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DEIN GARTENBODEN – MAL GANZ PERSÖNLICH


Regenwürmer im Gartenboden


Ein Gastbeitrag von Sonja Medwedski



Ein unterirdisches „Hallo“ liebe Garten-Fans! Heute darf ich, dein Gartenboden, mal höchstpersönlich zu Wort kommen und euch mitnehmen auf eine kleine Entdeckungsreise in meine gärtnerische Unterwelt. Meist nimmst du mich eher als still, dunkel und unauffällig wahr, doch in mir verbirgt sich ein wahres Universum. Ich bilde für deine heimische Wohlfühl-Oase buchstäblich die Grundlage. Ohne mich und meine vielen verschiedenen Eigenschaften und Fähigkeiten hätte dein Garten nicht viel zu bieten. Daher schauen wir heute mal etwas genauer „unter die Oberfläche“.


Was versteht man unter dem Begriff Gartenboden?


„Gartenboden“ ist dabei übrigens lediglich ein Oberbegriff für die vielen Mitglieder meiner bodenkundlichen Familie. Und diese Familie kann genauso vielfältig daherkommen, wie die Vielfalt in eurer menschlichen Welt. Da gibt es alte und junge Familienmitglieder, die einen sind eher sandig, die anderen eher tonig, manche nur wenige Dezimeter mächtig und andere über einen Meter tief entwickelt. An einem Ort werde ich von euch Menschen vielleicht seit über 100 Jahren als Garten genutzt und an anderer Stelle wurde das Neubaugebiet gerade erst fertiggestellt.


Ihr Menschen schaut häufig auf meine oberen Zentimeter: mein Oberboden (oder auch Mutterboden genannt) liegt im Fokus eures Interesses. Doch mit diesen 20-30 Zentimetern allein ist es meist nicht getan. Unter der dunkelbraunen Krume wird es oft erst richtig spannend, wenn sich beim Blick in den Untergrund offenbart, zu was für einem Gefüge sich meine Bodenzutaten verbunden haben, ob ich vielleicht verdichtet bin und Probleme mit Stauwasser habe oder ob alles fast schon zu locker ist und der Regen nur so durch mich hindurchrauscht.


Je nach meiner Ausgangslage bekommt deine Gartenplanung eine mehr oder weniger geeignete Grundlage. Bevor du beginnst, dir eine bunt blühende, abwechslungsreiche und strukturierte Bepflanzung deiner Beete auszumalen, schaue zunächst nach unten – auf eben diese wichtige Grundlage. Dir ist sicher nicht neu, dass auf mir als Boden nicht jede Pflanze gleich gerne wächst: wo die einen tolerant sind gegenüber einem eher kargen Sandboden, bestehen andere kompromisslos auf einen humosen und nährstoffreichen Untergrund, in den sie ihre Wurzeln verankern können. Nicht selten kollidieren da eure menschlichen Wünsche und Ansprüche für einen schönen Garten mit meinen tatsächlichen Eigenschaften. Um hier Enttäuschungen und braunen, kümmerlichen Pflanzen vorzubeugen, lernen deinen Gartenboden im ersten Schritt etwas besser kennen. Dafür brauchst du kein Labor oder besondere Hilfsmittel – mit offenen Augen, deinen Händen und dem direkten Bodenkontakt kannst du mit der sogenannten „Fingerprobe“ schnell und im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“, welche Bodeneigenschaften deinen Garten prägen.



Regenwurm im Gartenboden


Den Boden fühlen


Nimm dafür einfach eine etwa walnussgroße Menge von dem Boden in die Hand, für den du die Bodenart bestimmen möchtest. Sortiere zunächst alle größeren Bestandteile heraus, wie z.B. Steine oder Wurzeln. Sollte der Boden zu trocken sein, gib etwas Wasser hinzu, so dass sich die Masse gut formen lässt. Falls es doch zu matschig geworden sein sollte, ergänze einfach wieder etwas trockenen Boden, bis die Mischung stimmt. Nun kann‘s losgehen:


Versuche, die Bodenprobe auszurollen, etwa bleistiftdick…


Hat es geklappt?

Jetzt weißt du schonmal, dass dein Boden recht gut formbar ist und einen beachtlichen Anteil an Schluff und/oder Ton enthält. Versuche im nächsten Schritt, die Bodenprobe auf halbe Bleistiftdicke auszurollen. Wenn auch das gut funktioniert und du zudem in der Rolle einzelne Sandkörner glitzern siehst bzw. fühlen kannst, dann lautet das Ergebnis: Sandiger Lehm

Hat es nicht geklappt?

