelmäßigen Intervallen feine Nebelschwaden und überziehen die Blüten Gräserlandschaft. Aufgrund des feuchten Umfeldes musste die Bepflanzung entsprechend sein. In unmittelbarer Umgebung der Düsen wurde das Diamantgras Calamagrostis brachytricha gepflanzt und viele großblättrige, feuchtigkeitsliebende Stauden, wie das Tafelblatt, das Schildblatt, die Sumpfwolfsmilch und Mädesüß. Sie schaffen Blattkontraste zu den filigranen Gräser. Eine lange Pergola teilt den Garten. Dort stehen Bänke auf denen man sich ausruhen kann. Foto: Sylvia Knittel Sicherlich ist der Gräsergarten im ega Park ein Großprojekt. Großzügig pflanzen kannst Du jedoch im kleinsten Garten. Nur Mut und keine Angst vor großen Stückzahlen. Wir verwenden pro Quadratmeter 5 – 7 Stauden und 1 – 6 Gräser, je nach Größe und Art. Generell sei abschließend gesagt, dass es jetzt Zeit ist nochmal genauer hinzusehen. Die Gräser sind im Garten Herbst am schönsten. Möchtest du nun auch ein Gartenbeet mit Gräsern gestalten , brauchst du einen guten Plan und Inspiration. Schau dir im Herbst schöne Gräserbeete an und lass dich inspirieren. Diese Eindrücke kannst Du mit in den Winter nehmen und wenn Du möchtest Pläne schmieden. Im Frühjahr ist dann die beste Zeit für das Anlegen eines Gräsergartens. Dann kannst Du die Gräser schneiden, teilen oder umpflanzen und eine neue Gräser Idee nimmt Formen an. Und wenn Du möchtest, hole dir doch am besten hier einige Inspirationen: *Mit Gräsern gestalten: Traumhafte Beet Ideen mit Gräsern und Blütenstauden von Bernd Hertle *Gräser: Auswahl • Pflege • Gestaltung von Howard Rice und Fiona Hopes *Gräser im Garten: Gestaltungsideen, Pflanzenporträts und Pflege von Katharina Adams und Petra Pelz Viel Spaß beim Planen Deine Petra









