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  • MONDGARTEN - WIE DU EINEN WEISSEN GARTEN PLANST

    Ein Blogbeitrag von Petra Die Magie des weißen Gartens Als die Dichterin Vita Sackville-West ihren weißen Garten im britischen Sissinghurst Castle in den 1930iger Jahren für Besucher öffnete, waren Gärtner von der Idee eines rein weißen Blüten- Designs angetan. Kein Wunder! Weiß im Garten wirkt frisch und rein. Diese Frische und Reinheit ist mit anderen Farben schwer zu erreichen. Weiß ist nicht nur die Abwesenheit von Farbe, es ist eine scheinende und verstärkende Farbe, so wild wie Rot, so entschlossen wie Schwarz. G.K. Chesterton Weiß bei Stauden ist häufig. Wir können schwelgen. Zahlreiche Stauden, Einjährige, Gehölze und Zwiebelblumen in unterschiedlichen Formen, Größen und Blütezeiten gibt es in Weiß. In diesem Artikel möchte ich zeigen, wie du die "Farbe" Weiß im Garten richtig einsetzt. Obwohl das Kombinieren farblich einfach zu sein scheint, gibt es doch Einiges, was es zu wissen lohnt.  Hast du Lust? Dann tauchen wir gemeinsam in blütenweiße Pflanzideen! Folgende Fotos unten: Sissinghurst Castle mit dem berühmten weißen Garten... Was ist die Farbe "Weiß" eigentlich? Es ist nachweislich, das wir Farben unterschiedlich sehen. Jeder von uns! Aber es ist selten, Jemanden zu finden, der Weiß nicht sehen kann. Das liegt daran, dass Weiß wie Sonnenlicht, aus allen Farben des sichtbaren Spektrums besteht. Aber was ist die Farbe Weiß? Per Definition ist ein weißer Garten farblos. Daher muss er sich auf Form, Größe und Textur stützen, um eine Struktur zu bilden. Denk dabei an ein Schwarzweißfoto: Was macht es interessant? Der Reiz der Schwarzweißfotografie liegt in ihrer Fähigkeit, Details und Formen zu erfassen. Wie machen Fotografen das? Erstens, indem man Kontraste zwischen Dunkel und Hell ausspielt Zweitens durch Erstellen von Mustern und Wiederholungen Zuletzt durch ein Zusammenspiel von Vordergrund und Hintergrund, dass ein Gefühl von Rhythmus und Bewegung erzeugt Ist Weiß gleich Weiß? Die Fülle weiß blühender Stauden und Gehölze ist, wie schon bemerkt, riesig. Doch wenn du ganz genau hinsiehst, merkst du, dass es Unterschiede gibt. Die meisten weißen Blüten sind genau genommen nicht reinweiß; Sie haben subtile Schattierungen von Gelb, Rosa, Grün oder Blau. Das kann es unter Umständen schwierig werden lassen, die Weißtöne absolut harmonisch miteinander zu kombinieren. Du musst also genau beobachten. Du musst die Blüten nebeneinander halten, um die Unterschiede wirklich einzuschätzen. Dabei merkst du leicht, welche Kombinationen funktionieren und was gar nicht geht. Weiß wirkt und kann viel bewirken Denn es … wirkt edel und elegant besonders mit frischem Grün. kann generell in Kombination mit anderen Farben kühlend (abkühlen) wirken. es kann kräftige Farben dämpfen, ihnen die Wucht und manchmal Aufdringlichkeit nehmen. Denk an ein leuchtendes Gelb, Rot oder Orange ...lies auch den Blogartikel Warum gelbe Blüten die Gartenwelt spaltet. kann leider auch leicht zu einer grellen Unschärfe werden. Ich habe dabei das Bild von der Schleifenblume Iberis sempervirens vor Augen. Dieses leuchtende grelle Polster ist mir persönlich zu schrill.  kann Licht reflektieren; Spiele diese Wirkung mal bewusst aus, indem du weiß blühende Stauden in halbschattige oder schattige Gartenpartien setzt. Du bringst diese Orte förmlich zum Leuchten. Wie schaffe ich spannungsreiche Kontraste, wenn die Farbe einfach "nur" Weiß ist?  Vermeide Monotonie in der Kombination weißblühender Pflanzen. Setzte lieber Kontraste! Denn wenn Farbe fehlt, müssen die Kombinationen mit ihrer grafischen Wirkung punkten. Kombiniere Laub und Blütenformen miteinander. Stell dir beispielsweise vor, du würdest eine großblütige weiße Iris mit gekräuselten Blütenblättern und dazu weiße Pfingstrosen oder Trompetenlilien kombinieren. Das wären viele große Blütenformen, die sich förmlich gegenseitig optisch erschlagen. Kombiniere lieber die Iris mit der Dreiblattspiere Gillenia trifoliata , die mit ihren kleinen Blütenwölkchen die Irisblüte umschmeichelt. Blätter kommen in unzähligen Farben, Größen, Formen und Formen. Darüber hinaus variiert das Laub nicht nur in der Textur, sondern auch in der Oberfläche. Glänzende Blätter reflektieren Licht in bestimmten Winkeln, während matte Blätter Licht in verschiedene Richtungen reflektieren. Die Konzentration auf Blätter ist eine großartige Möglichkeit, einem weißen Garten Textur und Kontrast zu verleihen. Weiße Baptisia, Foto: Leonie Humenda Welche Gehölze sind der richtige Rahmen für deinen Mondgarten? Einfassungen schaffen ebenso Kontraste. Viele Menschen verwenden klassische Buchspflanzen (Buxus) für einen formellen Gartenstil. Aber es gibt noch andere großartige Kandidaten, wie Buchsblättrige Strauchveronika Hebe buxifolia oder die Japanische Stechpalme  Ilex crenata  Dark Green, Green Hedge. Passende Gehölze steigern ebenfalls die Idee eines weißen Gartens. Falls möglich, pflanze Bäume in die Nähe. Birken, insbesondere die Himalajabirke mit ihrer strahlend weißen Rinde ist toll. Aber auch das silberne und graue Laub einiger Gehölze verstärken die Wirkung einer weißen Pflanzung. Die silbergrün schmalblättrige Ölweide  Eleaganus angustifolia ' Quecksilber ' ist ein atemberaubender Baum für einen kleinen Garten. Um ein weißes Beet so richtig zum Strahlen und Leuchten zu bringen, brauchst du einen satten grünen höheren Hintergrund. Spare deshalb nicht an schönen Laubgehölzen oder immergrünen Hecken, wie Eiben oder Buchsbaum. Sie sind der Schlüssel zu einem gelungenen weißen Garten. Weiß blühende Pflanzen "knallen" förmlich vor einem dunklen Hintergrund. Dichte grüne Sträucher wie Buchsbaum, Stechpalme oder Eibe bieten auch eine großartige Kulisse. Ebenso können dunkel getönte Türen, schwarze Tore als starke Rahmen dienen. Weiße Zwiebelblumen für den Frühling Foto oben: Besonders strahlend im Frühling ist die Frühlings-Anemone - Anemone ' White Splendour' . Sie hat große, zarte und strahlenförmige Blüten, die im Februar und März den Boden mit einem weißen Teppich überziehen. Foto oben: Die Puschkinie Puschkinia scilloides var. libanotica  mit ihren traubenförmig angeordneten Blütenglöckchen wirkt zart wie Porzellan. Fühlt sie sich wohl, verwildert sie und erfreut mit zahlreichen Blüten im Februar bis März. Foto oben: In den Tulpensortimenten gibt es zahlreiche Sorten in Weiß. Sie haben  unterschiedliche Blütenformen und Blühzeiträume und ich mische sie einfach miteinander. So lässt sich der Blühzeitraum verlängern und die unterschiedlichen Höhen und Blütenformen bilden einen schönen Kontrast. Foto oben: Allium nigrum ist ein wunderschöner eleganter Zierlauch. Toll ist, wenn im Juni halbkuglige weiße Blütenköpfe auf kräftigen Stielen die Staudenbeete durchziehen und sich mit den ersten blühenden Frühlingsstauden zu einem Teppich verweben. Besonders schön finde ich Kombinationen mit Pfingstrosen. Für den weißen Garten sind sie gerade zu perfekt. Weiße Blüten für den Frühsommer und Sommer Foto oben: Weiße Sorten, des Purpursonnenhutes, wie  Echinacea purpurea ' Alba ' oder  Echinacea purpurea ' Virgin ' bringen Präriecharme ins Beet. Im Juni bis Juli blühen sie mit ihren markant auffälligen Blütenköpfchen. Darüber hinaus sind sie ein wahrer Insektenmagnet. Foto oben: Der Auftritt von Eremurus himalaicus , der Himalaya-Steppenkerze ist ganz großes Kino. Es ist besonders beeindruckend, wenn sich im Mai oder Juni die imposanten, bis 1.80m hohen Blütenkerzen aus ihrem trichterförmigen Blattwerk empor schieben.  Ich pflanze sie gern in Tuffs zu mehreren zusammen. Foto: Leonie Humenda Foto oben: Paeonia lactiflora 'Jan von Leeuwen' - Diese ungefüllte Sorte besticht durch ihre wilde Leichtigkeit und brilliert mit ihren weißen Blütenblättern in vielfältigen Staudenkompositionen. Ihre großen Schalenblüten thronen über dunkelgrünen Blättern. Foto unten:  Das Perlkörbchen Anaphalis triplinervis erinnert an eine Strohblume. Diese unkomplizierte und attraktive Pflanze wächst auf vollsonnigen Standorten. Auch ihr Laub ist silbrig, ja weißfilzig, so dass es ebenfalls die Idee des weißen Gartens unterstützt. Foto unten : Die Akeleiblättrige Wiesenraute, Thalictrum aquilegifolium ' Album ' ist eine "luftig leichte Blütenerscheinung". Kleine Wölkchen in 1m Höhe zeigen sich im Mai bis Juli. Ich pflanze diese schöne Staude gern in kleinen Gruppen in frische Böden und in sonnige und halbschattige Lagen. Was du sonst noch wissen musst, wenn du einen weißen Garten anlegen willst Wenn du den Kontrast zwischen Dunkel und Hell noch mehr ausspielen möchtest, ist buntes Laub ein Muss. Aus der Ferne können Blätter mit cremefarbenen oder weißen Markierungen das Aussehen weißer Blüten nachahmen. Das Besondere nämlich ist, dass sie noch lange nach dem Abblühen anderer Pflanzen "blühend wirken". Pflanzen mit panaschierten Blättern, wie, Cornus-, Brunnera- und Calamagrostis -Gräser oder Miscanthus sinensis ' Morning Light ' haben alle schön gemusterte Blätter. Silberlaubige Arten reflektieren das Licht und erleichtern den Übergang von einer Pflanze zur anderen. Ich platziere oft samtige Stachys byzantina ' Big Ears '  im Vordergrund, um eine weiche Kante zu erzeugen. Damit sich das Silberlaub noch mal wieder findet, kombiniere ich dazu die schöne Laubpflanze Artemisia arborescens ' Powis Castle '  in den mittleren Teil des Beetes. Hier bilden die silbernen, farnartigen Blätter einen edlen Kontrast zu anderen dunkelgrünen, breitblättrigen Stauden. Einen Nachteil von weißen Blüten muss ich an dieser Stelle auch nennen. Sie werden beim Verblühen schnell braun. So könnte dein blütenweißes Beet schnell passé sein. Putze deshalb die Pflanze aus. Schneide die braunen Blüten heraus. Wenn du möchtest, könntest du ja auch Einjährige pflanzen, um die entstehenden Lücken blühend zu schließen. Hierzu eignen sich Arten wie, Löwenmaul, Gaura, Spinnenblume, Ziertabak, Angelonia und tolle weiße Dahlien. Gehölze mit weißen Blüten Foto oben: Die Wildbirne Pyrus salicifolia ist ein langsam wachsender Zierbaum (4-7m), der einen malerischen Wuchs hat. Im April bis Mai entfalten sich weiße Blütendolden. Sie erscheinen zeitgleich mit dem silbrigweißen Laub. Foto oben : Die Kobushi-Magnolie  Magnolia kobus ist eine bis 10m hoch werdend e Magnolie und eines der schönsten formvollendeten Blütengehölze für den Garten. Blüten wie Porzellan entfalten sich von April bis Mai. Foto oben: Der Schneeflockenstrauch  Chionanthus virginicus hat zahlreiche Blüten, die im Mai und Juni, die wie tausend kleine Schneeflocken um die Äste wirbeln. Der Strauch wird bis 3.50m hoch und hat sogar noch eine gelbe Herbstfärbung. Foto oben: Sommer-Magnolie  Magnolia sieboldii ist ein wunderschöner Baum mit einer besonderen Blüten. Sie fasziniert mit zart weißen Blütenblättern und roten Staubgefäßen. Der sommergrüne 4 m hohe Großstrauch hat eine späte Blüte im Juni bis Ende Juli. Foto oben: Die Rispenhortensien Hydrangea paniculata sind sehr sortenreiche Gehölze mit opulenten Blütenrispen in Rose, Creme, Grünlich und Weiß. Sie fallen einfach auf und setzen so kräftige Akzente im Garten. Für die Idee des weißen Gartens sind sie besonders wichtig. Einjährige Sommerschönheiten in Weiß Foto oben: Die Spinnenblume  Cleome spinosa ' Helen Campbell '  ist mit 1.20m, ein Riese unter den Sommerblumen. Die besonderen Blüten gaben der eleganten Erscheinung ihren Namen. Für die Verwendung im Beet, platziert man sie eher im Hintergrund. Foto oben:  Der Islandmohn Papaver nudicaule  fasziniert mit einer weißen, krepppapierähnlichen Blütenpracht. Die Staubgefässe sind gelb. Ich setzte den Mohn einzeln zwischen andere Pflanzen oder in kleine Tuffs zu 3-5 Stück.  Foto unten: Mit 60cm Höhe und strahlend weißen Blüten ist das Schmuckkörbchen, insbesondere die Sorte Cosmos bipinnatus ' Sonata White ' ist eine Spitzensorte. Sehr standfest, mit bis zu 8cm großen Blüten. Wie du einen weißen Garten planst Verschiedene Gräser, Blumenzwiebeln und Stauden sind in "Weiß" kombiniert. Da bei einer weißen Pflanzenauswahl die Farben keine Rolle mehr spielen, sind andere Aspekte einer Pflanze hier wirksam. Es sind eher schöne Formen und besondere Texturen von Blüten und Blättern, die wirken. Die Gestaltung eines weißen Gartens erfordert so ein ganz besonderes Auge für die Merkmale der Pflanzen. Ich habe einige weiße Pflanzen für dich mit Hilfe der Pflanzenreich-App zusammengestellt. In der Garten-App findest du schöne und garantiert passenden Pflanzen für deinen Garten oder den Blumentopf. Wähle Arten aus einer Fülle von fast 4.000 Pflanzen (botanische und deutsche Namen inklusive). Vielleicht ist ja auch etwas für deinen Garten dabei. Lust auf den "variabelsten Garten der Welt mit schönen weißen Pflanzen"? Mehr Informationen zu den vielen Stauden, Rosen, Gräsern und Blumenzwiebeln findest du hier . Hier einige Inspirationen: Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Frisches Grün von Bärenfellgras und weißen Frühblühern, wirkt einfach frisch und rein. Christrosen, Tulpen, Hyazinthen, Bergenien, Akeleien und Krokusse blühen gemeinsam mit den ersten austreibenden Stauden. Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Weißrandige Stauden und Gräser unterstützen die Idee eines weißen Gartens. Hier wirken zu dem schönen Laub, Stauden und Zwiebelblumen mit mal kleinen und mal großen Blüten. Und mal sind es Schalen, dann wieder Dolden die sich abwechseln. Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Graugrüne Gräser, wie die Rutenhirse Panicum bringen einen gedämpften edlen Ton ins Beet. Weiße Stauden, wie Pfingstrosen, Phlox, Wiesenraute, Fingerhut und Glockenblumen hellen auf und schaffen einen Kontrast. Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Die silbrigen Weinraute passen hervorragend zu Weiß. Kugelblüten, Korbblüten... besser Grobes und Feines wirken hier. Die weiße Prachtkerze Gaura lindheimeri bringt filigrane Leichtigkeit ins Blumenbeet. Wie kleine Schmetterlinge umschwirren die zarten Blüten größere Schalen und Kugeln. Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Gerade im Halbschatten und Schatten kann man weiße Blüten gut gebrauchen. Hellen sie doch wie kleine Lichtpunkte dunkle Stellen auf. Was immer wirkt, ist helles Laub. So sind panaschierte Arten wertvoll. Astern,  Anemonen bringen mit ihren Blüten noch weitere schöne und sich immer ändernde Aspekte dazu. Collage: Pflanzenreich App Foto oben: Hier wirkt üppiges Grün! Verschiedene Blattformen und Grüntöne von Stauden, wie Hosta, Gräser, wie das Japanwaldgras Hakonechloa macra und die verschiedenen Farne genügen sich selbst schon fast. Dezent mischen sich die leuchtend weißen Blüten von Sterndolden Astrantia, Elfenblumen Epimedium dazu.  Ich wünsche ich dir eine blütenweiße Zeit im Garten! bleib natürlich und bis bald Petra