Dann weißt du nun, dass dein Boden vorwiegend sandig ist. Quetsche anschließend etwas Boden zwischen Daumen und Zeigefinger. Haftet der Boden an deiner Fingerkuppe und ist formbar? Dann lautet das Ergebnis: Lehmiger Sand!  


Auch wenn die beiden obigen Ergebnisse vielleicht ähnlich klingen: ob du einen sandigen Lehm oder einen lehmigen Sand als Gartenboden hast, ist ein großer Unterschied für die Pflanzenwelt.


Das waren jetzt lediglich die ersten Schritte auf der Erkundungsreise in die Bodenart deines Gartens. Vielleicht hast du auch eher einen Boden, den ihr so gerne als „schwer“ bezeichnet, der also viel Schluff und Ton enthält und für euch somit schwerer zu bearbeiten ist als ein sandiges Mitglied meiner Bodenfamilie? Dann darfst du noch etwas mehr kneten, rollen und fühlen, bis du zu deinem Ergebnis gelangst. Es kann übrigens auch sein, dass die Bodenart zwischen deinen Beeten variiert. Auch kann es vorkommen, dass der Mutterboden eine andere Kornmischung aufweist, als der Boden in 40 Zentimeter Tiefe.


Wenn es dir nun in den Fingern kribbelt und du neugierig geworden bist, welche Bodenart die Grundlage deines Gartens bildet, bekommst du eine kostenlose Anleitung auf der Homepage von Sonja Medwedski:




Bodenprobe


Immer schön locker bleiben


Neben dem „handfesten“ Grundgerüst deines Gartenbodens kannst du im nächsten Schritt einen Blick auf meine „inneren Werte“ werfen. Wenn du beispielsweise wissen möchtest, ob dein Boden kalkhaltig ist, träufele ein paar Tropfen Essig-Essenz auf die Bodenkrümel. Je mehr Kalk enthalten ist, desto stärker fängt es an zu schäumen und zu knistern. Ergänzend kannst du meinen pH-Wert messen – Material dafür findest du in jedem Garten- oder Baumarkt.


Daneben schadet auch ein Blick in meine Vergangenheit nicht. Denn Insbesondere im Garten habt ihr Menschen häufig eure Spuren auf und in mir hinterlassen – oft bereits, bevor die ersten Blumen und Sträucher überhaupt ihren Platz gefunden haben. Ehe ich für euch die Funktion als Gartenboden übernehme, war ich meist Schauplatz einer Baustelle. Schau nur heute in die Neubaugebiete deiner Nachbarschaft – da drehen Bagger, LKW und Co. nicht immer sanft ihre Runden auf mir und hinterlassen teils tiefe Spuren, die nicht einfach wieder glattgeharkt werden können. Oft bleibe ich mit so manch tiefsitzender Verdichtung zurück, die unter dem Mantel von ein paar Säcken Blumenerde verborgen wird. Doch spätestens, wenn deine Pflanzen davor kapitulieren, ihre Wurzeln tiefer in mich einzugraben oder das Wasser nicht in mir versickern kann, ist meine Verdichtung nicht mehr zu leugnen.


Neben offensichtlichen Pfützen an meiner Oberfläche kannst du Verdichtungen im Unterboden mit einer sogenannten Bodensonde aufspüren – einer ca. 70 cm langen Metallstange, die du durch mich durchdrückst. Wenn das mit gleichmäßigem Druck klappt, wunderbar. Wenn du jedoch bei einer Tiefe von z.B. 30 Zentimetern kaum mehr durch mich hindurchkommst, kannst du dir vorstellen, dass hier nicht mehr alles wie geplant funktioniert. Je nach Intensität braucht es dann besonders starke Pflanzenwurzeln oder kräftige Regenwürmer, um mich wieder aufzulockern. Deinen Spaten lass‘ dabei übrigens lieber im Schuppen – denn damit würdest du meine ganze bis dahin entwickelte Struktur wieder über den Haufen werfen. Die Verdichtung ist dann vielleicht weg, doch zum Preis von einem völlig gestörten Bodenleben, dass wieder nur eingeschränkt als Gartenboden funktionieren kann. Besser ist da bei besonders starken Verdichtungen die Möglichkeit einer sogenannten Bodenbelüftung – mit kontrollierter Druckluft werde ich dabei von Fachleuten in meinem bestehenden Aufbau gelockert. Die dadurch entstehenden, kleinen Hohlräume können anschließend gleich von den Pflanzen genutzt werden.



