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ALLROUNDER-STAUDEN: LÖSUNGEN FÜR WECHSELFEUCHTE STANDORTE




Kennst du auch diese knifflige Herausforderung bei schwankenden Standortbedingungen? Mal zu trocken – mal zu nass! Während es in den anderen Beeten fröhlich sprießt und blüht, streikt ausgerechnet diese verflixte Gartenecke herum. Zum Glück gibt es wahre Allrounder für Problemstellen, die mühelos mit wechselnder Feuchtigkeit und Trockenheit jonglieren.


Kurz vorab: die Pflanzen in diesem Artikel sind nicht dafür geschaffen langanhaltenden Trockenstress zu tolerieren. Sie sind in feuchten Böden “zu Hause”, trotzen aber zeitweiligen Trockenperioden und Überschwemmung – eine Eigenschaft, die auf ihre bemerkenswerte Standortamplitude zurückzuführen ist.


Die Auswirkungen der Klimakrise, sei es durch längere Trockenphasen oder ungewöhnliche Nässeperioden, stellen zusätzliche Herausforderungen dar und bringen manch durchdachtes Bepflanzungskonzept aus dem Tritt.



Bild oben: Heracleum sphondylium im niederländischen Friesland

Gefragt sind daher vermehrt vielseitige Pflanzen für problematische Zonen, die selbst bei erheblichen Schwankungen im Wasserhaushalt eine gute Figur machen.

Hier werden unsere eigentlichen Bepflanzungsideen auf eine harte Probe gestellt. Glücklicherweise bietet die Natur spezialisierte Pflanzenarten, die selbst in extremen Umgebungen zumindest zeitweise noch zuverlässig funktionieren oder sich regenerieren können, sobald normale Bedingungen wiederhergestellt sind.


Bei wechselhaften Standorten unterscheidet man wechselhaft trockene Standorte von feuchten bis wechselfeuchten Standorten. Hier wachsen unterschiedlich angepasste Pflanzenarten.


Bild oben: Aconogonon speciosa, Salvia nemorosa und Veronicastrum


Was ist ein wechselhaft trockener Standort?


Optimal für diesen Standort sind Pflanzen, die natürlicherweise in mäßig trockenen Wiesen und entlang der Ränder von wechselhaft trockenen Gehölzen gedeihen. Oft findet man sie in Vertiefungen, wo sie in der Regel nur im regenreichen Frühling oder Herbst anhaltend feucht stehen. Dabei handelt es sich oft um Pflanzen, die entweder früh oder spät im Jahr blühen und während der niederschlagsarmen Sommermonate eine Ruhephase im Wachstum einlegen. Diese Pflanzen verfügen häufig über unterirdische Speicherorgane wie Zwiebeln und Knollen und reduzieren entweder ihr Wachstum oder ihre Blattmasse auf ein Minimum während Trockenperioden im Sommer.


Was ist ein feuchter bis wechselfeuchter Standort?


Interessanter für die immer häufiger auftretenden Wetterkapriolen sind Pflanzen, die entlang von Gewässern wachsen. Sie haben sich an größere Schwankungen im Wasserhaushalt angepasst. Sie überstehen zeitweise Überflutungen genauso wie dauerhafte Feuchtigkeit oder periodische Austrocknung des Bodens. Dank ihrer Anpassungsfähigkeit eignen sie sich oft hervorragend für die Bepflanzung von “Problemzonen” im Garten, sei es in feuchten Senken oder Gräben, am Teichrand oder an Stellen, die bei Starkregen periodisch überflutet werden.



Bild oben: Cirsium rivulare, Euphorbia und Amsonia, ega-Park Erfurt Foto: Sylvia Knittel


Herausforderungen frisch-feuchter Böden


Was pflanzt man denn aber an solchen Standorten, deren Bedingungen für das Pflanzenwachstum so weit auseinanderliegen?


Betrachten wir die Situation näher; Schwankende Bodenverhältnisse stellen vor allem in Gebieten mit frisch-feuchten, lehmreichen oder tonhaltigen Böden eine Herausforderung dar. Wechselfeuchte Standorte sind typischerweise tiefgründig mit einem signifikanten Lehmgehalt, frisch-feucht oder wechselfeucht und nährstoffreich.


Oft sind sie verdichtet und haben einen geringen Luftaustausch, wie sie oft bei Minutenböden vorkommen. Sie sind das extreme Beispiel: ihr hoher Tonmineralgehalt sorgt für diese Verdichtung, was wiederum zu einer geringen Wasserdurchlässigkeit und zu einem hohen Wasserhaltevermögen führt. Schrumpfen diese Böden, so entstehen Risse und Krusten. Diese Böden sind für Pflanzen schlecht durchwurzelbar und sind sehr kalt.


Allerdings sind nicht alle schweren Böden so extrem. Lehmböden haben aufgrund ihrer Zusammensetzung eine mittlere Bearbeitbarkeit und sind meist wertvolle Ackerböden, insbesondere, wenn sie eine günstige Krümelstruktur haben. Fehlt ihnen dieses Krümelgefüge, können sie verschlämmen und so vernässen.




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Bild oben: Euphorbia palustris mit Begleitern


Kreative Pflanzkonzepte: Wildstauden und Gräser für wechselfeuchte Standorte


In solchen Umgebungen gedeihen normalerweise nur robuste Stauden, wie Sumpfwolfsmilch Euphorbia palustris, Wasserdost Eupatorium oder Mädesüß Filipendula.


Die Arten sind nicht besonders widerstandsfähig gegenüber extremen Trockenheitsbedingungen. Dennoch können sie vorübergehende Trockenperioden gut überstehen und gedeihen wieder prächtig, sobald ausreichend Nährstoffe und Wasser verfügbar sind.