  • SICHTSCHUTZ PFLANZEN MIT STAUDEN UND GRÄSERN

    Ein Blogbeitrag von Petra Wenn im Frühjahr die Stauden ihr erstes frisches Grün aus der Erde strecken ahnt man noch nicht, dass unter ihnen wahre Wachstumskünstler stecken. Aber schon in wenigen Wochen schieben die „Giganten in spe“ ihre Blattmassen in einem manchmal atemberaubenden Tempo aus dem Boden und schaffen hohe Bestände zarten Grüns. Doch was macht große Stauden und Gräser so interessant und wertvoll für den Garten? Es ist der blühende Rahmen , der so großartig ist. Stauden und auch Gräser als Sichtschutz , das ist eben nicht so langweilig. Gerade wenn man wenig Platz hat. Vor Kurzem hat mich das Thema Sichtschutz im Garten sehr beschäftigt; ein Kunde meldete sich nach längerer Zeit und erzählte mir stolz von seinem Garten. Alles was wir gemeinsam gepflanzt haben ist super gewachsen. Er fühlt sich super wohl in seiner neuen Oase. Und dann plötzlich das … Im letzten Jahr wurden die Nachbargrundstücke bebaut und das gleich von zwei Seiten. Die Häuser stehen recht eng. Nun fühlen sie sich beobachtet im eigenen Garten. So habe ich mir mal Gedanken gemacht, womit man Sichtschutz schaffen kann und zwar super üppig blühend. Foto: Sylvia Knittel 6 Gründe warum ihr hohe Stauden im Garten verwenden solltet So lässt sich Sichtschutz schaffen Entlang der Grundstücksgrenze werden beispielsweise größere Gruppen höherer Stauden, wie die Staudensonnenblume  Helianthus microcephalus, die Weidenblättrige Sonnenblume  Helianthus orygalis, die Kleinblumige Sonnenblume  Helianthus microcephalus, die  Sterwolkenaster  Boltonia asteroides, die Scheinaster  Vernonia crinita, der Kandelaberehrenpreis  Veronicastrum virginicum  oder Pringleis Aster  Aster pringlei 'Pink Beauty'  verwendet. Sie bilden imposante Blütenbüsche. So schaffst du einen Rahmen im Garten, der vor fremden Blicken schützt. Mit hohen Stauden und Gräser Spannung aufbauen Sei mutig und verstelle ruhig mal den Blick auf den dahinter liegenden Gartenteil. Das bringt Spannung und schafft besondere Erlebnisse beim Durchwandern des Gartens. Man muss sich den Garten erobern und sieht nicht alles auf einmal! Das ist wie ein Krimi...  es macht neugierig auf das Ende. Hohe Stauden modellieren den Garten Modelliere und strukturiere deinen Garten. Hohen Pflanzen sind dynamisch und verwandeln ihn in Kürze. Denn sie haben sie einen beeindruckenden Zuwachs. Erst ist alles gleich hoch... in kurzer Zeit darauf wirkt der Garten durch die unterschiedliche Höhen der Pflanzen wie modelliert. Hohe Stauden sind pflegeleicht Zwar brauchen Großstauden einige Zeit, um zu voller Größe und Schönheit zu gelangen. Dann jedoch schaffen größere, üppige Bestände einen pflegeleichten und imposanten Hintergrund oder Sichtschutz. Blühende Stauden - neue Arten und Sorten Vom Wachstum und der Dynamik so mancher Großstaude berauscht, nehmen immer mehr Gärtnereien die krautigen Giganten in ihr Sortiment auf. So wandeln sich die Sortimente und es gibt entsprechend Neues zu entdecken. Seit einigen Jahren gehören die Johanniswolke  Acongonon speciosa,  Giraffenskabiose  Cephalaria gigantea  oder der Scheinhanf  Datisca cannabina  dazu. Foto: Ferdinand von Luckner Sie haben Wildcharme Ob Sonnenblumen   oder Kandelaber-Ehrenpreis - sie sind schön, standfest, robust und haben meist eine lange Blühdauer. Oft ist ihr Herkunftsgebiet die amerikanische Hochgrasprärie. Letztere treiben zwar spät aus, erhalten jedoch lange ihr schönes Laub. So gelingt ein üppig blühender Sichtschutz mit hohen Stauden und Gräsern Die Flächengröße bestimmt die Pflanzenauswahl. Je nach Größe des Gartens und der zu Verfügung stehenden Fläche werden die Arten ausgewählt. So können in größeren Gärten höhere Arten verwendet werden. Zu hohe Arten in einem kleinen Garten können erdrückend wirken. Robuste, langlebige Stauden und Gräser - wichtige Eigenschaften  Wähle Pflanzen, die; vorwiegend robust und langlebig sind eine lange Blütezeit haben ein ähnliches Konkurrenzverhalten zueinander haben, (d. h. sich ähnlichen ausbreiten, sich erneuern können) eine attraktive und gesunde Belaubung bis zum Vegetationsende haben Foto: Sylvia Knittel Gartengestaltung mit hohen Stauden - so strukturierst du mit Höhen Verwende hohe Stauden nicht nur für den Hintergrund, sondern platziere einzelne Gruppen oder einzelne Pflanzen im Vordergrund. So strukturierst Du die Fläche. Reizvoll ist es, wenn sich diese hohe Pflanzengruppen im Beet wiederholen. Das hält eine Pflanzung optisch zusammen. Es wirkt als Leitmotiv, dass Rhythmus ins Beet bringt. Gartengestaltung mit schönen Kontrasten Verwende dominante Pflanzen mit unterschiedlichem Laub. Einen wirkungsvollen Kontrast zu üppig großblättrigen Strukturpflanzen, wie beispielsweise Ochsenauge Telekia speciosa , bilden Gräser. Die Anmut von Gräsern offenbart sich durch das fein strukturierte Laub und den meist interessanten Blütenständen.  Liste hoher Stauden und Gräser Aconogonon speciosa - Johanniswolke Wertvolle Solitär oder Gruppenstaude mit extrem langer Blütezeit ab Mai/Juni, horstiger Wuchs, cremeweiße Blüten, Höhe bis 3,00m, sonniger Standort Aralia californica - Staudenaralie Dekorative Solitärstaude mit gefiederten Blättern für den Halbschatten, grünliche Doldenrispen im Juli/August, später giftige Früchte, nicht wuchernd, Höhe 2,50m, humose Böden, Halbschatten Boltonia asteroides - Sternwolkenaster Sie ist eng mit den Astern verwandt, die in Nordamerika beheimatet sind. Die Sternwolkenaster ist locker verzweigt und hat schöne große Blütenstände, die im Herbst weiß blühen. Sie wird bis 1.40m hoch und bevorzugt humosen Boden. Schön, wenn sie mit anderen herbstblühenden Stauden und Gräsern kombiniert wird. Calamagrostis acutiflora 'Karl Foerster' - Reitgras Straff aufrecht, stehen die Halme der Blütenrispen des Ziergrases. Sein früher Austrieb sowie die frühe Blüte im Juni, machen das Gras sehr wertvoll. Kerzengeraden in einem Honigton bleiben die standfesten Halbe den ganzen Winter hindurch erhalten. Cephalaria gigantea - Giraffenskabiose stattliche, sparrig- verzweigte Solitärstaude für größere Gruppen, lockere, schwefelgelbe Skabiosenblüten ab Juli, versamt sich, Höhe 2.00m, sonniger Standort Coreopsis tripteris - Mädchenauge Anspruchslose, Ausläufer bildende Staude mit straff aufrechtem Wuchs, gut standfest, hellgelbe Korbblüte im Juli, Höhe 1,80m, sonniger Standort Datisca cannabina - Scheinhanf Horstig wachsende, hanfähnliche Staude mit straff aufrechtem Wuchs und gefiederten Blättern, Grüne elegante Blütentrauben im Juni/August, horstiger Wuchs, Selbstaussaat, Höhe bis 4,00m, vollsonniger Standort Eupatorium maculatum - Wasserdost Eindrucksvolle, mächtige Staude für frische Böden, Verwendung als Hintergrund von Rabatten oder am Teich, doldenartige Blüten von weiß über rosa bis dunkelrot, je nach Sorte, horstiger Wuchs, Höhe bis 2,00m, Standort Sonne bis Halbschatten Helenium Hybriden - Sonnenbraut Buschige Kultursorten mit radförmigen Blüten in warmen Gelb-, Rot- und Kupfertönen mit Blüte im Juli, Verwendung flächig oder als Hintergrund, horstiger Wuchs, Höhe von 0,80m – 1.30m, sonniger Standort Helianthus microcephalus - Staudensonnenblume Langlebige Staude, lockerbuschige, sehr reich blühende Art mit sternförmigen, relativ kleinen gelben oder zitronengelben Blüten im August, Staude für den Hintergrund oder für Einzelstellung, horstig wachsend, Höhe 1,70m, sonniger Standort Heliopsis helianthoides - Sonnenauge Sonnen liebende Großstaude mit vielen wertvollen Sorten. Blüht im Juli bis September und wird je nach Sorte 1.00m bis 1.40m hoch Foto: Sylvia Knittel Lythrum virgatum - Blutweiderich Buschige Wildstaude mit den kräftig rosafarbenen  Blütenkerzen. Sie ist zwar mit 1.,00m bis 1.20m keine richtige Großstaude, dennoch schafft sie schon einen kleinen Sichtschutz. Sie blüht ab Juni und benötigt einen feuchten Standort. Es gibt wertvolle Sorten Miscanthus sinensis 'Malepartus'- Chinaschilf Grosses imposantes Gras und vorzügliche Sorte mit im Herbst flammend rotbrauner Blüte, horstiger Wuchs, Höhe bis 2,00m, sonniger Standort Telekia speciosa – Telekie oder Ochsenauge Wirkungsvolle, üppige Wildstaude mit feinen gelben Strahlenblüten im Juni, großen Blätter, starke Selbstaussaat, schöne Solitärstaude für halbschattige Pflanzenpartien, Höhe bis 1,80m, anspruchslos - bevorzugt frische, nährstoffreiche Böden Thalictrum rochebrunianum - Wiesenraute Elegant, lockerstrauchige Wildstaude, standfest, schön zwischen Gräsern, zarte gefüllte lilafarbene Blütenrispe im Juli, horstiger Wuchs, Höhe bis 2,00m, halbschattiger Standort auf frischen Böden Vernonia crinita 'Mammuth' - Purpurdost Eindrucksvolle Solitärstaude für sonnige, nährstoffreiche, frische Böden, wertvoller Spätblüher mit großblütiger, rotvioletter Doldenblüte ab August, standfest, horstiger Wuchs, Höhe bis 2,00m, sonniger Standort Veronicastrum virginicum - Kandelaberehrenpreis Mit  Veronica  eng verwandte Art mit besonders langen, kerzenförmigen Blütentrauben an langen Stielen und schönes quirlig angeordnetes Laub, Blüte im Juli in weißen, hellblauen bis violettblauen Farbtönen, horstiger Wuchs, Höhe bis 1,80m, sonniger Standort auf frischen bis nassen, nährstoffreichen Böden Lust auf Sichtschutz pflanzen? Verschiedene Gräser wurden hier mit Stauden zusammengestellt. Kombinationen die gut passen und einen schnellen Sichtschutz im Garten bieten. Vielleicht möchtest du ja auch ein Staudenbeet mit Gräsern planen - eines, dass einen blühenden Sichtschutz schafft. Unser Tipp: Probier doch einfach mal kostenlos unsere Pflanzenreich-App. In der Garten App gibt es schöne und garantiert passenden Pflanzen. Wähle Arten aus einer Fülle von über 6.500 Pflanzen (botanische und deutsche Namen inklusive). Vielleicht ist ja auch etwas für deinen Garten dabei. Lust auf den "variabelsten Garten der Welt mit schönen Sichtschutzpflanzen"? Hier findest du einige Kombinationen für einen blühenden Sichtschutz - Ideen zum Nachpflanzen Sichtschutz mir dem schlank aufrecht wachsenden Reitgras Calamagrostis, Tanacetum corymbosum in Weiß, dem Kandelaberehrenpreis Veronicastrum virginicum und Verbena hastata, die besonders gut zu dem Reitgras passt. Collage: Pflanzenreich App Hier dominieren Gelb und Weiß. Hohe Sonnenhüte Rudbeckia nitida, hoher weiß blühender Wasserdost Eupatorium 'Album', Schleieraster Boltonia asteroides und hohe Staudensonnenblumen Heliopsis helianthoides wachsen um die Wette. Collage: Pflanzenreich App Eine Kombination für frischere Böden mit dem Chinaschilf Miscanthus sinensis 'Cabaret', der Arkansasaster Vernonia crinita, der Lanzenverbene Verbena hastata und der hohen Malve wirkt durch den Violett - Gelb Kontrast. Collage: Pflanzenreich App Verbesina alternifolia, der Gelbe Kronbart liebt sonnige Plätze mit nährstoffreichen, lehmig-humosen, frischen Böden. Hier blüht er mit dem Reitgras Calamagrostis, Heliopsis dem Sommenauge und dem Kandelaberehrenpreis Veronicastrum. Collage: Pflanzenreich App Staudengärtnereien sind kompetent und helfen weiter Solltest Du Fragen zu verschiedenen Pflanzen haben, dann findest Du hier die Gärtner vom Bund deutscher Staudengärtner . Sicher ist auch in deiner Nähe eine kompetenter Ansprechpartner, der dir helfen kann. Zu diesem Thema kann dir vielleicht auch mein Buch Faszination Weite: Die modernen Gärten der Petra Pelz*  helfen. Hier findest du Kombinationen mit höheren Stauden und Gräsern.  Tauche doch mal ein und bleib natürlich! deine Petra Pelz Hinweis: Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn Du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von Ihrem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