Kontrolle des Bodens


Eine Frage der Zeit…


Boden entsteht nicht von heute auf morgen – es braucht Geduld. Und genau beim Thema Geduld treffen häufig zwei Welten aufeinander, wenn das Gärtnerherz sich sehnlichst und so schnell wie möglich eine blühende Pracht oder ertragreiche Ernten wünscht und die Uhren meiner Bodenwelt nun mal etwas langsamer ticken. Zum Vergleich: es braucht ca. ein Menschenleben, bis ein Zentimeter Boden entstanden ist!


Es reicht auch nicht aus, auf einer geplanten Gartenfläche etwas lehmigen Sand hinzuschütten und das Ganze mit 20 Zentimeter Mutterboden zu bedecken. Das wäre in etwa so, als wenn auf einer Baustelle Steine und Mörtel auf einen Haufen geschüttet werden, bedeckt mit ein paar Rollen Tapete und die Baufirma dann sagt: „So, das Haus ist jetzt fertig“. Die Zutaten für ein Haus bzw. einen gesunden Boden sind dann zwar vorhanden, aber noch nicht richtig miteinander verbunden. Diese Verbindungen (beim Hausbau wie im Boden) werden erst nach und nach aufgebaut. Dank meiner unzähligen kleinen Bodenbewohner, den ersten Pflanzen sowie dem Einfluss von Wind und Wetter beginnen die Strukturen im Untergrund zu wachsen mit ihnen ein Boden, der seiner Funktion als Gartenboden alle Ehre machen kann.


Denn ein Aspekt wird häufig vergessen – als Boden bin ich lebendig! Ich bestehe längst nicht nur aus verschieden großen Steinkrümeln (Sand, Schluff, Ton), Wasser und Luft. Meine Bodenbewohner und die organische Substanz spielen eine große Rolle für einen gesunden Gartenboden. Und nur das Teamwork aus Boden, Pflanze, Regenwurm, Bodenbazille und Co. führt am Ende zu Gärten, die das Herz erfreuen. Sie alle haben ihre Aufgabe in meiner Unterwelt und kümmern sich zum Beispiel darum, dass aus mir genug Nährstoffe herausgelöst und an die Pflanzenwurzeln weitergeleitet werden. Es geht im Garten nicht nur um die richtigen Nährstoffe für die Pflanzen, sondern auch (und insbesondere) um eine gute Futterversorgung für meine Bodenbewohner.


Als köstliche Mahlzeit hat dabei u.a. der Kompost die Nase vorn. Gerade für die erfahreneren Gartenfreunde unter euch ist das keine Überraschung, doch nicht umsonst hat sich der Kompost so bewährt mit seinem reichhaltigen Nahrungsangebot für meine Bodenbewohner. Habt ihr zum Beispiel einen sandigen Boden, der weder Nährstoffe noch Wasser besonders gut halten kann, dann helft meiner Humusbildung dort ein wenig auf die Sprünge, in dem ihr von Zeit zu Zeit den Kompost in meine oberen 10-20 Zentimeter einarbeitet. Meine natürliche Bodenmischung kann so optimiert werden für die Aufgabe, die ich für deine Ansprüche erfüllen soll. Auch ein harter Lehmboden kann von der ein oder anderen Kompostzugabe profitieren – im Gegensatz zum Sandboden verbessert das organische Material hier die Bodenstruktur, für eine bessere Sauerstoffversorgung an den Pflanzenwurzeln. Je nach Nährstoffbedarf der Pflanzen, die dort wachsen sollen, kann auch eine Beimischung von Sand einen harten Typen wie den Lehm- oder Schluffboden auflockern.



Gartenbau


Boden will nicht nackig sein


Ein großer Fokus liegt im Sommer auf meiner Bodenfunktion des Wasserspeicherns! Neben meiner Bodenart und meiner damit verbundenen Qualität als Schwamm, kannst du jedoch auch mit deiner Gartenarbeit positiv auf meine Speicherfähigkeit einwirken.


In vielen Gärten dieser Welt liegt meine Oberfläche nackt (und womöglich noch rechtwinklig geharkt) in der Gegend herum. Kein Pflänzchen soll sich in mir verankern oder mir Schatten spenden, alles soll schön „aufgeräumt“ aussehen. Die Sonne trocknet mich auf diese Weise schnell aus und meine Temperatur steigt im Sommer schnell auf über 50°C – keine besonders lebenswerte Umgebung. Meine Oberfläche wird betonhart und bekommt Risse. Zudem haben Wind und Wetter leichtes Spiel, meinen kostbaren, humosen Oberboden fortzutragen, wenn er nicht durch eine Pflanzendecke geschützt wird. Im natürlichen Zustand bin ich als Boden immer mit Pflanzen bedeckt! Das macht es auf der einen Seite natürlich schwerer, bei euch Menschen im Bewusstsein zu bleiben, wenn ihr mich nur selten zu Gesicht bekommt. Doch genau diese Pflanzendecke ist es, die mich schützt und ein aktives und gesundes Bodenleben sichert. Und zugleich sorgt sie dafür, das Wasser länger in mir gespeichert bleibt.