Bild oben: Hesperis matronalis im Frühjahr

Das Frühjahr im wechselfeuchten Staudenbeet


Frühblüher können sich aufgrund der langsamen Erwärmung des grundfeuchten und kalten Bodens kaum entwickeln.


Unter etwas günstigeren Bedingungen kann sich jedoch die Wald-Schlüsselblume Primula elatior gut vermehren und setzt als Vorläufer der spät austreibenden Stauden einen erfrischenden Frühlingsakzent.


Diese lässt sich wirkungsvoll mit der Schachblume Fritillaria meleagris kombinieren. Das Kaukasische Vergissmeinnicht Brunnera macrophylla schmückt als Blattschmuckstaude den Vordergrund des Staudenbeetes und bietet mit seinem weißbunten oder grünen Laub sowie der Blütenfülle im April einen hübschen Farb- und Formkontrast.


Die Trollblume Trollius x cultorum setzt zwischen den hohen austreibenden Stauden leuchtend orangegelbe Tupfer. Das Duftveilchen Viola odorata breitet in dieser Zeit bodennahe Teppiche aus und zieht sich mit der Zeit unter höhere Stauden und Gehölze.



Bild oben: Sanguisorba mit Rudbeckia nitida

Im Sommer geht es hoch hinaus


Der Staudengarten entwickelt sich allmählich, gewinnt an Höhe und Blattmasse. Stauden wie der Röhrenstern Amsonia tabernaemontana subsp. salicifolia, und Sumpfwolfsmilch Euphorbia palustris entwickeln stattliche Laubhorste und beginnen zu blühen.


In den Sommermonaten entwickeln sich die Blütenkerzen des Kerzen-Greiskraut Ligularia przewalskii oder grasartigen Schopfe der Hohen Taglilien Hemerocallis-Hybriden. Sie schaffen einen faszinierenden Anblick.


Der Blut-Weiderich Lythrum salicaria oder Lythrum virgatum ist im August mit seinen leuchtend karminrosa Blütenkerzen ein unentbehrlicher Blickfang im wechselfeuchten Staudenbeet, während der Wasserdost Eupatorium cannabinum durch seine solitäre Höhe und elegant hanfartig gelappten Blätter beeindruckt.


Das Grundgerüst einer größeren wechselfeuchten Fläche können Leitstauden, wie Bergknöterich Aconogonon speciosa, Elfenraute Artemisia lactiiflora oder Haarstrang Peucedanum verticillare bilden.


Auf kleineren Flächen eigenen sich eher Gräser wie Pfeifengras Molinia arundinacea oder Funkien Hosta Hybriden. Sie setzten höhere Akzente und leiten das Auge durch die Pflanzung, gliedern die Fläche und bilden durch den Rhythmus und die Wiederholung eine Einheit in der Wirkung.


Auf größeren Flächen können eindrucksvolle Farbkombinationen mit gleichzeitig blühenden größeren Gruppen geschaffen werden. Der Kerzenknöterich Persicaria amplexicaulis spielt dabei eine wichtige Rolle. Er neigt in der Sonne zu Verbrennungen, ist jedoch im Halbschatten gut trockenheitsverträglich und verträgt sogar Wurzeldruck größerer Bäume. Der Kerzenknöterich blüht erneut, wenn der erste Flor nach dem Welken abgeschnitten wird und die Pflanze ausreichend mit Nährstoffen versorgt ist.


Der Kandelaberehrenpreis Veronicastrum virginicum fügt mit ihren weißen oder violett blauen Blüten und duftenden Akzenten einen weiteren Höhepunkt hinzu. Diese Blüten sind ein toller Insektenmagnet.


Stattliche Strukturgeber im Staudenbeet


Besondere Solitärstauden zeichnen sich durch Wuchshöhe, besondere Blattstrukturen und auffällige Blüten aus. Dazu gehören Gelbe Wiesenraute Thalictrum flavum, Wiesen-Bärenklau Heracleum sphondylium ‘Pink Cloud’ oder Indigolupine Baptisia Hybride. Aber auch Gräser wie Chinaschilf Miscanthus sinensis, das Bergreitgras Calamagrostis varia oder das Pfeifengras Molinia arundinacea sind geeignet.



Bild oben: Amsonia tabernaemontana mit schöner Laubfärbung im Herbst

Geeignete Gehölze für den Hausgarten


Für Standorte mit wechselnder Feuchtigkeit gibt es auch passende Gehölze. Einige Beispiele stammen aus unseren heimischen Auwäldern, die zeitweise überschwemmt sind und Arten wie Salix alba, Populus nigra und Alnus glutinosa hervorbringen.


Doch sollten dies die einzigen Baumarten sein, die in solchen Umgebungen gepflanzt werden – oder können wir auf andere Gattungen, Arten und Sorten zurückgreifen, um hier für Artenvielfalt und Abwechslung zu sorgen? Mit der zunehmenden Nässe, kombiniert mit der Erderwärmung, könnte das Leben einiger einheimischer Gehölze erschwert werden. Daher lohnt es sich, sich umzusehen und zu entdecken, was in anderen Klimazonen wächst.


Wie wäre es zum Beispiel mit der Baummagnolie Magnolia kobus, dem Amberbaum Liquidambar styraciflua oder dem Eisenholzbaum Parrotia persica. Alle diese Gehölze sind attraktive Gartenbäume, die je nach Größe des Gartens für Schatten sorgen können und sich gut an wechselnde Bedingungen anpassen und zeitweise Überschwemmungen oder Trockenheit vertragen.


Zur Erinnerung; Trockenstress vertragen diese Pflanzen nicht. Aber sie überstehen zeitweilig trockene Perioden und wachsen willig weiter, sobald ihre Wohlfühlumgebung wiederhergestellt ist.


Bleib natürlich

Petra




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