  • BESONDERE UND NOCH SELTENE KLETTERPFLANZEN FÜR DEN GARTEN

    Ein Gastbeitrag von Severin Krieger Severin Krieger ist Landschaftsarchitekt und Pflanzplaner bei Krebs und Herde Landschaftsarchitekten in Winterthur . Er ist mitbeteiligt an der Pflanzplanung der Einhausung Schwamendingen . Dieses umweltwirksame und quartiersverbindende Bauwerk wertet den Zürcher Stadtkreis Schwamendingen durch Lärm- und Schadstoffreduktionen auf. Über der Einhausung entsteht ein Hochpark mit Spiel- und Aufenthaltsbereichen, Schattenbäumen, Strauchpflanzungen, extensiven und intensiven Staudenfluren, Sukzessionsfluren und Kräutertrockenrasen. Die Wände des Baukörpers werden auf einer Länge von insgesamt einem Kilometer mit Vertikalbegrünung partiell eingekleidet. Abbildungen oben:  © Bundesamt für Straßen ASTRA - Visualisierung: Raumgleiter/Krebs und Herde Der Mauergarten entsteht aus einem Geflecht von herab hängenden und an Rankseilen empor kletternden Pflanzen. Aus diesem Grund hat sich Severin mit besonderen Kletterpflanzen befasst und schwärmt von den wenig bekannten Pflanzen. Er findet, wir sollten häufiger seltene Kletterpflanzen für den Garten für unsere Gestaltungen nutzen. Hier stellt er uns einige seiner favorisierten Kletterkünstler vor... Foto oben: intensiv duftende Blüten der immergrünen Waldrebe  Clematis armandii ‘Snowdrift‘ Frühlings-Duftwolken Bereits im März öffnet die immergrüne Waldrebe Clematis armandii ‘Snowdrift‘ ihre weißen Sternblüten. Viel auffälliger als die Optik ist der unglaublich intensive Duft. Bei der Beschreibung dieses Sinneserlebnisses stößt das Wort an seine Grenzen. Und ich finde; Diesen Duft muss man selbst erleben. Ein frischer Boden im Schutz einer Mauer mit Rankhilfe ist der ideale Standort für diese Duft-Waldrebe. Im Spätfrühling blüht das heimische Wald-Geissblatt Lonicera periclymenum. Die zahlreichen gelben bis leicht purpurnen Blüten duften vor allem abends und nachts sehr intensiv und sind bei Insekten äußerst beliebt. Das Wald-Geissblatt hat in Europa ein großes Verbreitungsgebiet. Foto links: Peter Steiger Etwas später... ein Duft im Frühsommer... ist der fernöstliche, schlingende Sternjasmin Trachelospermum jasminoides  übersät mit unzähligen Blüten, die nach Vanille duften. Die Verwandtschaft mit Oleander und Immergrün ist an der Blütenform deutlich ablesbar. Auch der Sternjasmin eignet sich vor allem für geschützte Standorte an Mauern oder Zäunen ohne Wintertrocknis. Am Gleisbogen Zürich (Winterhärtezone 7b: bis ca. -15°C) gedeiht der Sternjasmin sehr exponiert an einem Zaun. Die Sorten ‘Winter Ruby‘ und ‘Wilsonii‘ fallen zudem auf durch ihre korallenrote Herbstfärbung. Foto oben: Der asiatische Sternjasmin; Foto: Peter Steiger Blattschmuck bei Kletterpflanzen Schon im Frühling fallen die ungewöhnlichen, leicht künstlich wirkenden Blätter des Kolomikta-Strahlengriffels Actinidia kolomikta  ins Auge. Er ist ein Bruder der Kiwi und wurde eingekreuzt mit anderen Arten, um winterharte Mini-Kiwis zu züchten. Vor allem bei männlichen Pflanzen erscheinen zahlreiche Blätter mit zu Beginn weißer und später rosa Verfärbung. Der Kolomikta-Strahlengriffel bevorzugt einen vollsonnigen Standort. Dieses Bild stammt vom heiligen Berg Emei-Shan im Südwesten Szechuans, der auf einer Fläche der halben Stadt München über 3‘000 Blütenpflanzenarten aufweist. Foto links: Actinidia kolomikta am Naturstandort mit Akebia quinata und Acer laxiflorum. Foto: Peter Steiger Foto rechts: Die Blätter des Kolomikta-Strahlengriffels sind um ein Vielfaches auffälliger, als die Blüten,  Foto: Peter Steiger Ranker als Medizin Weniger auffällig, zumindest farblich, sind die unpaarig gefiederten Blätter des Krauts der Unsterblichkeit  Gynostemma pentaphyllum. Dieses Kürbisgewächs klettert bei entsprechender Kletterhilfe oder bildet hängende Triebe. In China und Thailand wird es als Tee und Salat konsumiert. Die Rankpflanze wird in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet und soll wie Ginseng stärkend wirken. In der chinesischen Provinz Guizhou, wo das Kraut häufig als Tee getrunken wird, liegt der Anteil der über 100-Jährigen in der Gesellschaft weit über dem Durchschnitt. Die medizinische Wirkung ist aber noch wenig erforscht. Das Kraut der Unsterblichkeit wächst staudig mit Wurzelknollen, ist in Mitteleuropa nur in wärmeren Regionen winterhart und kann auch hervorragend als Zimmerpflanze verwendet werden. Foto links: Spannendes Schattenspiel mit feinen Blättern von Gynostemma pentaphyllum Seltsame Verwandlungskünstler Die südamerikanische Schlingpflanze Boquila trifoliolata (familiär verwandt mit dem bekannten Schokoladenwein Akebia quinata) ist nicht winterhart, besitzt aber eine ausgesprochen faszinierende Fähigkeit. Sie entwickelte eine ganz verblüffende Nachahmungs-Strategie, welche erst im Jahr 2013 entdeckt wurde: Das Fingerfruchtgewächs ist in der Lage, die Blätter von bis zu drei Bäumen, an denen sie sich empor windet, zu imitieren um sich vor Fressfeinden zu schützen! Die bis jetzt schlüssigste Erklärung für dieses Phänomen ist eine rudimentäre Art des Sehens über konvexe Epidermiszellen, die wie Linsen funktionieren. Foto oben: die 'Original'-Blattform der Nachahmungskünstlerin Boquila trifoliolata Eine filigrane Erscheinung Wie die beschriebene Verwandlungskünstlerin Boquila trifoliolata trägt auch die Sturmhutblättrige Scheinrebe Ampelopsis aconitifolia  sehr filigrane, zierliche Blätter. Sie sind tief gelappt und bilden eine schmuckhafte Textur. Kontrastreich sind Kombinationen mit grossblättrigen Pflanzen wie etwa der Rostroten Rebe Vitis coignetiae, siehe Bild. Scheinreben bevorzugen einen nährstoffreichen, sonnigen bis halbschattigen Standort, sind ansonsten aber sehr anspruchslos. Wie die Reben benötigen auch sie eine Rankhilfe. Bei vertikalen Drahtseilen empfiehlt sich eine Abrutschsicherung, beispielsweise in Form von Klemmringen. Anders als der Wilde Wein Parthenocissus spp.  bilden die Scheinreben keine Haftscheiben an den Ranken. Foto oben: Blattgrößen- Kontrast bei Rostroter Rebe und Sturmhutblättriger Scheinrebe Foto oben: Formenreiches Geflecht aus Waldrebe, Scheinrebe, Rostroter Rebe, Wildem Wein, Schokoladenwein, Chinesischem Spaltkölbchen und Kletterrose; Projekt: Gare de Lancy-Pont Rouge, Genève; Planung: raderschallpartner ag Besondere Blattfarben Eine absolut erwähnenswerte Kandidatin auf der Gestaltungspalette der besonderen Blattfarben ist die Rotblättrige Weinrebe Vitis vinifera ‘Purpurea'. Der Austrieb dieser Sorte ist weißlich-grün, die Blätter färben sich kurz darauf weinrot bis pflaumenfarben. Die Blaugrüne Waldrebe Clematis glauca, syn. C. orientalis var. daurica  fällt bereits beim Blattaustrieb im Frühjahr auf durch ihre ornamentalen, blau-grau-grünen, gefiederten Blätter. In der Natur wächst sie vor allem in Gebüschen auf Hanglagen Nordostasiens. Die Blüten ähneln denen der Orientalischen Waldrebe Clematis orientalis, zeichnen sich aber durch einen etwas kühleren Gelbton aus. Diese Waldrebe eignet sich sehr gut zur Zaunbegrünung und ist äußerst trockenheitsverträglich. Foto unten: Blaugraue Belaubung der Clematis glauca Foto oben: Die kühlgelben Blüten von Clematis tibetana sind ein starker Hummelmagnet; Foto: Jeannine Rossi Durstkünstler im Sommer Die laut Klimawandel-Prognosen zunehmenden sommerlichen Hitze-Trockenheitsperioden sind ein großes Thema. Gerade an exponierten Standorten in erhitzten Städten machen Begrünungen mit Trocken-Hitze-Stressstrategen absolut Sinn. In der Folge werden einige sehr geeignete Kandidatinnen vorgestellt, beispielsweise für die Zaunbegrünung am sonnig-heißen Gleisfeld, am Straßenrand oder als Fassadenbegrünung. Die bereits erwähnte Orientalische Waldrebe funktioniert an diesem Standort hervorragend, ebenso wie die Tibet-Waldrebe Clematis tibetana  und weitere Arten und Sorten der Tangutica-Gruppe. Aus dem Mittelmeer-Raum ertragen die Italienische Waldrebe Clematis viticella  und die Mandel-Waldrebe  Clematis flammula ebenso wie die Griechische Baumschlinge Periploca graeca  einen solchen Stress-Standort mit am besten. Aus dem asiatischen Raum sind der Japanische Kokkelstrauch Cocculus orbiculatus, der Schokoladenwein Akebia quinata , die Amur-Rebe Vitis amurensis, die Ussuri-Scheinrebe Ampelopsis glandulosa und die bereits beschriebene Blaugrüne Waldrebe Clematis glauca  zu nennen. Foto links: Griechische Baumschlinge und Schokoladenwein am Extremstandort Gleisfeld Bahnhof Oerlikon; Planung: Axel Heinrich, ZHAW Foto rechts: Nahaufnahme der relativ unscheinbaren Baumschlingen-Blüte; Foto: Lucarelli Foto links: goldgelbe Blüten der Orientalischen Waldrebe Clematis orientalis  Foto: Jeannine Rossi Foto rechts: Blüten und die typischen Samenstände von Clematis orientalis ; Foto: Jeannine Rossi Foto oben: Sternblüten mit Mandel-Duft und kleine, ledrige Blätter der Mandel-Waldrebe Clematis flammula, oft anzutreffen in der Macchia Foto links: Die Mandel-Waldrebe  Clematis flammula am Naturstandort in Traghino, Korsika Foto rechts: Der Japanische Kokkelstrauch Cocculus orbiculatus  mit giftgrünen Blättern, unscheinbaren Blüten und perfekt getarnter Spinne! Besondere Früchte für Auge und Gaumen Etwas weniger filigran als die bereits beschriebene Sturmhutblättrige Scheinrebe, aber nicht minder schmuckhaft, erscheint die Belaubung der Ussuri-Scheinrebe Ampelopsis glandulosa var. heterophylla ; syn. A. brevipedunculata var. heterophylla, A. brevipedunculata var. maximowiczii. Die Blattformen können in der Lappentiefe selbst an einer Pflanze stark variieren und erinnern ein wenig an die Blätter des Papiermaulbeerbaums Broussonetia papyrifera. Die Früchte dieser Scheinrebe sind eine echte Augenweide. Im Herbst erscheinen zahlreiche porzellanblaue Beeren, vor allem an sonnigen Standorten. Foto links: Helles, tief gelapptes Laub der Ussuri-Scheinrebe vor der dunklen Belaubung der Blauen Passionsblume Passiflora caerulea Foto rechts: in unterschiedlichen Blautönen erscheinen die Beeren der Ussuri-Scheinrebe Ampelopsis glandulosa ; Foto: Mark Krieger Gesunde Beeren Wie die Scheinrebe ist auch das Chinesische Spaltkölbchen Schisandra chinensis  vor allem für seine Frucht bekannt. An einem idealerweise sonnigen, warmen und nicht zu trockenen Standort erscheinen an den weiblichen Pflanzen ab Ende Juli zahlreiche scharlachrote Beeren mit einem eigenartigen Geschmack. Diese werden in Ostasien seit Jahrhunderten als Heil- und Stärkungsmittel genutzt. In Europa und Amerika wird die Pflanze in Plantagen angebaut, um den reichhaltigen Fruchtsaft für Liköre und alkoholfreie Getränke zu gewinnen. Zahlreiche Mineralstoffe, Vitamine, Zucker und Aminosäuren sind in den Früchten enthalten. Die Schlingpflanze ist zweihäusig, es gibt aber sehr zuverlässig fruchtende einhäusige Sorten wie etwa ‘ Eastern Prince‘. Nicht nur die Blüten sondern auch alle anderen Pflanzenteile duften aromatisch. Noch größere und viel dunklere Blüten als das Chinesische Spaltkölbchen bildet das Rotblühende Spaltkölbchen Schisandra grandiflora var. rubriflora . Foto oben: Blüten des Rotblühenden Spaltkölbchens Schisandra grandiflora var. rubriflora   am Wildstandort auf 3‘400 m nahe Zhongdian (Shangri-La) in Yunnan; Foto: Peter Steiger Herbstliche Laubverfärbungen Zweifelsohne bildet die Amur-Rebe Vitis amurensis  neben dem Wilden Wein eine der spektakulärsten Herbstfärbungen unter den Kletterpflanzen. In Nordost-Asien, dem natürlichen Verbreitungsgebiet dieser Reben-Art, werden die leicht säuerlichen Früchte bei der Weinherstellung beigemischt. Die Amur-Rebe wird zudem aufgrund ihrer guten Winterhärte und Pilzresistenz oft als Kreuzungspartner für Reben-Unterlagen verwendet. Sie gedeiht am besten an einem sonnigen, warmen Standort. Foto links: frischgrünes, gelapptes Laub von Vitis amurensis ; Foto: Peter Steiger Foto rechts: karmin- bis purpurrotes Herbstlaub der Amur-Rebe Vitis amurensis ; Foto: Evelyn Trachsel Geissmann, ZHAW Kletterpflanzen in Gehölzen Wer Kletterpflanzen gerne naturnäher und wilder einsetzen möchte, kann diese in Bäume und Sträucher wachsen lassen. Bei Reben, Wildem Wein, Rambler-Rosen und vielen Weiteren kann dies zu spannenden und kraftvollen Kombinationen führen. Bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts bediente man sich in der Gartenkunst dieses naturalistischen Gestaltungsmittels. Aufpassen sollte man bei kräftigen Schlingern wie der Glyzine und dem Baumwürger Celastrus orbiculatus, die einem Kleinbaum den Saftstrom abschnüren können… Foto links: leuchtend roter Wilder Wein an Feldahorn im Schlosspark Graz; Foto: Peter Steiger Foto rechts:  spektakulärer Komplementär-Kontrast von Japanischem Kokkelstrauch Cocculus orbiculatus, und Rotem Perückenstrauch Kletterpflanzen und spalierartig wachsende Kleinbäume an Fassaden Ein weiteres pflanzensystemares Gestaltungsthema ist das Kombinieren von Kletterpflanzen mit spalierartig wachsenden und geschnittenen Kleinbäumen an Fassaden. Im Botanischen Garten St. Gallen wachsen in einem geschützten Innenhof sehr schöne Pflanzungen mit Korkeiche Quercus suber, Steineiche Quercus ilex, Kakipflaume Diosypros kaki  und Judasbaum Cercis siliquastrum. Diese sind durchwachsen von Kokkelstrauch Cocculus orbiculatus, Sinofranchetie Sinofranchetia chinensis, Chinesischem Mondsamen Sinomenium acutum , Griechischer Baumschlinge Periploca graeca  und Ussuri-Scheinrebe Ampelopsis glandulosa var. heterophylla. Foto links: Korkeiche und Steineiche spalierartig eingesetzt und kombiniert mit Kletterpflanzen Foto rechts: Kakipflaume und Judasbaum im Botanischen Garten St. Gallen Winter-Grün Zur Vermeidung eines kahlen Winterbildes können immer- oder zumindest wintergrüne Kletterpflanzen gepflanzt werden. Neben den bereits anfangs beschriebenen Kletterpflanzen Duft-Waldrebe und Sternjasmin finden wir gerade in der Familie der Fingerfruchtgewächse Lardizabalaceae  einige dieser Immergrünen mit vorwiegend ledrigen, gefingerten Blättern. Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass viele dieser immergrünen Kletterpflanzen einen kleinklimatisch geschützten Standort oder einen Wintergarten brauchen und bei allzu tiefen Temperaturen im Freiland Winterschutz benötigen. Die Japanische Stauntonie Stauntonia hexaphylla  bildet essbare und saftig-süße Früchte, welche aber meist nur nach sehr warmen Sommern in großer Zahl erscheinen. Weniger kulinarisch, dafür medizinisch von Bedeutung ist die die einhäusige Holboellia coriacea. In China werden die Wurzeln und Zweige medizinisch genutzt. Die Blüten verströmen einen starken Duft. Foto links: exotisch anmutende, weibliche Blüten und immergrünes Laub von Holboellia coriacea; Foto: Peter Steiger Foto rechts: ledriges Blattwerk und Glocken-Blüten von Japanischer Stauntonie Stauntonia hexaphylla , Foto Quelle: Makoto hasuma Da einige Pflanzen in rauen Gegenden Deutschlands nicht winterhart sind, möchte ich an dieser Stelle nochmal die Winterhärtezonen der einzelnen Kletterpflanzen nennen:  Winterhärtezonen der Kletterpflanzen Clematis armandii 'Snowdrift': 7b Lonicera periclymenum: 5b Trachelospermum jasminoides: 7b-8a Actinidia kolomikta: 5b Gynostemma pentaphyllum: 8a Akebia quinata: 6b Ampelopsis aconitifolia: 6b Vitis coignetiae: 6a Vitis vinifera 'Purpurea': 7a Clematis glauca: 6b Clematis orientalis: 6a Clematis viticella: 6b Clematis flammula: 7b Periploca graeca: 6a Cocculus orbiculatus: 7a Vitis amurensis: 5a Ampelopsis glandulosa: 5b Ampelopsis glandulosa var. heterophylla: 5b Passiflora caerulea: 7b Schisandra chinensis: 6b Schisandra grandiflora var. rubriflora: 7a Celastrus orbiculatus: 5a Sinofranchetia chinensis: 7b Sinomenium acutum: 7b Stauntonia hexaphylla: 8a Holboellia coriacea: 8a Zonen - Tem peratur in °C Bemerku ng Z1 unter -45,5 Z2 -45,5 bis -40,1 Z3 -40,1 bis -34,5 Z4 -34,5 bis -28,9 Z5 -28,8 bis -23,4 Z6 -23,4 bis -17,8 v. a. wintergrüne Pflanzen bei Kahlfrost schützen Z7 -17,8 bis -12,3 v. a. wintergrüne Pflanzen bei Kahlfrost schützen Z8 -12,3 bis -6,7 Winterschutz notwendig, z. B. aus Laub und/oder Reisig; in rauen Lagen möglichst drinnen hell und kühl überwintern Z9 -6,7 bis -1,2 intensiver Winterschutz (z.B. mit Vlies); besser drinnen hell und kühl überwintern Z10 -1,2 bis +4,4 frostfreie Überwinterung notwendig, 5-15 °C (z.B. Wintergarten, Treppenhaus) Z11 über +4,4 Die Winterhärtezonen (WHZ) im Überblick Quelle: Gärtnerei Gaissmayer  Ein herzliches Dankeschön geht an den Landschaftsarchitekten, Gartengestalter und Pflanzenenthusiasten Peter Steiger ( www.pulsatilla.ch ), der freundlicherweise einige seiner eindrücklichen Bilder zur Verfügung gestellt hat. Links zu Baumschulen mit besonderen Kletterpflanzen-Sortimenten: Clematis Herian Pflanzenraritäten Clematis Westphal Bunkpflanzen Kräuter und Duftpflanzen Esveld Bulk Boskop Bücher zu diesem Thema: Vertikale Begrünung*  - Genaue Beschreibungen der unterschiedlichen Wandbegrünungssysteme und deren klimatische Effekte, gutes Nachschlagewerk für die Ausgestaltung der Rankhilfen Kletterpflanzen: Zauberhafte Lösungen für Garten, Balkon und Terrasse* -  Sehr umfangreiche Sortimentsbeschriebe von Kletterpflanzen für den Garten und den Wintergarten Fassaden begrünen: Ratgeber für Gestaltung, Ausführung und Pflanzenwahl * - Gute Übersicht über verschiedene Begrünungssysteme und die wichtigsten Kletterpflanzen Clematis. Kletterpflanzen für jeden Garten * - Sehr umfangreicher Sortimentsbeschrieb von Clematis-Arten und Sorten sowie Angaben zur Verwendung und Pflege Danke Severin! Für deinen außergewöhnlich spannenden Blogartikel und ich wünsche für euer rankendes Projekt üppiges Wachstum! Da gibt es ja wieder viel auszuprobieren im Garten, stimmts?! Bleib natürlich Petra Hinweis: Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn Sie auf so einen Verweislink klicken und über diesen Link einkaufen, bekomme ich von deinem Einkauf eine  kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