Neben einer lebendigen Pflanzendecke kann da im Sommer auch eine Mulchschicht hilfreich sein als Schutz vor den brutzelnden Sonnenstrahlen.

Hast du dich mal gefragt, warum in deinem Garten eigentlich ständig irgendwo das „Unkraut“ sprießt? Das ist nichts anderes als die Reaktion der Natur darauf, mich, den nackten Boden, zu schützen und so schnell wie möglich wieder zu bedecken. Und dafür nimmt sie natürlich die Pflanzen, die das am besten können. Kräuter und Gräser, die am jeweiligen Standort schnell und robust wachsen und mich unter einem grünen Teppich verbergen. Meist sind das nur eben nicht jene Pflanzen, die du dir für deine Gartenplanung erhofft hast. Doch die wilden Kräuter geben dir wichtige Infos, wie es mir als Boden geht. Und sie geben dir Hinweise darauf, welche (Wunsch-)Pflanzen du nutzen kannst, um deinen Garten zu gestalten. Anstatt gegen das Unkraut anzukämpfen, entscheide dich lieber für eine wachsende Kooperation. Schaue, welche Eigenschaften ich für deine Pflanzen biete und suche dir gezielt solche Pflanzen aus, die konkurrenzfähig sind zum natürlichen „Unkraut“.



Kräutergarten mit Lavendel


Boden verbessern?


Manchmal kommst du vielleicht zu dem Schluss, dass in deinem Garten eine Bodenverbesserung notwendig wird. Doch ist das wirklich so? Vielleicht helfen dir im Vorfeld in paar Fragen:


  • „Was für einen Boden habe ich in meinem Garten und wie kann ich seine bestehenden Eigenschaften bestmöglich nutzen?“

  • „Muss es wirklich diese exotische Pflanze sein mit ihren sehr speziellen Eigenschaften? Gibt es vielleicht eine heimische Verwandte, die besser und vor allem langfristig mit den hiesigen Bodenverhältnissen zurechtkommt?“

  • „Warum erfüllt der Boden nicht meine Erwartungen? Liegt es an der Bodenart? Sind es zu wenige (oder die falschen) Nährstoffe für meine Wunsch-Pflanze?“

  • „Was will ich mit der Bodenverbesserung eigentlich erreichen?“


Welche Aktionen dabei am Ende als Antworten herauskommen, basiert somit zunächst auf einem Abwägen von Angebot und Nachfrage. Was kann der Boden bereits? Was soll er zukünftig können? Und wie viel Einsatz willst du dafür zeigen? Die „Probleme“, die ihr mit mir im Garten habt, sind vielfältig – und ebenso vielfältig und individuell sind auch die Lösungen dafür. Meine Bodeneigenschaften lassen sich in gewissem Maße verändern – doch vielleicht ist großes Potential bereits vorhanden, dass nur ein wenig Unterstützung durch deine Gartenarbeit benötigt.


Und denk‘ dran, ein gesunder Gartenboden braucht Zeit und Pflege 😉



Buchverweis



Wenn du mehr über deinen unterirdischen Garten-Nachbarn erfahren möchtest, dann schnapp dir das Buch „Die Stimme des Bodens“.


Darin hat die Bodenkundlerin und Autorin Sonja Medwedski unserem Boden zum ersten Mal die Gelegenheit gegeben, persönlich zu Wort zu kommen.

Mit so manch amüsanter Anekdote gibt der Boden uns darin einen Einblick in seine Welt und berichtet davon, wie er täglich den Alltag von uns Menschen prägt: sei es im Garten, im Wald, auf dem Acker, auf einem Friedhof oder in der Stadt.


Sonja Medwedski wuchs auf einem Bauernhof im Osnabrücker Land in Niedersachsen auf und hatte schon früh Kontakt zum Boden. Nach dem Studium der Physischen Geographie und der Bodenwissenschaften blieb sie dem Untergrund auch im Berufsleben treu und arbeitet seit über zwölf Jahren im vor- und nachsorgenden Bodenschutz. Die lang gehegte Idee, dem Boden eine Stimme zu geben, hat sie 2022 mit ihrem Buch umgesetzt. Seitdem bringt sie noch mehr Bodenbewusstsein in die Öffentlichkeit – mit Lesungen und Vorträgen, Workshops oder Boden-Erlebnistagen.


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