  • DIE RUTENHIRSE - EIN 2020 AUSGEZEICHNETES GRAS

    Ein Blogbeitrag von Petra Rötlich filigrane Blütenrispen und eine rostrote Laubfärbung bringen das herbstliche Beet zum Leuchten, stahlblaue pfeilgerade Blätter setzen über das Jahr grafische architektonische Akzente. Rutenhirsen sind fast "Alleskönner" und mit Recht 2020 Staude oder besser "Gras des Jahres". Immer wieder gibt es neue Sorten mit unterschiedlichen Laubfarben, in variablen Größen und Wuchsformen. Sie heißen  Cloud Nine, Dalles Blue, Thunder Cloud, Heavy Metal, Shenandoah oder wie eines meiner Lieblinge Heiliger Hain . Mit der Rutenhirse lässt sich ganzjährig vorzüglich kombinieren. Viele Präriepflanzen aber auch andere Stauden passen zu dem vielgestaltigen Gras.  Schon früh erkannte das bereits der berühmte Züchter Karl Foerster, als er immer wieder forderte; Gräser gehören in den Garten! Er nannte Gräser das „Haar der Mutter Erde“. Damals pflanzte er  Panicum virgatum 'Strictum' zu prächtig blühenden Herbstastern. Eine Kombination die scheinbar zeitlos ist und immer noch passt. Das sich mal gelblich, mal rötlich färbende Gras passt vor allem vorzüglich allen herbstblühenden Stauden. Die Rutenhirse ist ein Warm Season Gras Die Rutenhirse kommt aus Nordamerika. Wie auch Gräser aus anderen Regionen der Erde, wie Chinaschilf (Miscanthus) , Lampenputzergräser (Pennisetum) , Tautropfengras (Sporobolus) oder Pampasgräser (Cortaderia) gehört es zu den Warm- Season Gräsern. Im Gegensatz zu den Cold -Season Gräser haben die genannten Gräser einen anderen Wachstumsrhythmus. Sie treiben erst spät im Jahr aus, blühen im Hochsommer. Dann aber erreichen sie ihre volle Größe und laufen bis zum Herbst zur Höchstform auf. Man könnte denken, sie wachsen dann im Herbst noch. Das ist jedoch nicht der Fall. Am Ende des Jahres gehen sie in ihrer Entwicklung in eine Ruhepause. Das bedeutet, es entwickeln sich bis zum Frühjahr keine neuen Wurzeln an dem Gras. Deshalb ist es ratsam, das Gras lieber im Frühjahr zu pflanzen. Übrigens; Rutenhirsen benötigen einen sonnigen Standort und wachsen besonders in einem frischen Boden, der sandig bis lehmig sein kann. Vor allem aber sollte der Boden durchlässig sein. Staunässe oder nasse Böden mögen die Gräser nicht. Einige im Handel verbreitete Rutenhirsen möchte ich hier nennen; Panicum virgatum 'Strictum', Panicum virgatum 'Shenandoah', Panicum virgatum 'Rehbraun', Panicum virgatum 'Külsenmoor', Panicum virgatum 'Hänse Herms'. Weitere Sorten sind nachfolgend vorgestellt (Collage von o.l. nach u.r.): Collage: Pflanzenreich App Panicum virgatum 'Northwind' - die hohe bis zu 1,80m hohe Sorte ist eine hervorragende Sichtschutz- und Akzentpflanze. Sie stammt aus der amerikanischen 'Northwind' Gärtnerei. Robust, raschwüchsig mit einer gelben Herbstfärbung. Panicum virgatum 'Heiliger Hain' - ist aufgrund der blauen Belaubung mit zum Teil kräftig roten Blattspitzen äußerst attraktiv. Mit der Höhe von 1.00m ist es eher eine kleine Sorte. Wie auch die anderen Sorten blüht das Gras von Juli bis September. Panicum virgatum 'Heavy Metal' - wurde in den USA ausgelesen. Das Gras hat bläuliches Laub und wächst straff aufrecht. Die Sorte ist standfest und trockenheitsverträglicher als die anderen Sorten. Panicum virgatum 'Dallas Blue' - hat breitere Blätter. Eine 1,80m hohe Sorte, die sich als Sichtschutz oder Solitär verwenden lässt. Sie hat auffallend violett getönte Blütenrispen und eine leuchtend gelbe Herbstfärbung. Panicum virgatum 'Cloud Nine' - ist eine große Blütenwolke, die sich in 1,40m bis 2,00 über dem bläulichen Laub erhebt. Der Wuchs ist trichterförmig, so lässt sich das Gras platzsparend im Beet integrieren. Die Sorte ist standfest. Panicum virgatum 'Prairie Sky' -  dieses Rutenhirse wächst straff aufrecht und hat bläuliches Laub. Mit einer Höhe von bis zu 1,50m gehört dieses Rutenhirse zu den mittelhohen Sorten. Die Herbstfärbung ist gelb. Foto oben: In Nordamerika sah ich in der Hochgrasprärie diese Kombination aus Panicum virgatum und Ratibida pinnata, dem Präriesonnenhut So überbrückst du den späten Austrieb der Gräser Da die Warm - Season Gräser spät austreiben, bleibt im Frühjahr der Boden lange nackt und kahl. Hier sind Blumenzwiebel eine willkommene Blütenpracht. Ich verwende generell viele nordamerikanische Stauden und Gräser. Sie haben den Nachteil, dass sie spät austreiben aber den Vorteil, dass sie bis zum Ende des Jahres gesundes und ansehnliches Laub haben. Den Nachteil des späten Erwachen, kann man mit dem großzügigen Einbringen von Blumenzwiebeln wett machen. Dann blüht es üppig. Foto: Sylvia Knittel Ein ganzes Füllhorn farbenfroher Blüten lässt sich auf den kahl bleibenden Flächen ausbreiten; Krokus, Narzissen, Frühlingsanemonen, Blausterne, Schneeglanz. Eigentlich eignet sich alles, was freiwillig gut wächst und sich vermehrt. Selbst Arten wie, Zierlauch und Camassia verlängern die Blüte bis in den Juni. Sie stehen dann schon zwischen dem Gräserlaub, das inzwischen ausgetrieben ist. Später verschwindet das langsam vergehende zunehmen unansehnlich werdende Blumenzwiebellaub, während die Gräser und Stauden austreiben und immer üppiger werden. Ich verwende ca. 15-20 St. pro qm und teile sie in unterschiedliche Arten auf. Es mutet fast unanständig an, wenn ich im Herbst mit riesigen Schwüngen die Blumenzwiebeln verteile. Dort wo sie herunterfallen, werden sie eingepflanzt. Das gibt ein natürliches Bild. Geeignet sind: Kleine Wildtulpen wie Tulipa clusiana, Tulipa tarda, Tulipa praestans Kleine Narzissen, wie Narcissus triandrus 'Hawera', Narcissus jonquilla 'Baby Moon' Große Narzissen, wie Narcissus 'Ice Follies' oder Narcissus 'Dutch Master' Krokusse, wie Crocus vernus in Sorten aber auch Crocus chrysanthus oder Crocus tommasinanum Allium wie, Allium aflatunense, Allium christophii, Allium atropurpureum, Allium nigrum und viele andere Weiße Anemone blanda 'White Splendour' oder die blaue Anemone blanda 'Blue Shades' Die blauen und weißen Prärielilien, wie Camassia quamash die im Mai blüht oder die Camassia leichtlinii, die im Juni zur Hochform aufläuft Schneeglanz Chionodoxa forbesii in Weiß, Rosa und Blau Winterling Eranthis hyemalis in Gelb Spanisches Hasenglöckchen Hyacinthoides hispanica in verschiedenen Farben Übrigens, wenn du Näheres über Blumenzwiebeln wissen möchtest, dann schau auch auf diese Blogartikel: Blumenzwiebeln zum Verwildern und Allium - Zierlauch im Garten Im Laufe meiner Arbeit mit Pflanzen sind viele Kombinationen mit der Rutenhirse entstanden. Oft sind es großräumige Pflanzungen. Für den Garten funktionieren die Kombinationen generell genauso.  Hier möchte ich ein paar Beispiele zeigen: Fotos unten: anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Donbass Arena in Donezk entstand auf dieser Fläche (10.000qm) eine Pflanzung mit Stauden in den Vereinsfarben von Shaktar Donetzk. Die kräftigen Farben der Hochstauden, wie Sonnenbraut, Sonnenhut und Staudensonnenblumen wurden durch Rutenhirse Panicum virgatum gemildert.  Grandioses Linienspiel zarter Blätter und duftige Blütenwolken Bereits der Austrieb der Gräser im Frühsommer kann sehr schön sein. Dann zeigen sich bereits die roten oder blaue Spitzen der jeweiligen Sorten. Mit anderen Stauden zaubern Rutenhirsen einen schönen Frühsommeraspekt ins Beet. Im Herbst sind Rutenhirsen absolut spektakulär. Zarte Rispen bringen die größeren, klar abgegrenzten Blütenformen von Sonnenhüten, Fetthennen oder Astern so richtig zur Wirkung. Sie heben sich von dem diffusen Blütenschleier ab. Das sich langsam färbende Laub wirkt warm und leuchtend. Manchmal korrespondiert das rötliche Laub mit der Herbstfärbung der Gehölze. Dann hat man einen spektakulären Indian Summer im eigenen Garten. Foto: Sylvia Knittel Eine kleine Auswahl von Stauden als Begleiter Herbstastern, wie Aster pringlei 'Pink Star', Aster novae angliae, Aster herveyi 'Twilight', Aster oblongifolius 'Oktoberskies' Sonnenhüte, wie Rudbeckia fulgida var. deamii, Rudbeckia maxima, Rudbeckia missouriensis, Rudbeckia nitida, Rudbeckia subtomentosa Vernonien, Vernonia crinita Boltonia, Boltonia asteroides 'Snowbank' Goldruten, Solidago caesia, Solidago rugosa 'Fireworks' oder die kleine Solidago sphacelata `Golden Fleece` Mexiconessel, Agastache rugosa Wasserdost, Eupatorium fistulosum Foto unten: Kühle Töne bestimmen den Charakter der Kombination. Hier habe ich Purpursonnenhut Echinacea tennessiensis, die amerikanische Bergminze Pycnanthemum, die Blauraute Perovskia arbotanoides mit einer Rutenhirse Panicum virgatum 'Heavy Metal' kombiniert. BUGA Gera Ronneburg 2007 Foto unten: ebenfalls in kühlen Farben ist diese Kombination auf der ega in Erfurt. Hier blüht die Rutenhirse Panicum virgatum 'Heiliger Hain' mit Herbstanemonen Anemone 'Pamina' und Herbstastern. Foto unten: Chinaschilf, Miscanthus sinensis und Rutenhirse, Panicum virgatum hier mit weißer Herbstanemone 'Honorine Jobert', Prachtkerze Gaura lindheimeri sowie Purpursonnenhut Echinacea purpurea. IGA Rostock 2003 Foto unten: Zwei zarte Gräser, zum einen die Rutenhirse Panicum virgatum und die Rasenschmiele Deschampsia bilden den Hintergrund für eine Vielzahl von Sonnenblüten, wie Sonnenhut Rudbeckia fulgida var. deamii und der weiße Purpursonnenhut Echinacea purpurea 'Alba'. Hier wirken eher Formenkontraste als die Blütenfarbe. Die klar umgrenzten Blüten zeichnen sich vor dem diffusen Hintergrund besonders gut ab. IGA Rostock 2003 Foto unten: Das Prinzip - diffuse Blüte gegen klar abgegrenzte Blüte - habe ich auch hier angewandt. Auf der IGS Hamburg 2013 habe ich Zinnien und einjährige Rutenhirse Panicum virgatum 'Fountain' verwendet. Ich habe sie mit Dahlien, Sommermargeriten, Hohe Verbenen und Zinnien kombiniert. Foto: Ferdinand von Luckner Wintersilhouette der Rutenhirsen und Begleitstauden Im Winter reduziert sich der Garten auf das Wesentliche. Wenn die satten, kräftigen Farben des Hochsommer verblassen und sich in leisere Farbtöne verwandeln, treten Formen und Strukturen stärker hervor. Viele Pflanzen verlieren ihre Blätter. Nach und nach verdünnt sich das Laubwerk im Garten. Ich liebe diese Melancholie. Das Szenario im Garten wandelt sich; einst umhüllte Stängel liegen plötzlich frei. Aus farbenprächtigen Blüten werden kompakte, quirlige oder länglich gebogene Samenstände in den unterschiedlichsten Braunschattierungen. Eintretender Nebel, Raureif oder Schnee lässt zauberhafte Silhouetten in zarter Zerbrechlichkeit entstehen. Noch immer vermittelt der unaufdringliche Charme zarter Rutenhirsen einen Eindruck spielerischer Leichtigkeit. Die Halme färben sich in warmes Ocker- und Goldgelb. Die zarten, wolkigen Blütenstände stehen im Kontrast dazu. Die Warm Season Gräser behaupten sich generell besser gegen Wind und Winternässe. Sie wirken noch länger attraktiv.  Als ruhiger Hintergrund wirken die linearen, ockerfarbenen Strukturen der Gräser für jene Stauden, die mit ihren unterschiedlich ausgeprägten Wuchsformen und Samenständen ihre ganz eigene Grafik entfalten. Das Bild unten hat Leonie in der Staudengärtnerei Rödelsee gemacht. Foto: Leonie Humenda Wenn du jetzt - der Ordnung zuliebe - zu früh abgeschnitten hat, bringst du dich um diese ganz besondere Ästhetik. Der Samenstand bewahrt den wesentlichen Charakter des Blütenstandes und somit den Charakter der Pflanze. Wie ein Schatten zeichnet er nach, was längst Erinnerung ist. Die Farbe spielt keine Rolle mehr. Foto unten: Aster in verschiedenen Sorten mit der Rutenhirse Panicum virgatum, Foto: Sylvia Knittel Bist du auch ein Gräser - Fan und schwärmst für die Rutenhirse. Dann plane jetzt die Frühjahrspflanzung für dieses schöne filigrane Gras. Es gibt viele Sorten kleine und große, straff aufrechte und bogig überhängende, blaue und grüne Typen und solche mit rot färbenden Spitzen. Hier findest du mehr Informationen beim Bund Deutscher Staudengärtner. Er hat das Gras zur Pflanze des Jahres 2020 erklärt. Hier geht es zum Artikel des BdS! Und noch mehr zum Thema Gräser findest du auf meinem Blog. Klick doch mal vorbei: Zarte Gräser im sonnigen Garten Bis zum nächsten Mal und eine schöne Gräserzeit Bleib natürlich Petra

  • FORSTHAUS ESPOL – EIN INDIVIDUELLER LANDSCHAFTSGARTEN

    Ein Gastbeitrag von Martin und Angelika Traub Hinter jedem besonderen Garten stecken außergewöhnliche Gärtner. Je besessener und verrückter ihre Ideen, umso spektakulärer wird ihr Pflanzenreich. Und sie sind glückliche Menschen. Das sieht man ihnen an. Auch ich konnte in die die begeisterten strahlenden Augen von Martin und Angelika Traub sehen, als sie mir ihren beeindruckenden Garten zeigten und von den Anfängen ihrer Leidenschaft im Vorsolling erzählten. Angst, dass ihnen der Garten irgendwann mal über den Kopf wächst haben sie nicht. Andere haben Ruhstandspläne - die Traubs haben Visionen. Und sie träumen weiter, von pflanzlichen Ideen auf benachbarten Flächen. Ich freue mich über diesen Gastbeitrag und lade euch ein, zu diesem ganz besonderen Spaziergang durch diesen ganz besonderen Garten. Die Leidenschaft für Pflanzen, Gärten und Gartenkultur ist für Angelika Traub auch beruflich ein Thema. Sie gibt ihr Wissen in Artikeln, Kolumnen, Vorträgen und als Fachtexterin weiter. Ehrenamtlich engagiert sie sich in der bundesweit organisierten Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur e.V. Prof. Martin Traub ist im „normalen Leben“ Professor für Corporate Media an der Hochschule Hannover. Die Liebe zum Garten lebt und teilt er mit seiner Frau. In derart doppelter Gartenleidenschaft beflügeln sie sich gegenseitig und schaffen Beeindruckendes. Die Erde ist ein Stern – wir leben im Himmel! Hans-Jürgen von der Wense (1894-1966) in: Wanderjahre, Matthes & Seitz, Berlin 2006 Ist das nicht ein wunderbarer Satz? Und mit ihm verknüpft zu sein, eine schöne Entdeckung: Hans-Jürgen von der Wense, Universalgelehrter, Musiker und rastloser Wanderer, schrieb ihn 1943 nieder. Wir lasen in seinem Buch und erkannten an präzisen Ortsdetails, dass ihn eine seiner Wanderungen ausgerechnet auf den uns gegenüberliegenden Höhenzug „Weper“ im niedersächsischen Vorsolling führte. Der malerische Blick hinunter ins Tal und auf unser auch damals schon beschaulich in die Natur eingebettetes Haus hat ihn zu diesem Satz inspiriert! Als wir im Jahr 1993, also genau 70 Jahre später, hierher kamen, hat auch uns diese besondere Landschaft vom ersten Augenblick an berührt. Lustvoller Anfang Ein freundliches, im Jahr 1921 erbautes Forsthaus, eine der Sanierung harrende Scheune und 5000 qm Grünland mit altem Baumbestand suchten neue Bewohner: Es gab also viel zu tun. Hier einen Garten anlegen zu dürfen, was für eine schöne Herausforderung! Erst einmal wurde im Stauden-Rosen-Rausch munter drauflos gegärtnert. Ein Beet nach dem anderen entstand – die alten Bäume dienten als willkommenes Gerüst. Ein fröhlicher, impressionistischer, ja überbordender Anfang war das. Je mehr sich jedoch das Gelände zum Garten wandelte, zogen Struktur, Rhythmus und Musikalität ein - den Genius loci galt es zu erfassen, denn er ist das erste und wichtigste Element im Zwiegespräch mit jedem zu gestaltenden Raum. Schritt für Schritt ging es voran. Von der Heuwiese zum Schwimmteich 2001 erlebte unsere struppige alte Heuwiese die im wahrsten Sinne des Wortes aufwühlend dramatische Verwandlung zum Schwimmteich. Wer Platz hat, darf großzügig planen: Etwa 30 Meter lang und organisch geschwungen, fügt sich der Teich ins Gelände. Auf Technik verzichteten wir, dafür wurden viele Wasserpflanzen eingesetzt. Einem Zuviel an Nährstoffen wird so entgegengewirkt und das Wasser bleibt (fast immer) klar. Durch behutsam gesteuerten Bewuchs des Uferrandes und den Verzicht auf jegliche Dekoration hat sich nach einigen Jahren der Wunsch erfüllt, dem Teich eine möglichst naturhafte Ausstrahlung zu geben. Vom Acker zum Landschaftsgarten Bäume, Beete, Wasser – und immer noch warteten viele Ideen. Das Glück wollte es, dass wir 1,5 ha angrenzendes Ackerland erwerben konnten. Man darf uns mutig nennen, denn seit 2006 verwirklichen wir hier nach und nach unseren über viele Jahre gewachsenen Plan, einen Landschaftsgarten mit besonderen Gehölzen und Staudenpflanzungen zu schaffen. Schützende Wildgehölze umgeben das jetzt 2 ha große Areal, mit dem Zusatznutzen, Vögeln und Wildtieren hochwillkommenen neuen Lebensraum zu schenken. Im Frühjahr 2006 folgte der Bau der Wege - eine Entscheidung von elementarer Wichtigkeit, denn in der Gartenplanung ist der Wegebau eine grundlegende strukturbildende Setzung und Ausdruck maximaler Unverrückbarkeit im sich stetig wandelnden Ereignisraum eines Gartens oder Parks. Die Wege spannen den Blick. Große, ruhige Rasenfreiräume lenken die Wahrnehmung auf Beete und Landschaft. Die kosmische Urform der Spirale greift die Gestaltung eines kleinen Platzes auf, wo sich die dynamisch-großzügige Reihe der Säuleneichen zu einem stillen Ort verdichtet. Baumreihen, Baumgruppen, Baumpersönlichkeiten Wir pflanzten 120 sorgfältig auf den Standort abgestimmte Bäume, darunter eine Säuleneichen-Reihung, ein Birkenwäldchen mit zierlichen weißstämmigen Himalaya-Birken, die ihren Tanz in einer zuvor modellierten Hügellandschaft aufführen und eine Lindenallee mit der kompakt und kegelförmig wachsenden Sorte „Rancho“, deren Kronen nun zusammengewachsen sind und so einen lauschig-schattigen Blätterdach-Gang bilden. Viele besondere, meist in Nordamerika beheimatete Solitärbäume wie der herrliche Tupelobaum (bot. Nyssa sylvatica) mit seiner tiefroten Herbstfärbung, Struktur schaffende Hecken sowie eine Sammlung mit in Deutschland weitgehend unbekannten Magnolien und seltenen verwandten Gehölzen kamen hinzu. Struktur und Farbe: Die Staudenbeete Nach und nach entstanden die großen Staudenpflanzungen. Einigen haben wir die Jahreszeiten zum Thema gegeben. Im Frühlingsbeet finden sich Azaleen und stattliche amerikanische Strauchpäonien in kräftigen Gelb- und Apricot-Tönen, unterpflanzt von zur selben Zeit komplementär blau blühenden Begleitstauden. Der Sommer zeigt sich in purpurnem Gewand: Die dunklen Rottöne vieler duftender historischer Rosen werden durch die Wahl silberner und blaublühender Stauden sanft hervorgehoben. Das weithin leuchtende Herbstbeet mit seinen Großstauden und vielen Spätsommer- und Herbstblühern präsentiert sich als geschwungenes, gut 40 Meter langes Band auf einer großen Wiesenfläche. Rhythmisch geschwungene Beetsicheln mit etlichen besonders für Insekten wertvollen Stauden ergänzen ein großflächiges, nur einmal im Jahr gemähtes Magerrasenareal, das bis zum Herbst viele reizvolle Stadien durchlebt. Die Erde im Himmel und der Himmel auf Erden? Die Erweiterung unseres Grundstücks ist jetzt 13 Jahre her, und es gibt sie durchaus noch, diese sehr persönlichen Momente des dankbaren Inneseins im Garten, die Erfahrung tiefer Freude in gestalteter Natur, das Glück, die Vielfalt des Lebendigen gestalten und wahrnehmen zu dürfen. Ja wir leben im Himmel. Das ist die eine „Wahr-Nehmung“. Aber es wird auch deutlich, dass diese „himmlische“ Einsicht eine weitere Botschaft in sich trägt, deren radikale Bedeutung der Garten schmerzlich spürbar macht. Bei der Pflanzung der Stauden und Gehölze orientierten wir uns seinerzeit am regionalen Klima: überdurchschnittlich feucht am Rande eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands gelegen, kalte aber schneereiche Winter und gemäßigte Sommertemperaturen. Die seither feststellbare Veränderung verdichtete sich in den letzten beiden Jahren und hat diese vermeintliche Planungskonstante in Frage gestellt. Auch in diesem Jahr haben die Niederschläge Ende August noch nicht einmal die Hälfte des langjährigen Mittels erreicht. Der Mensch hat durch grenzenlose, lange unbedachte, heute gefährlich ignorante Naturausbeutung seinen Stern existentiell bedroht. Auch der Garten spiegelt uns nun unmissverständlich, dass ausschließlich wir Menschen verantwortlich dafür sind, ob „himmlisches“ Leben sich entfalten kann. So gesehen hat Gartenkultur eine neue Bedeutung. Sie kann uns noch aufmerksamer, widerständiger und vielleicht auch widerstandsfähiger machen. Denn der Erlebnisraum Garten wirkt als Resonanzraum, der den Wert des Lebendigen tiefer erfahrbar macht und uns intensiv empfinden lässt, was endlich einziger Maßstab werden muss: Menschliche Entfaltung kann nur im respektvollen Dialog mit der Natur zu mehr Bewusstsein und Lebensglück führen. Die Erde ist unser einziger Stern. Einzigartigkeit verpflichtet. Martin und Angelika Traub

  • WAS MACHT EINE BAUMMAKLERIN? - INTERVIEW MIT KATHARINA VON EHREN

    Vor Kurzem war ich in Hamburg und traf Katharina von Ehren. Bei schönstem Herbstwetter spazierten wir durch den historischen Hirschpark mit seinen beeindruckenden knorrigen Bäumen und einer imposanten Lindenallee. An einem so magischen Ort über Bäume zu sprechen, war ideal und mit meiner sympathischen Gesprächspartnerin ein Vergnügen. Und so erfuhr ich Einiges über ein spannendes und ungewöhnliches Geschäftsmodell. Baummaklerin, das hört sich sehr geschäftig und umtriebig an, turbulent wie auf einer Börse…. Wie müssen wir uns diese Arbeit vorstellen? Wir suchen für unsere Kunden zielgerichtet das passende Gehölz zum geplantem Konzept. Zahlreiche Baumschulen verfügen über oft sehr unterschiedliche Sortimente. Zusammengenommen entsteht eine enorme Bandbreite an Pflanzen – ein sehr umfangreiches Portfolio. Dieses Wissen, wo was verfügbar ist, ist die Grundlage unserer Dienstleistung. Gespeichert in unserer Datenbank, können wir angefragte oder auch vorgeschlagene Sortimente wunschgemäß zusammenstellen und liefern. Woher kommen all diese Gehölze? In mehreren hundert Gärtnereien und Baumschulen in unterschiedlichen Ländern, wie Niederlande und Belgien aber auch Dänemark, Frankreich, England und Deutschland suchen wir das Passende persönlich aus. Dabei legen wir höchsten Wert auf Qualität. Sie üben einen Beruf aus, den Sie mit viel Herzblut und Leidenschaft verfolgen. Wie gelingt es Ihnen, dass dieser Funke auch auf andere überspringt? Wie können Sie Ihre Kunden bestmöglich beraten? Nach bestimmten Themen stellen wir Websites zusammen. Denn Bilder erleichtern die Vorstellung und unterstützen die Idee. Sie werden samt Informationen, wie Größe, Habitus, Blütezeit oder Laubfärbung und den verfügbaren Größen verschickt. Gehölze sind wertbeständig, dennoch gibt es Entwicklungen und Trends. Welche sind aktuell zu beobachten? Große Solitärgehölze als Unikate sind immer gefragt. Spaliergehölze und Hecken sind und bleiben beliebt. Gern werden Buche oder Eibe wolkenartig geschnitten. Alte knorrige Obstbäume, wie Mirabellen, Äpfel oder Birnen sind derzeit ebenfalls sehr gefragt oder auch Kiwi Hecken, die spalierartig gezogen werden, die dann noch zum Naschen einladen. Welche Ihrer Lieblingsgehölze würden Sie Ihren Kund*innen empfehlen? Amerikanischer Gelbholzbaum – Cladrastis lutea Er hat einen schönen Wuchs, eine schöne Blüte und eine tolle gelbe Herbstfärbung von enormer Leuchtkraft und hartes Holz. Collage: Pflanzenreich App Hainbuche – Carpinus betulus Mir gefällt der frischgrüne Austrieb, die Herbstfärbung und vielfältige Verwendung, da man das Gehölz in viele Formen schneiden kann. Die dichte Aststellung bietet zudem Nistmöglichkeiten für Vögel. Collage: Pflanzenreich App Eisenholzbaum – Parrotia persica Die rotorange Herbstfärbung dieses Hamamelis Gewächses ist spektakulär. Auch die abblätternde Rinde ist sehr zierend. Die Parrotie ist auch für kleinere Gärten geeignet, da sie sehr schnittverträglich ist So gibt es auch hier viele Sonderformen. Collage: Pflanzenreich App Die Linde – Tilia cordata und andere Arten Insbesondere gefallen mir Linden als Formgehölze, beispielsweise als Kegel. Linden sind Bienennährgehölze, was zunehmend wichtiger wird. Collage: Pflanzenreich App Ganz lieben Dank für die spannenden Einblicke, liebe Frau von Ehren. Ich wünsche Ihnen auch weiterhin viele spannende Projekte. Mehr Informationen bzw. den Kontakt zu International Tree Broker GmbH findet Ihr hier: Katharina von Ehren International Tree Broker GmbH Buttstraße 4, 2.OG 22767 Hamburg Telefon: +49 40 – 33399499 – 30 Fax: +49 40 – 33399499 – 80 E-Mail: info@katharina-von-ehren.de Website: www.international-tree-broker.de Hier findest Du einen Buchtipp. Dieses Mal ist es nicht unbedingt ein Tipp direkt für dich... Aber sicherlich für deine Kinder, Enkel oder ein Kind welches dir am Herzen liegt: Bäume * von Piotr Socha . Ein Kinderbuch, mit liebevollen Illustrationen und einfach schön! Hinweis: Die mit Sternchen ( * ) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn Du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von deinem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

  • LGS WÜRZBURG 2018 - FRÜHLING & SOMMER IM RÜCKBLICK

    Ein Blogbeitrag von Petra In Würzburg herrschte im Jahr 2018 reges Treiben. Wir waren dort und haben unser Projekt betreut. Hier findet ihr einen Rückblick über die Pflanzungen im Verlauf des Jahres . Auf der Gartenschau in Würzburg wurden Zukunftsthemen behandelt aber auch die militärische Vergangenheit. Immerhin war hier  die Stationierung der amerikanischen Soldaten. An diesem Ort gab es einen Flugplatz mit Landebahn, ein Casino, hier fanden Flugübungen statt und auch die Kartoffel spielte eine Rolle. Für diese Arbeit bedeutet es immer, sich mit der Geschichte und den Geschichten auseinanderzusetzen. Pflanzliche Themen abzuleiten. Es bedeutet Storytelling mit Pflanzen . Manchmal klingt es auch ein bisschen verrückt. Zugegeben… Das Frühjahr auf der LGS Würzburg - Pflanzliche Geschichten Fünf Gärtnereien aus der Region haben die Pflanzen produziert und setzten ihre Schützlinge eigens in das Substrat. Auf einer Fläche von 1300 m² entstanden neun verschiedene Themen mit unterschiedlichen Konzepten. Landebahn, Crazy Krauts und andere Geschichten… Aber was bitte haben die Blümchen mit Geschichten zu tun? Orte und deren Geschichten sind faszinierend. Sie sind Impuls und Ideengeber für Formen und Farben. Es klingt verrückt...  aber Kartoffelacker, Galgenberg, amerikanische Militärbasis mit einem Flugplatz beflügeln die pflanzlichen Phantasien. Die Geschichte mit der KARTOFFELBLUME zum Beispiel - Ausgerechnet ein Würzburger Juraprofessor ließ in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts am Hubland Kartoffeln anbauen. Der Boden an diesem Ort galt als unfruchtbar und Kartoffeln wurden noch nicht als Nahrungsmittel angesehen, sondern wegen der schönen Blüte angebaut. Die Schönheit ihrer Blüte wurde über alle Maße gelobt, ja, die Kartoffelblume wurde sogar mit Orchideen verglichen. In dem Beet wachsen im Sommer neben Yakon, Süßkartoffeln, Topinambur und Zucchini auch blühende Sommerschönheiten, wie Dahlien, Zinnien und Rudbeckien. Die Pflanzen der Beete wurden durch die Gärnterei Förth geliefert und auch gepflanzt. Die STARTBAHN liegt zentral und wurde über Jahrzehnte als Flugfeld genutzt. Die streifige Wechselbepflanzung entlang der Neubebauung erinnert an eine Landebahnmarkierung. Entsprechend sollte die Pflanzung eine besondere Leuchtkraft haben. Klare einfache Farben wie Pink, Blau, Rot und Gelb setzen kräftige Akzente mit Fernwirkung. Themen wie BLUE HEAVEN mit blauen und weißen Blüten, KEROSIN IM BLUT in Feuerrot, CHECK-IN PINK in Rosa und Flieder oder CHECK OUT in Gelb, wechseln sich entlang der Wege ab. Die Pflanzen der Beete wurden durch die Gärtnerei Pudell aus Haßfurt  geliefert und auch gepflanzt. Die LOUNGE KISSEN – sie befinden sich an den zwei Eingängen. Mit Sommerblumen bepflanzte, gewölbte Flächen werden von flauschigen Gräsern durchwebt und wirken wie ein Stoffüberzug. Das wollige Lampenputzergras oder pomponblütige Zinnien schaffen viele Blütenpunkte. Es gibt verschiedene Farbkonzepte. Die Pflanzen der Beete wurden durch die Gärtnerei Förth und die Gärtnerei Hofmann geliefert und gepflanzt. Lange hat der Frühling auf sich warten lassen und es wurde schon knapp für einen üppigen Frühjahrsflor. Aber dann nach Ostern war Pflanzzeit. Endlich!!! Obwohl die Tulpenblätter noch zaghaft aus der Erde ragten haben die Frühjahrsblumen es gerettet. Fünf Gärtnereien haben tolle Arbeit geleistet und super Pflanzen geliefert - üppig, knospig und gesund. Mit ihnen zeigte sich sofort Farbe im Beet. GATEWAY WIR SCHICKEN DEN GÄRTNER AUF DEN LAUFSTEG … und er zeigt Ihnen die neusten Trends für das Jahr 2018. Blütendesign in spannenden Farb- und Formkontrasten verweben sich zu floralen Mustern im Beet. Wie wäre es mit elegantem Weiß und zartem Grün oder doch in feurigem, sündigem Rot mit einem Hauch geheimnisvollen Schwarz und feurig, exotischem Orange. Wie schon im vergangen Jahr bleiben Ton in Ton Kombinationen noch aktuell. So werden zarte Rosè und Violett Töne ebenso gezeigt, wie Aprikose und Creme Töne. Andere Highlights sind dramatische Töne, wie Rot, Schwarzrot mit Violett und lassen in der Mode heute schon einen Ausblick auf das kommende Jahr 2018 erkennen. Kombinationen gibt es sechs verschiedene. Sie begleiten die Besucher entlang des Weges. Geliefert und gepflanzt wurden die Beete von der Gärtnerei Roth (siehe Bild oben beim Pflanzen) CRAZY KRAUTS UND DIE AMERIKANISCHE FLAGGE CRAZY KRAUTS ist ein gemüsig-blumiges Thema. Vielfalt auf kleinstem Raum. Salate, Tomaten, Kräuter und Blumen wachsen zusammen. Schon auf einer Fläche von nur 1,5 m² werden Ernteträume wahr. Die Pflanzung zeigt nach dem Frühjahrsflor mit Kräutern und Blumenzwiebeln, Gemüse- Kräuterkombinationen in kleiner Größe und in wiederkehrenden Mustern. Diese Kombinationen aus Fenchel, Petersilie, Kerbel, Mangold, Schnittlauch oder Basilikum sind quadratisch angeordnet und als Bausteine aneinandergesetzt. Die Zwischenräume werden wiesenartig mit Bauerngartenpflanzen bepflanzt. Artischocken und Tabak setzten Akzente. So entsteht ein ländlicher Mix, der zwar im Großen angelegt aber auch im Kleinen zum Nachpflanzen anregen soll. Im Frühjahr von der Firma Förth und im Sommer von der Gärtnerei Schunke beliefert und auch bepflanzt. CANYON und der Klimawandel - und der scheint unausweichlich. Deshalb erlauben wir die Frage: Was blüht uns morgen? … und lenken den Blick auf die Vegetation von morgen. „The Vision Frame“ zeigt trockenheitsliebende Pflanzen aus fernen Ländern in zeitgemäßem „Rahmen“. Sie werden auch als Living Walls bezeichnet und finden als zeitgemäße Pflanzkonzepte immer mehr Verwendung. Die geneigten Flächen des Canyons, die mit herkömmlichen Wechselflor eher problematisch wären, sind ideal für das Thema. Im Sommer lenken Rahmen, die in das Erdreich eingelassen wurden und mit Sukkulenten in all ihrer Farb- und Formenvielfalt bepflanzt wurden, die Blicke auf sich. Wie in einer Bildergalerie durchstreift man den Gartenraum. Die Zwischenräume werden wiesenartig mit trockenheits-verträglichen Einjährigen wie Federgräser, Papier- oder Mittagsblumen bepflanzt und bilden eine Art bunten Trockenrasen. Die Pflanzen für das Thema werden von der Gärtnerei Förth geliefert und durch die Firma Fichter gepflanzt und betreut. BLÜHENDE KULISSEN mit der amerikanischen Flagge... TATA! Aneinandergereiht schafft sie neue Perspektiven und ein wiederkehrendes Muster. Rhythmisch angeordnete blaue Blöcke entlang der Mauer setzen höhere Akzente. In Längsrichtung werden sie von rotweißen Streifen flankiert, die sich in regelmäßigen Abständen abwechseln.  Es entsteht eine markante Kulisse durch klare Töne in plakativer Verwendung. Die Pflanzen für das Thema werden von der Gärtnerei Förth geliefert und durch die Firma Fichter gepflanzt und betreut. Der Sommer - Vision Frame in die Zukunft Was blüht uns morgen? Der Klimawandel betrifft uns alle und wir merken die Auswirkungen in diesem trockenen, heißen Sommer extrem. Deshalb erlauben wir die Frage;   Was blüht uns morgen?   … und lenken den Blick auf die Vegetation von morgen. „ The Vision Frame “ im Canyon zeigt trockenheitsliebende Pflanzen aus fernen Ländern. Sie wachsen wiesenartig und wirken schon von weitem wie ein impressionistisches Bild. Verschiedene Papier- und Strohblumen so   Xeranthemum annuum, Chrysocephalum 'Desert Gold '   und   Helichrysum petiolare 'Silver' , filzige Blattschmuckpflanzen wie   Salvia argentea , Gräser wie das Kleine Reiherfedergras   Nasella tenuissima   und Gehölze wie   Eucalyptus gunnii   bilden eine bunte Pflanzendecke. Dort in die Flächen eingelassen sind weiße Rahmen. Sie wirken wie Bilderrahmen in einer Galerie. Von Herrn Graf aus der Gärtnerei Kakteen Graf wurden sie wirklich liebevoll bepflanzt.  Sedum, Mittagsblumen, Echeverien, Yuccapalmen   bilden ein spannungsreiches Miteinander. Wie ein Patchwork oder Puzzle greifen sie farblich ineinander. Sie wirken charaktervoll und manchmal auch sperrig und bizarr. Auf alle Fälle sind sie reich an an Formen und Strukturen.  Interessiert dich das Thema Kakteen im Garten? Dann schau dir vielleicht mal diesen Beitrag an: Einen Wüstengarten anlegen Crazy Krauts auch im Sommer Die Idee kam mir in den Sinn, da das Gelände vormals von den Amerikanischen Soldaten genutzt wurde. Die nannten die Deutschen etwas despektierlich “die Krauts” … was soviel heißen soll wie, die “Krautfresser”…  Da die Fläche der Gastronomie angeschlossen ist, war die Idee dort Gemüse, Kräuter und Blumen anzupflanzen… auch Kohl. Zudem ist das Gärtnern und die Vielfalt auf kleinstem Raum gerade in Städten und auch bei jungen Leuten ein ganz aktuelles Thema. Es gibt Bücher dazu, wie  S quarefoot   gardening  – Gärtnern im Quadrat von dem Autor Folko Kullmann. In diesem Garten haben Gemüse-Kräuterkombinationen wiederkehrende Muster. So wachsen Fenchel, Petersilie, Kerbel, Mangold, Schnittlauch oder Basilikum mit Gemüse, wie Palmkohl und Rotkohl in quadratisch angeordneten Beeten. Dazwischen sind, wie in einem bunten Bauerngarten Blumen, wie Zinnien, Ringelblumen, kleine Dahlien gepflanzt. Artischocken und Tabak setzten Akzente. Insgesamt entsteht ein ländlich, fröhlicher Mix. Sollte jedenfalls… die Blumen sind tatsächlich etwas zurückhaltend, was schade ist. So fehlt etwas Farbe. Es wirken allerdings die verschiedenen Blattstrukturen der Gemüse und Kräuter. Das sieht wiederum schön aus.  Gateway – WIR SCHICKEN DEN GÄRTNER AUF DEN LAUFSTEG … Gärtner sind fleißig und bescheiden… jedenfalls die meisten. Wir wollten das Selbstwertgefühl der Gärtner mal aufpolieren (zumindest als Idee hier) und haben gemeint, sie bestimmen dieses Jahr mal die Modetrends 2018. Blütendesign in spannenden Farb- und Formkontrasten verweben sich zu floralen Mustern im Beet. Angesagt ist ein elegantes Weiß mit zartem Grün und feuriges, sündiges Rot mit einem Hauch geheimnisvollen Schwarz und feurig, exotischem Orange sowie weitere drei Kombinationen. So hinterlässt der Gärtner hier einen sehr modebewussten Eindruck…. Klasse! Startbahn Der zentrale Bereich des Wiesenparks wurde über Jahrzehnte als Flugfeld genutzt. Die streifige Wechselbepflanzung entlang der Neubebauung erinnert an eine Landebahnmarkierung. Entsprechend sollte die Pflanzung eine besondere Leuchtkraft haben. Klare einfache Farben wie Pink, Blau, Rot und Gelb setzen kräftige Akzente mit Fernwirkung. Themen wie BLUE HEAVEN mit blauen und weißen Blüten, KEROSIN IM BLUT in Feuerrot, CHECK-IN PINK in Rosa und Flieder oder CHECK OUT in Gelb, wechseln sich ab entlang der Wege. Sie haben ein regelmäßiges, wiederkehrendes Muster. Jetzt im Sommer blühen hier hohe Einjährige wie, Rittersporn, Salbei, Dahlien, Sonnenhüte und Lampenputzergräser und begleiten den Besucher von einem Teil in den anderen Teil des Geländes. Wir hoffen ihr habt einen Einblick in die Gartenschau erhalten können und freuen uns schon auf die nächsten Projekte. Eure Petra

  • HENRY J. FAIR - MISSTRAUT DEM PARADIES

    Diese Bilder bewegen. Im ersten Moment denkst Du vielleicht; WOW, was für tolle Farben und abstrakte Muster voller Schönheit! Im zweiten Moment wird dir klar: Das ist unsere Erde, unsere Natur, die da vergiftet und ausgeraubt wird! Vielleicht fragst Du dich aber jetzt; was hat das mit dem Gartenthema zu tun? Lass es mich kurz erklären; In meiner Arbeit mit Pflanzen suche ich immer das Besondere  eines Ortes. Ich suche Themen, die passen. Mit pflanzlichen Mitteln versuche ich mich dann auszudrücken. Beispielsweise mit Farben, Formen oder dem Charakter von Pflanzen. Für die IGA (Internationale Gartenschau) 2017 in Berlin war das genauso. Ich wurde beauftragt, mehrere Tausend Quadratmeter Wechselflor (Frühjahrs- und Sommerblumen) entlang des Rundweges in den Gärten der Welt zu planen. Meine Idee hier, war eine Reise um die Welt. Ich wollte den Betrachter mitnehmen auf diese Reise. Ich hatte die Aufnahmen "Die Erde von Oben" vor Augen und war beseelt von der Idee. Diese eindrucksvollen Fotos aus aller Welt von oben, sollten eine kleine Fotoausstellung auf  Tafeln an den Beeten sein. Ich wollte die Farben pflanzen (was mit Sommerblumen gut geht). So hätte es irgendwie einen tollen Synergieeffekt gegeben. Gepflanzte Geschichten. Die Idee schlug zunächst ein... Ich brauchte selbstverständlich den Fotografen von Yann Arthus-Bertrand ("Die Erde von oben"). Doch er antwortete uns erst gar nicht. (vielleicht fand er die Idee doof) So konnten wir die Fotos nicht ausstellen. Zu früh gefreut. Aber ich gab nicht gleich nicht auf . So lernte ich den New Yorker Fotograf Henry Fair kennen. In einem Kölner Cafe saßen wir nun stundenlang, tranken einen Kaffee nach dem anderen und tüftelten an dem farblichen und inhaltlichen Konzept. Die Auswahl der Bilder war phantastisch. Ich war überglücklich, eine so wichtige Geschichte erzählen zu können.  Aber wieder ... "Pustekuchen"! In der IGA Berlin GmbH gab es hierzu keine Bereitschaft. Zu traurig für eine Gartenschau, hieß es! Unsere Idee vom "Misstraut dem Paradies" wurde verworfen. Das war es dann mit der Fotoidee...  und am Ende wurde es ein anderes Konzept. (Pflanzen aus aller Welt) Im Herbst 2019 sah ich Henry Fair in Berlin wieder. Er stellte im Naturkundemuseum im Rahmen der "Nacht der Museen" seine übergroßen Fotos aus. Und immer noch lief mir beim Betrachten der überdimensionalen Bilder ein Schauer über den Rücken und gleichzeitig faszinierten sie mich. Ich fragte Henry um diesen Beitrag, weil ich diese aufregende Arbeit und die Geschichte einer gefährlichen und spannenden Entstehung unbedingt erzählen möchte. Hier berichtet er über seine Arbeit... Über Henry J. Fair : Der amerikanische Photograph J. Henry Fair kommt ursprünglich aus Charleston, South Carolina, pendelt zwischen seinen Ateliers in New York und Berlin und arbeitet gegenwärtig an Photozyklen wie Portraits und großformatigen, technisch brillianten Landschaftsaufnahmen. Seine Serie “Industrial Scars" geht den schmalen Grat zwischen Abstraktion und Repräsentation. Sie ist spürbar beeinflusst von der Photographie der Bauhaus-Schule und tritt den Beweis dafür an, dass Photographie mindestens ebenso überzeugende abstrakte Bilder erzeugen kann wie die Malerei. Und dies ist nicht die einzige widersprüchliche Erkenntnis in Fair's Arbeit: Bei näherer Betrachtung folgt die Einsicht, dass auch im Grunde unerfreuliche Motive von ästhetischer Schönheit sein können. Der Künstler spielt damit auf die in der modernen Welt weit verbreiteten existenziellen Widersprüchlichkeiten an. Roberta Smith, Chef-Kunstkritikerin der New York Times schrieb: "Die lebendigen Farbphotographien von J Henry Fair führen ein spannungsvolles Doppelleben, in dem sich Kunst und Information zu einem dramatischen Effekt vereinen. Rein optisch sehen wir jedoch ein Überquellen prachtvoller Farben, die uns an die Malstrategien der Abstrakten Expressionisten wie Barnett Newman, Clifford Still und vieler Anderer aus dieser Richtung erinnern." Über Henry Fair's Arbeit wurde im Fernsehen berichtet von der Today-Show, CNN, dem WDR und in den Printmedien von der New York Times, National Geographic, New York Magazine, Die Zeit, Le Figaro, Harper's, Smithsonian und Scientific American. Seine Bilder werden weltweit in bedeutenden Museen, Galerien und Bildungsinstituten ausgestellt. Zum Titelbild: In Darrow, USA sammelt sich roter Schlamm, ein Abfallprodukt der Bauxitgewinnung. 2010 sorgte ein Erdrutsch diesen Schlamms im Süden von Budapest für eine beispiellose Umweltkatastrophe in der Region (Bild: J Henry Fair) Das Fotografieren von Umweltkatastrophen ist eine gefährliche Arbeit  Meine Arbeit handelt von dem Konflikt zwischen unserer Abhängigkeit von der Natur für das Leben, und dem Schaden, den wir ihr durch unsere Wunsch nach Materialismus antun. Nachdem ich während einem Landeanflug im Nebel auf ein Kohlekraftwerk gesehen hatte, fiel mir auf, dass die Luftperspektive Zugang zu dem hat, was üblicherweise hinter Zäunen versteckt ist. Es erlaubte eine einzigartige Perspektive, die von fern und von Natur aus fasziniert. Das Gebiet des Mississippi River, bekannt als "Cancer Alley", schien der logische Ausgangspunkt zu sein. Also ging ich nach New Orleans und charterte ein kleines Flugzeug und einen Pilot. Die daraus resultierenden Bilder waren faszinierend, forderten aber die Hintergrundgeschichte. Sie waren zum Eintauchen in die Zusammenarbeit mit Umweltgruppen und eine aktivere Rolle als verantwortungsbewusster Künstler unabdingbar. Foto oben: Herbizid-Produktionsanlage, Louisiana, USA (Foto: Henry J. Fair) Die Reichweite des Projekts wuchs, als ich meine Arbeit von der lediglichen Betrachtung bestimmter Bereiche zu zielgerichteten Branchen und ihren Produktionsprozessen ausweitete. Anfangs war das einzige Ziel, die besten Bilder zu bekommen. Dann ging ich es an Einfluss zu nehmen, indem ich die Aufmerksamkeit auf Missstände lenkte, um so die Gesetzgebung  zu beeinflussen. Hierzu wählte ich die dringesten Projekte aus. Es gab Situationen, die das eklatanteste Fehlverhalten zum Gegenstand hatte. Die entsprechenden Bilder fanden ihren Weg zu den verschiedenen Verantwortlichen, gerieten also in falsche Hände. Öfters spielte man dort die Situationen runter oder vertuschte das Fehlverhalten. Foto oben: Ölgewinnung aus Teersanden in Fort Murray, Kanada. In diesem Tank liegen 400.000 bis 500.000 Barrell des schmutzigsten Öls der Welt. (Foto: Henry J. Fair) Als die USA nach den Bombenanschlägen auf das World Trade Center in eine schwere Paranoia geriet, wurde meine Arbeit extrem schwieriger. Mehrmals war das FBI auf der Suche nach mir. Einmal tauchten sie am frühen Morgen im Hotel auf und befragten mich, nachdem ein Pilot berichtet hatte, dass ein verdächtiger "arabisch aussehender Mann" Industriestandorte fotografierte. Das zweite Mal, als ein besonders windiger Tag es notwendig machte, ein paar Mal zu viel um eine der giftigsten und explosivsten Raffinerien des Landes zu kreisen, um den besten fotografischen Schuss zu bekommen, meldete Jemand in der Raffinerie die Hecknummer des Flugzeugs dem FBI. Der spürte mich auf fragte mich telefonisch, was ich dort zu tun habe. Um mich zu schützen, gab ich einen gefälschten Namen an und bezahlte meine Rechnung bei der Flugzeugvermietung bar, um nicht weiter beobachtet und verfolgt zu werden. Foto oben:  das Aufstauen von Abfällen in der Kupfermine Rio Tinto, Spanien (Fotos: Henry J. Fair) Was mich an dieser Arbeit interessiert und fasziniert, ist im wesentlichen Ironie und die Hoffnung. Der normal denkende Mensch, der in der modernen Welt lebt, versteht, dass wir alle bezogen auf die Umwelt exzessiv leben. Die bevorstehenden Folgen für unseren teils luxiriösen Lebensstil sind real und bedeutsam. Dies ist eine der wesentlichen Ironien der modernen Welt. Aber in der Tat, mit ein wenig Aufwand und Glück haben wir es in der Hand. Wir könnten diese Zukunft ändern, um unser Schicksal in eine positive Richtung zu lenken. Und so müssen wir hoffen, denn wir alle investieren, denn die Welt kennt keine Grenzen. Mein Ziel ist es, schöne Bilder zu produzieren, die eine Reaktion beim Betrachter hervorbringen, Sie sollen ästhätisch sein aber wachrütteln um eine Reaktion und ein Handeln hervorzubringen. Viele Überzeugungen und Dialoge sind notwendig. Die Menschen müssen informiert werden und Hintergrundinformationen erhalten, um auf den Dialog zu reagieren. Aber die Bilder müssen, so schrecklich der Huntergrund manchmal ist, schön sein. Ich möchte den Betrachter anhalten, sie zu betrachten und zu schätzen. Foto oben:  Lakeland, Florida, USA (Foto: Henry J.Fair) Dieses Auslassrohr befindet sich am Boden eines riesigen „Gypstack“ -Phosphogips-Abfallauffangbeckens und erzeugt einen Strom, der schließlich den örtlichen Wasserspiegel erreicht. Das Gewicht dieser Gipsstapel ist enorm, und es gab Fälle, in denen der Boden unter den Stapeln einstürzte, wodurch enorme Mengen radioaktiver, saurer Abfälle Grundwasserleiter kontaminierten. Foto oben:  Sisyphus-Planierraupe, die Petrolkoks, Abfall von der Erdölraffination drückt   Texas City, Texas, USA (Foto: Henry J. Fair) Eine Planierraupe sortiert einen Vorrat an Petrolkoks oder „Petrolkoks“, einem festen Nebenprodukt des Ölraffinierungsprozesses mit mehr als neunzig Prozent Kohlenstoff, das als Energiequelle und hochwertiger Industriekohlenstoff verwendet wird. Petrolkoks in Kraftstoffqualität mit hohem Kohlendioxid- und Schwefelgehalt wird zur Erzeugung von Energie für die Herstellung von Zement, Kalk und anderen industriellen Anwendungen sowie für KWK-Kraftwerke verbrannt. Foto oben:  Runaway Train-Machine Tracks in Bauxit-Abfällen Burnside, Louisiana, USA (Foto: Henry J. Fair) In Aluminiumoxidraffinerien wird der Bauxitabfall „Rotschlamm“ in riesige Lagerstätten gepumpt und absetzen gelassen. Die Aufstauungen der Abfälle müssen mit schwerem Gerät sortiert werden, um eine ordnungsgemäße Entwässerung für die Entwässerung zu gewährleisten. Nach dem Trocknen wird Staub vom Wind aufgeweht, der Verunreinigungen trägt und alles in der Nähe bedeckt. Foto oben:  Bauxitabfälle aus der Aluminiumherstellung Burnside Louisiana, USA (Foto: Henry J. Fair) Rückstände aus einer Aluminiumoxidraffinerie bündeln, trocknen und knacken. Der rote Abfall ist Eisenoxid; Der weiße Abfall besteht aus Aluminiumoxid und Natriumbicarbonat. Bei der Aluminiumraffination fallen enorme Mengen an ätzendem (pH 13) Bauxit-Rotschlammabfall an, der auch andere Verunreinigungen und Schwermetalle erzeugt. Du willst mehr sehen? Weitere Informationen findest Du hier: Industrial Scars: Fotografien von Henry J. Fair  * und Hidden Costs. Ewigkeitslasten: Fotografien von J. Henry Fair  * Dank an Henry für seine Bereitschaft seine Arbeit mit uns zu teilen. Sicher hat jeder seine eigenen Gedanken hierzu. Bei mir machen sich auf alle Fälle Wut aber auch Hilflosigkeit breit. Und Ängste...  ob man diesen Wahnsinn überhaupt stoppen kann. Wie geht es euch dabei?  Ich wünsch euch was und bleibt natürlich Petra Hinweis: Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn Sie auf so einen Verweislink klicken und über diesen Link einkaufen, bekomme ich von deinem Einkauf eine  kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

  • 40 JAHRE GRÜNES TREIBEN AUF DER JUNGVIEHWEIDE

    Dieter Gaissmayer im Interview mit Petra 40 Jahre war Dieter Gaissmayer der Frontmann seiner gleichlautenden Gärtnerei. Sie liegt im schwäbischen Illertissen und ist mehr als das. Es ist quasi eine Institution, Vorzeigebetrieb, lebendiges Museum, botanische Sammlung und ein Mekka für Staudenliebhaber. Der Firmengründer und langjähriger Geschäftsführer hat die Verantwortung zum 1. 1. 2020 an die junge Generation übergeben. Zur Ruhe setzen wird er sich allerdings noch lang nicht. Im Spätsommer 2020 hat Petra ihn in seiner Gärtnerei erneut getroffen, viel gelernt und gelacht. Dieter, du bist ein leidenschaftlicher Staudengärtner und kultivierst ein umfangreiches Stauden- und Gräsersortiment. Wie viele Arten und Sorten hältst du für deine Kunden bereit? Dieter: Leidenschaft trifft sicher zu, aber das mache ich natürlich nicht allein – wir sind ein großes Team, miteinander kultivieren wir in etwa 3000 Stauden und Gräser. Wir schwelgen also in einer großen Vielfalt der Arten und Sorten. Aber das Sortiment ist ständig in Bewegung, denn wir arbeiten permanent daran, unseren Kunden nur die besten, gesündesten Sorten anzubieten. Neuheiten werden bei uns erst auf Herz und Nieren geprüft, bevor wir sie ins Sortiment nehmen. Das klingt vielleicht zunächst banal, aber dieser hohe Qualitätsanspruch ist heutzutage alles andere als Standard. Es ist üblich geworden, dass Gärtnereien vorgezogene Jungpflanzen von Zuliefererbetrieben kaufen, die sie nur noch in Töpfe stecken. Das Wissen über Vermehrungsmethoden, Wuchsverhalten und Eigenschaften der Pflanzen geht so immer mehr verloren. Über kurz oder lang verlernt auf diese Weise unser Berufsstand sein eigenes Handwerk. Das wollen wir keinesfalls unterstützen! Bei all deinem Tun scheint es dir also wichtig zu sein, traditionelles gärtnerisches Können zu bewahren, auch weiterzugeben – andererseits finde ich dich sehr modern. Googelt man im Internet eine beliebige Pflanze, erscheint oftmals als erstes die Gaissmayer- Website. Wie gelingt dir dieser Spannungsbogen, Traditionelles und Modernes zu vereinen? Dieter: Ich möchte es nochmal sagen, das bin nicht ich allein. Zwar bin ich immer noch der „Frontmann“, arbeite aber zusammen mit unserem großen Team von Vollblutgärtnern und –Gärtnerinnen, die begeistert bei der Sache sind, wir alle arbeiten gemeinsam ständig an den Sortimenten. Alle sind sie mit Leidenschaft dabei. Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig, nicht nur die Tradition hochzuhalten, sondern auch den Blick wach in die Zukunft zu lenken. Es ist immer toll, wenn junge Leute kommen, die garteninteressiert sind. Wenn es uns gelingt, eine schlummernde Begeisterung zu wecken, sie gar weiter zu schüren, freut uns das. Nur die Jungen können irgendwann unsere Liebe zum Beruf und die Zukunft von Gärten und Gartenkultur weitertragen. Wir können uns über mangelnde Bewerbungen nicht beklagen. Viele machen bei uns eine Ausbildung oder ein Praktikum, aber das ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, die Gärtnereien haben große Nachwuchssorgen. Qualität liegt dir sehr am Herzen, vor allem Bio- Qualität! Was kann der Kunde, wenn er in deiner Gärtnerei einkauft, erwarten? Dieter: Aus meiner Sicht ist es so, dass die inneren Werte von Pflanzen etwas ganz was Wichtiges sind. Wir Schwaben verwenden gern den Satz; „außen hui und innen pfui“, und der scheint im Augenblick ganz besonders aktuell zu sein, wenn man auf die inneren Werte der Pflanzen zu sprechen kommt. Die Art und Weise, wie Pflanzen gezogen worden sind, kann unter anderem fatale Folgen haben. Beispiele gäbe es viele. Nehmen wir die Astern: Wenn gleich viele Stecklinge in einem Container gesteckt werden, um sie in „Schnellkultur“ blühend zu verkaufen, können sie keine Überwinterungsorgane bilden – eine besonders bei Großproduzenten durchaus handelsübliche Methode. Pflanzt man solche Stauden aus, werden sie den Winter nicht überstehen. Immer häufiger werden Stauden (und auch Rosen) aus Kostengründen z.B. in Spanien und anderen Ländern mit wesentlich milderem Klima herangezogen. Mangels Abhärtung führt dann schon der leichteste Frost zu Schäden. Das ist unsere Sache nicht! Wir wollen, dass unsere Pflanzen im Garten unserer Kunden gut und willig weiterwachsen. Es ist ja auch so, dass immer noch häufig Torfsubstrate verwendet werden, weil es das Billigste ist… Das ist kein guter Weg! Die Umstellung auf normalen Gartenboden ist dann oft schwierig, wenn sie vorher so einen Luxuskonsum hatten… Turbopflanzen wollen wir also nicht. Auch die Sortenechtheit ist uns ganz wichtig. Wir möchten, dass die Sorten auch stimmen, die wir unseren Kunden anbieten. Bio ist für uns dabei nur ein Punkt unter vielen, ein Teil des notwendigen Denkens in Zusammenhängen. Wir wollen unseren Kunden Mehrwert und Inhalte bieten! Wir stehen für Gartenkultur. Bei uns werden Pflanzen nicht produziert, sondern nachhaltig kultiviert. Das ist uns sehr wichtig, denn da steckt der Begriff „Kultur“ drin. Das heißt; wir schaffen Gartenkultur – und das Tag für Tag. Das ist etwas, was ich mir generell wünschen würde. Schön wäre, wenn es noch mehr Kollegen gäbe, die so denken und handeln. Kollegen, die sich ganz klar abgrenzen von den Massenproduzenten, den industriellen Prozessen, wo dann riesige Mengen an Pflanzen auf den Markt geschmissen werden. Da gibt es ja auch den fürchterlichen Begriff „Verbrauchsstaude“ oder „Wegwerfstaude“. Pflanzen, die dann zur Blüte irgendwo rumstehen und später auf dem Müll landen. Das würde ich überhaupt nicht wollen, dass unsere Pflanzen so behandelt werden. Sondern es sind wertvolle Geschöpfe, die ein langes Leben im Garten verdient haben. Es heißt auch, bei Gaissmayer ist immer was los! Ihr habt auch außerhalb eures Tagesgeschäfts viele Gäste auf der Jungviehweide. So locken Vorträge, feste und unterschiedliche Veranstaltungen zahlreiche Besucher an. Das sieht nach einem Rundumwohlfühlpaket für Garten- Liebhaber aus. Dieter : Das große Gelände hier heißt „Jungviehweide“, ich spreche in diesem Zusammenhang gern von dem „grünen Netzwerk auf der Jungviehweide“. Das ist einmal die Staudengärtnerei, dann ist aber hier auch die Stiftung Gartenkultur mit dem Museum der Gartenkultur aktiv und mit den Themen-Gärten im Außengelände spielt der Verein „Förderer der Gartenkultur“ eine wichtige Rolle. Er wirkt als tatkräftiger Veranstalter und pflegt diese als „Pflanzenkabinette“ bezeichneten Themengärten. Auch der Gartenbauverein von Illertissen und die Imker der Umgebung sind da, und das alles wirkt im Prinzip zusammen. Wir bieten den Besuchern einen Ort, an dem man locker einen Tag verbringen und sich mit Pflanzen und dem grünen Leben befassen kann. Unser Museumscafé ist von Mitte März bis Mitte Oktober geöffnet. Auch bieten wir eine große Vielfalt von Veranstaltungen an: von Rundgängen über Seminare, Workshops, Museumsführungen bis hin zu großen Veranstaltungen, wie die seit 20 Jahren stattfindende Illertisser Gartenlust. Das ist unser größtes Event. Jahr für Jahr kommen bis zu 15.000 Leute. Welche Pflanzen möchtest du deinen Kunden wärmstens ans Herz legen, weil sie einfach toll sind? Dieter : Wir haben ja Themenschwerpunkte, und einer davon ist ganz eindeutig der Phlox. Der hohe Phlox, aber auch die robusten Breitblatt- und Waldphloxe, da haben wir ein Riesensortiment. Der hohe Phlox (Phlox paniculata) ist Opfer des Klimawandels. Er braucht zunehmend einen optimierten Standort. Also eher feucht genug, nicht zu heiß und eher absonnig bis halbschattig. Dem Breitblattphlox (Phlox amplifolia) habe ich mich besonders verschrieben. Mit Unterstützung von Walther Schimana, einem Kollegen, haben wir inzwischen viele attraktive Sorten ins Sortiment nehmen können. Breitblattphloxe sind deutlich hitze- und trockenheitsverträglicher als die meisten Sorten der Paniculata-Gruppe. Phloxe mit ihrer Blütenfülle und Pracht sind einfach toll. Aber eigentlich ist ja Hopfen meine absolute Lieblingspflanze. Hopfen gehört zu den Stauden, was es unter den Kletterpflanzen ja gar nicht allzu häufig gibt. Und schön ist er… Es gibt sehr attraktive Sorten wie die Hallertauer Perle. Diese rein weiblichen Pflanzen haben wunderschöne „Zäpfle“… Und wenn man denkt, dass man davon auch noch einen Nutzen hat! Schwaben lieben Pflanzen, die einen Mehrwert bieten. Und Hopfen hat einen gigantischen, großartigen, tollen Mehrwert – in flüssiger Form! Übrigens gibt es bei uns auch eine Aromawerkstatt. Hier kann man beispielsweise lernen, wie aus Hopfen im Destillationsprozess wertvolles Hopfenöl gewonnen wird. Auf Hopfenkissen schläft man wunderbar. Wacht man auf ihnen auf, ist man einfach nur selig und für den Biergenuss sorgen hier etliche hervorragende kleine Brauereien. Dem Himmel sei Dank! Hast du selbst einen Privatgarten, wo du ganz privat bist und vielleicht in der Abendsonne mal gern ein Feierabend- Bier trinkst? Dieter : (Lacht herzhaft)…… da muss ich wohl mit Ja und Nein antworten. Na klar hab’ ich einen Garten, ein leidenschaftlicher Gärtner und Sammler braucht sowas! Aber die Regie hab’ ich freudig abgegeben – an jemanden, der mir an Pflanzenwissen, Forscherdrang und Leidenschaft mittlerweile um Längen voraus ist – meine Frau Heike. Aber in so mancher Ecke gehe ich meinen eigenen Experimenten nach und freu’ mich an den verschiedensten Pflanzen, wie der traumhaften einjährigen Doldenschönheit Ammi majus „Graceland“ oder dem tollen Tautropfengras Sporobolus heterolepis „Cloud“ – übrigens eine Wiederentdeckung der modernen Pflanzenverwendung, denn es wurde schon 1908 in „Möllers Deutsche Gärtner-Zeitung“ erwähnt. Seinen Duft müsste man einfangen können! Und das Feierabendbier ist für einen Hopfenfreund wie mich natürlich unverzichtbar! Herzlichen Glückwunsch zu 40 Jahren Gärtnerei Gaissmayer! Danke fürs Gespräch lieber Dieter PS: Falls du wissen möchtest, was auf der Jungviehweide noch so stattfindet, dann lies auch diesen Beitrag von Georg Effner über die Illertisser Aromakultur und was man über Pflanzendüfte so alles wissen sollte.  Vom Zauber der Pflanzendüfte. Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen.... Ich habe dort meine Beete besichtigt, die ich  anlässlich des 40igsten Jubiläums geplant habe und die auf dem Gelände der Gartenakademie nun sehr üppig wachsen. Nahrhafter Wiesenboden, meint Dieter. Hach, ich habe mich sehr gefreut. Alles war gut gepflegt von den Mitgliedern des Vereins zur Förderung der Gartenkultur Förderer der Gartenkultur e.V. Danke für diese Mühe an die fleißigen Mitgliedern! Hier einige Eindrücke der drei Beete:

  • VOM ZAUBER DER PFLANZENDÜFTE - EINE KLEINE AROMENKUNDE

    Ein Gastbeitrag von Georg Effner Georg Effner wohnt in Schönau, einem kleinen Dorf bei Eggenfelden in Niederbayern. Der gelernte Staudengärtner studierte an der FH Weihenstephan Gartenbau und verwirklichte als Destillateur mit dem Projekt "Rottaler Aromaöle – ätherische Öle aus Bayern" die Idee, den heimischen Kräuteranbau mit der handwerklichen Öldestillation zu verbinden. Bevor er sich diesen Traum erfüllte, arbeitete er 5 Jahre als Versuchstechniker am Institut für Zierpflanzenbau der TU München. In Eggenfelden widmete er sich 15 Jahre als Staudengärtner dem Spezialsortiment an Heil- und Gewürzpflanzen. Im Erzeugerringes Heil- und Gewürzpflanzen, Bayern e.V. und Mitglied von Ökoplant e.V. einer Interessengemeinschaft von ökologisch wirtschaftenden Heilpflanzenanbauern, war er aktiv und so schon immer ganz nah am Thema. Georg war 18 Jahre Betriebsleiter der Staudengärtnerei einer Jugendberufshilfeeinrichtung in Straubing. Dort kümmerte er sich um die berufliche Wiedereingliederung von jungen Menschen mit psychischen Problemen. Endlich im Jahr 2000 machte er seinen Traum wahr. Er gründete die Rottaler Aromaöle mit dem Ziel, Kräuter aus heimischem Anbau zu destillieren. Seit 2018 genießt er nun seinen Ruhestand und ist Projektpartner der Illertisser Aromakultur in der Staudengärtnerei Gaissmayer. In Illertissen habe ich Georg auch kennengelernt. Dort habe ihn gefragt, ob er uns in die Geheimnisse der natürlichen Duftöle einweiht. Hier ist sein spannender Artikel. Aroma - Was ist das eigentlich? Der Begriff Aroma stammt aus dem Griechischen άρωμα und ist gleichbedeutend mit Duft oder Geschmack. Den Geschmack oder das Aroma unserer Gemüse versehen wir mit Attributen wie süß, bitter, erdig, fruchtig oder würzig, hervorgerufen durch Kohlenstoffverbindungen aus der Stoffgruppe der cyclischen Aromaten, der Fettsäureester und Lactone. Wohlriechende Fruchtester hingegen sind eher flüchtige Verbindungen aus der Stoffgruppe der ätherischen Öle. Auch die aromatischen und duftenden Blumen und Gehölze unserer Gärten sind vielfach ätherisch-öl-haltige Pflanzen. Im Folgenden wollen wir nun aus dem Blickwinkel des Gärtners und Botanikers einige dieser duftenden Schätze unserer Gärten betrachten. Zunächst ein kleiner Exkurs in die Botanik zu den "Duftbehältern“ der Pflanzen Zur Speicherung von ätherischem Öl haben die verschiedenen Pflanzengattungen spezielle Exkretionsgewebe ausgebildet: Äußere Öldrüsen: Drüsenhaare – an Blütenstängeln, Muskatellersalbei, Rosa rubiginosa Drüsenschuppen – Asteraceae und Lamiaceae Innere Öldrüsen: Ölzellen – Lorbeergewächse, Pfeffer- und Zingibergewächse Ölbehälter – Zitrus-, Johanniskraut- und Myrtengewächse Ölgänge – Doldengewächse wie Anis, Dill, Engelwurz, Fenchel, Kümmel Diese „Ölbehälter“ befinden sich je nach Pflanzenart in verschiedenen Organen der Pflanzen: bei den Familien der Lamiaceae, Asteraceae und Verbenengewächse finden wir sie auf der Blattunterseite, an Stängeln und an Kelchblättern. bei Doldenblütlern (Apiaceae) vorwiegend in Wurzeln und Samen bei Koniferen in Nadeln und in Harzgängen des Holzes und der Borke bei Citrus-Arten in den Schalen der Früchte, aber auch in Blättern und Blüten (Neroli) Lavendel, die wohl bekannteste Duftpflanze Die wohl größte Gruppe der aromatischen Pflanzen unserer Gärten sind mediterrane Kräuter und Stauden, die meisten gehören zur Familie der Lamiaceae. Diese Lippenblütler bilden oberflächennahe Drüsenschuppen an ihren Blättern, Blütenstängeln und Kelchblättern aus, so dass wir ihren Duft durch Berühren förmlich „erspüren“ können (Kontaktdufter). Jeder Stängel des Lavendel ist mit zahlreichen walzenförmigen Blütenkelchen besetzt, aus deren Kopfende die lila Blütenblätter ragen. Nur an diesen Kelchblättern sitzen, von einem dichten Haarfilz geschützt, die zahlreichen Drüsenschuppen, die das ätherische Öl enthalten. Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen zeigen die prallen, etwa 0,05 mm großen, ölgefüllten Drüsenschuppen auf der Oberfläche der Blütenkelche von Lavandula angustifolia L. REM Aufnahmen Dr. Reinhard Hemmer Aromatische Kräuter Diese Ausprägung der Drüsenschuppen an Kelchblättern finden wir bei nahezu allen unseren aromatischen Kräutern wie Basilikum, Bohnenkraut, Majoran, Origanum, Rosmarin, Salbei, Ysop, bei diversen Thymianarten und Minzen. Auch die Blätter und Blütenstängel tragen Drüsenschuppen. Die sezernierenden Zellen der Pflanzen sondern das ätherische Öl durch die Zellwände in den Bereich unterhalb der Cuticula ab. Die Cuticula (= wächserne Schutzhaut der Epidermis) wölbt sich dadurch stark empor. REM Aufnahmen Dr. Reinhard Hemmer Frische Minzen Bei den Minzen sind diese „Ölzellen“ schon mit einer guten Lupe auf der Blattunterseite zu erkennen. Die Aufnahmen rechts zeigen deutlich wie dicht die Kelchblätter der Pfefferminze mit Drüsenschuppen besetzt sind. Eine Destillation im knospigen Stadium erhöht die Ausbeute an ätherischem Öl. Sehr viel spärlicher verteilt sind die Drüsenschuppen auf den Blättern der Zitronenmelisse. Entsprechend gering ist daher der Ölertrag der Pflanzen. Das pharmakologisch sehr wertvolle Melissenöl ist aus diesem Grunde sehr teuer. Bilder oben, Binokular-Aufnahme R. Rinder, Karin Müller REM Aufnahmen Dr. Reinhard Hemmer Duftende Korbblütler  Eine weitere große Gruppe, die mit ihrer Vielfalt unsere Gärten bereichert sind die Körbchenblütler, aus der Familie der Compositae, nunmehr Asterceae. Auffällige duftende Vertreter sind die heimische Schafgarbe, Achillea millefolium und die Echte Kamille, Matricaria recutita , die mit ihrem tiefblauen Öl bezaubern. Aufnahmen oben: Karin Müller Blumig weiche Düfte Die als Duftkissen beliebte Römische Kamille, Chamaemelum nobile. wird auch in der Aromatherapie sehr geschätzt. Ein hoher Esthergehalt verleiht ihrem ätherischen Öl ein besonders blumiges, weiches Aroma, sie wird deshalb auch als Wohlfühl-Kamille bezeichnet und findet in Pflegeölen und Badezusätzen Verwendung. Aber nicht nur „Asternblütige“ gehören zur Pflanzenfamilie der Asteraceae, sondern auch das silberblättrige Currykraut, Helichrysum italicum und die vielen formenreichen Artemisia-Arten mit ihren strahlenlosen Blüten. Beifuß, Estragon und  Eberraute sowie all die filigranen, silbrigen Wermutgewächse Artemisia absinthium, A. femina, A. pontica, sowie die für rituelle Räucherungen verwendete und  Prairie Sage genannte Artemisia ludoviciana, erweitern diesen Reigen. Die aromatischen Vertreter der Asteraceae bilden köpfchenförmige Drüsenschuppen, die ebenfalls vermehrt an den Kelchblättern zu finden sind. Aus diesem Grunde werden hier ausschließlich die blühenden Kräuter destilliert, um ihr ätherisches Öl zu gewinnen. Der aromatische Duft von Fenchel und Dill  Doldenblütler stellen eine weitere bedeutende Gruppe aromatischer Gartenpflanzen. Dill, Fenchel, Wilde Möhre und Kümmel entfalten mit ihrer filigranen Erscheinung einen besonderen Reiz in steppenartigen, naturnahen Pflanzungen. Hingegen sind die stattlichen Erscheinungen von Engelwurz, Angelica archangelica und Meisterwurz, Peucedanum ostruthium, wegen ihrer phototoxischen Wirkung mit Bedacht auf nährstoffreichen, frischen Böden zu verwenden. Die Doldenblütler sind oft zweijährig und speichern ihr ätherisches Öl in Samen und Wurzeln. Durch Auseinanderweichen der angrenzenden Zellen entstehen schlauchförmige Hohlräume, sogenannte schizogene Ölgänge . Diese sehen wir als Striemen an den Spaltfrüchten von Dill, Kümmel, Anis, Engelwurz, Fenchel, Karotte und Koriander. REM Aufnahmen Dr. Reinhard Hemmer Harzige Aromen Ätherischen Öle wie der der Apiaceaen, haben zumeist eine angenehm warme, würzige Note. Koniferen sind hinreichend bekannt für ihren Gehalt an ätherischen Ölen und deren helle, klärend-frische Noten, die vor allem durch die Substanzen Pinen, Limonen und Camphen bestimmt werden. Bei den Nadelhölzern Douglasie, Fichte, Kiefer, Lärche, Zirbel, Zeder bilden im Stammholz verlaufende Harzkanäle ein vernetztes System. Die Innenwände dieser schlauchartigen Hohlräume sind mit harz-ausscheidendem Drüsengewebe ausgekleidet. Bei Verletzungen des Kambiums quellen die Epithelzellen und das Harz wird an die verletzte Stelle gedrückt. Tannen bilden ihr Harz in der Rinde. Das Holz von Eibe und Wacholder ist dagegen harzfrei. Zur Gewinnung des Harzes werden diese Verletzungen gezielt herbeigeführt z.B. bei Weihrauch, Styrax, Benzoe und anderen Balsambaumgewächsen, den Burseraceaen. Aromen aus dem Süden Mediterrane Kübelpflanzen sind aus unseren Gärten nicht mehr wegzudenken. Viele von ihnen enthalten ebenfalls ätherische Öle in ihren Blättern oder in der Rinde. Eine besondere Strategie haben dabei die Lorbeergewächse, die Raute- und einige Malvengewächse wie die Zistrose entwickelt: Die Gewürzrinde Cassia , Zimt- und Kampferbaum, der Gewürzlorbeer Laurus nobilis und die Zitrusbäumchen speichern ihr ätherisches Öl im Inneren lebender Zellen, den Ölzellen. Dies kann man insbesondere bei den Zitrusblättern als ölig durchscheinende Punkte beobachten. Eine besondere Rolle spielen dabei die Zitruspflanzen. Sie bilden zusätzlich an ihren Fruchtschalen große Poren aus. Lysigene Ölbehälter Durch das Auflösen der Zellwände von Sekretzellen entstehen sekundäre Hohlräume in die ätherisches Öl abgesondert wird. Dies kennen wir insbesondere von den Zitrusfrüchten Bitterorange, Bergamotte, Manderine, Orange Pampelmuse und Zitrone . Auch die Myrtengewächse wie  Eucalyptus, Melaleuca-Arten und die Gewürznelke Syzigium aromaticum zeigen diese Erscheinung. Mein Fazit Ätherische Öle begegnen uns heute in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Wir finden sie als Aromastoffe in Lebensmitteln und Getränken und als Wirkstoffe in Naturheilmitteln. Diese fettlöslichen, flüssigen und leicht flüchtigen Stoffgemische sind mithin die wichtigsten Inhaltsstoffe unserer Heil- und Gewürzpflanzen. Pharmakologisch werden sie wegen ihrer anregenden, krampflösenden oder keimhemmenden und entzündungswidrigen Wirkung in den verschiedensten Arzneimitteln eingesetzt. In der Aromatherapie gezielt angewendet, können sie hormonelle, nervliche und psychische Reaktionen hervorrufen. Im Zuge der rasch wachsenden Nachfrage sind Qualität und Kontrolle stark vernachlässigt worden. Auch bei teuren Ölen mit medizinischer Indikation, wie Zitronenmelisse, Angelika oder Kamille sind Verfälschungen mit synthetischen Essenzen im Handel. Bezeichnungen wie 100% naturrein oder der Kauf in der Apotheke geben keine Garantie für ein naturbelassenes Öl. Die gesundheitlichen Risiken einer therapeutischen Anwendung synthetischer Öle sind erwiesen, jedoch nicht hinreichend publik. Auf dem Sektor der billigen Duftöle ist die Situation noch gravierender. Euer Gerorg Effner Du willst mehr über Düfte und Aromen wissen? Falls du es selbst mal ausprobieren und wissen möchtest, wie man Aromen aus Pflanzen destilliert, dann habe ich hier einige dufte Tipps für dich: - Als Projektpartner der »Illertisser Aromakultur« vermittelt der langjährige Inhaber der Rottaler Aromaöle in verschiedenen Workshops und Seminaren das Wissen rund um die Destillation in der Gartenakademie der Gärtnerei Gaissmayer. - Pflanzliche Öle gibt es hier zu kaufen. Bücher zum Thema Aromaöle findest du hier: Aromapflege Handbuch* Das große Buch der Pflanzenwässer* Mein duftes Jahr - mit zwölf ätherischen Ölen durch die Jahreszeiten* Das Kokos Buch * Und vielleicht interessiert dich auch das: Hier findest du ein Interview zum 40.igsten Geburtstag mit Dieter Gaissmayer. Bis zum nächsten mal wünsche ich dir eine duftende, entspannte Zeit! Bleib natürlich Petra Hinweis: Die mit Sternchen ( * ) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. 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